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The Tribe-Community | Über die TV Serie „The Tribe - Eine Welt ohne Erwachsene“ u. v. m.! | Seit April 2012
 
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 Flavor's Soul (Alaskas Zimmer)

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BeitragThema: Flavor's Soul (Alaskas Zimmer)   Flavor's Soul (Alaskas Zimmer) EmptyMo 1 Jun - 20:21

Das ehemalige Zimmer von Sanjana, der ursprünglichen Besitzerin der Flavor Bar, ist quadratisch und nur spärlich eingerichtet. Es gibt einen Kleiderschrank, ein Bücherregal und ein Bett, das an einer der Wände steht. Durch ein Fenster fällt Tageslicht in den Raum, einen Ein-oder Ausgang stellt dieses jedoch nicht da, da es zur Sicherheit außen mit Gittern versehen ist. An der Decke hängt eine kleine Lampe, deren Schirm eine Blume darstellt, sodass sie angeschaltet die Blätter mit Schatten an die Wände malen würde.
Vom Zimmer geht eine Tür in ein kleines, weiß gefliestes Bad ab, in dem sich eine Dusche, eine Toilette und ein Waschbecken befinden, sowie ein Schminktisch und eine Garderobenstange, da es zu Betriebszeiten der Bar als Backstagebereich gedient hat, in dem sich die Mädchen fertig gemacht haben. Und zuletzt Sanjana. Nun ist es eher Alaskas Privatbad, auch wenn es hier ebenfalls kein fließendes Wasser gibt.
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BeitragThema: Re: Flavor's Soul (Alaskas Zimmer)   Flavor's Soul (Alaskas Zimmer) EmptyMo 1 Jun - 20:32

„Du bist Japanerin? Hätte ich jetzt nicht vermutet. Muss wohl ein schönes Land sein, habe ich gehört. Ich war allerdings nie außerhalb von unserem Land.“ Und das ist wohl auch seltsam, schließlich hatten meine Alten Geld wie Heu, waren aber zu geizig mal mit uns in den Urlaub zu fahren. Na ja vergangen ist vergangen. Jetzt bin ich mein eigener Herr und kann tun und lassen, was ich will, so wie ich es immer wollte aber so ganz wohl fühle ich mich dabei doch nicht. Als Kind habe ich mir so ein Leben immer gewünscht, natürlich nicht ohne einen einzigen Erwachsenen, das nicht unbedingt aber ich wollte unabhängig von meinen Eltern sein. Ich habe immer und pausenlos gegen ihre Regeln rebelliert, wäre dafür sogar beinahe ins Internat abgeschoben wurden. Aber egal.
Hatte ich mit meiner Vermutung doch recht, ich hatte es mir beinahe gedacht, bevor ich die Frage ausgesprochen hatte. Miss Philosophie hatte ihr Leben bisher immer in Freiheit verbracht. Ich hatte auch nicht vor, mit ihr darüber lange Gespräche zu führen, noch hatte ich vor es ihr überhaupt zu erzählen. Wozu bringt mich dieses Mädchen nur? Ich kann es mir nicht erklären. „Ich will eigentlich auch gar nicht drüber sprechen.“ meine ich auf ihre Erklärungen hin, dass sie nie eine Sklavin war. Dann entschuldigt sie sich, weil sie selbst merkt, dass sie mir zu nahe getreten ist. „Schon ok,“ setze ich an „ich habe mich wohl noch nicht ganz aufgegeben, schließlich lebe ich noch, auch wenn diese Zoot-Spinner mir alles genommen haben, wofür es sich zu leben lohnte. Wenn diese Rebellen mich nicht befreit hätten, wäre ich auch noch da und es würde wohl auch Niemanden interessieren. Schließlich habe ich keine Familie mehr.“ füge ich es etwas trübsinniger hinzu, als ich es geplant hatte. Während unseres Gesprächs überfliegt sie immer wieder Seiten in einem Buch.
Mit dem was sie, auf meine Ausführungen über meinen Vater, erwidert, habe ich allerdings nicht gerechnet. Ihre Eltern haben also auch sehr viel gearbeitet. Sie meint, soweit wie ich wäre sie allerdings nie gegangen, von Hass oder Freude über ihren Tod zu sprechen. Tja Babe, du bist halt nicht ich.
„An dem, was du da sagst, erkenne auch ich viel Wahres aber mein Verständnis für meine Alten hält sich trotzdem sehr in Grenzen. Hoffe, du hattest wenigstens das Glück, dass sie Zeit mit dir verbrachten, wenn sie mal zu Hause waren.“ Und ja wie froh ich darüber bin, dass meine Alten Geschichte sind und mein Vater mich mit seinen ewigen Vorwürfen nicht mehr behelligen kann.
Sie meinte, dass sie damit leben könne, dass ich ihr nicht glaube. „Na ja, was anderes habe ich auch nicht erwartet.“ Ich grinse und zwinkere ihr zu. „Und das ich nicht wie die Unschuld vom Lande aussehe, ist mir klar. Das bin ich auch nicht.“ füge ich unverkennbar hinzu, schließlich entspricht es der Wahrheit. Wenn sie wüsste. Ich weiß nicht, einige würden mich wahrscheinlich als Bad Boy ansehen weil ich immer genau das tue, was ich will und mich nur schwer an Regeln von anderen halten kann aber ich kann auch anders und das konnte nur Leah wissen, denn nur in ihrer Gegenwart war ich wirklich der Luca, der ich sein wollte. Ein Luca, der auch mal Schwäche zeigen konnte, ohne gleich das Gefühl haben zu müssen, sein Gesicht vor den Anderen zu verlieren. Es war ein befreiendes Gefühl, welches ich sehr vermisse und wohl nie wieder in dieser Form erleben können werde.
Ich liege plötzlich auf einem Bett. Ob das ihr Bett ist? Es riecht jedenfalls nach Mädchen. Aber trotzdem fühle ich wohl, wenn diese ganzen Umstände, mit meinem Bein usw., nicht wären. Ich wundere mich darüber, habe aber schon wieder vergessen, wie ich hierhergekommen bin. Auf meine Frage, erklärt sie mir irgendwas aber ich höre schon gar nicht mehr richtig zu. Ich verstehe nur noch, dass wir das wieder hinkriegen. Ach echt? Wie denn? Ist sie jetzt auch noch ne Ärztin? Sie überrascht mich immer mehr. Aber ich sage dazu nichts mehr. Ich befinde mich wohl gerade im Dämmerzustand, irgendwo zwischen Wach und Traum und zwischen Kälte und Hitze.
Als Alaska die Bar verlässt und mich mit Katina allein lässt, bin ich schon, tief und fest, eingeschlafen, und bemerke es somit gar nicht.

Als ich meine Augen öffne, glaube ich kaum wo ich bin. Aber ich bin in meinem Zimmer im Haus meiner Eltern. Wo ist die Bar? Wo sind Alaska und Katina? War das alles nur ein Traum?
Plötzlich steht meine Mutter im Raum, reißt die Jalousien auf, damit gleißendes Licht ins dunkle Zimmer fällt und sagt im sehr lauten Ton: „Lucas, steh auf. Du hast schon wieder verschlafen.“ An den lauten Tonfall habe ich mich gewöhnt, so redet sie immer mit mir, selbst mit Leah redet sie so, obwohl die sie gar nicht hören kann. Für meine Mutter gibt es zwischen Schwerhörigkeit und Taubheit keinerlei Unterschied. Auf meinem Nachttisch, nach meinem Hörgerät kramend, stehe ich dann doch auf. Ich stecke es hinter mein Ohr. Während ich mich anziehe und fertig mache, steht meine Mutter wieder im Raum. Privatsphäre gibt es für sie genauso wenig.
„Beeilst du dich jetzt mal? Ich muss zur Arbeit.“ schimpft sie.
„Dann fahr doch. Was hab ich damit zu tun?“ Verstehe einer diese Frau. Soll sie doch zu ihrer geliebten Arbeit fahren, das interessiert mich kein Stück.
„Du, mein lieber Freund, musst in die Schule. Dein Lehrer hat gestern wieder angerufen und mir erzählt, dass du wieder nicht im Unterricht warst.“
„Na und?“ Nachdem dieser Virus ausgebrochen war, der angeblich nur Erwachsene befiel, spielten doch Viele verrückt. Wer geht da noch zur Schule?
„Du hast wieder mit diesem Rollstuhl-Jungen rumgelungert, stimmt‘s?“
„Er hat einen Namen. Er heißt Blake.“ murmele ich grimmig. Wie ich es hasse, wenn sie Blake als „Rollstuhl-Jungen" bezeichnet. Kann sie sich denn gar keine Namen merken?
„Sprich deutlich wenn du mit mir redest.“ faucht sie mich an. „Und jetzt beweg dich endlich ins Auto.“ Und schrei du mich nicht so, möchte ich am liebsten zurückfauchen aber auf noch mehr Diskussionen habe ich jetzt gerade gar keine Lust.
Meine Eltern sind beide der Meinung, dass Blake ein schlechter Umgang für mich ist, nicht nur weil er querschnittsgelähmt ist sondern vielmehr weil seine Mutter eine einfache Krankenschwester ist. Ich beneide Blake oft um seine Mutter. Seit ich ihn kenne, gehe ich bei ihm zu Hause ein und aus. Ich bin ein gern gesehener Gast im Hause Taylor. Mrs. Taylor ist eine herzensgute Frau, die sich mit viel Wärme und Liebe um ihren Sohn kümmert. Meine Mutter dagegen interessiert sich höchstens dafür, was unsere Nachbarn über ihren Vorgarten denken, wenn ich mal wieder das Laub nicht wegfegt habe. Die Ordnung bestimmt unser Haus mit voller Härte. Unser ganzes Haus? Nicht ganz, mein Zimmer bildet da eine große Ausnahme. Es ist nicht schmutzig bei mir aber ganz so penibel sauber wie der Rest des Hauses ist es auch nicht.
Als sie mich an der Schule absetzt, schärft sie mir noch einmal ein, wie wichtig es ist, dass ich gute Noten in der Schule habe. Ich ignoriere es und steige einfach aus. Hinter der Schule treffe ich auf Blake. Er sieht mich gerade nicht, da sein Rolli von mir abgewendet steht.
„Hey du Penner, warum hast du mich nicht geweckt? Mein Mutter stresst mal wieder tierisch.“ Als ich mich auf die Bank ihm gegenüber setze: „Heulst du oder wie?“ Blake sagt jedoch nichts. Er hält ein Foto in der Hand. Es sieht ganz nass und zerknittert aus aber ich kann dennoch seine Mutter auf dem Bild erkennen. „Alles okay?“ frage ich kleinlaut. Ich kenne ihn nicht als Weichei oder so, also wenn Blake heult, muss schon was Schlimmes passiert sein.
Er schnieft: „Meine Mutter…“ Er stockt immer wieder. „..ist gestern verstorben.“
Meine Augen weiten sich. „Das tut mir sehr leid. Ich, Idiot, das habe ich nicht gewusst.“ Ich bin wohl der größte Trottel, der auf diesem Planeten rumwandelt.
„Konntest du auch nicht. Ich habs bisher niemandem erzählt.“
Zunächst weiß gar nicht so richtig, was ich erwidern soll, denn auch ich habe Mrs. Taylor sehr gemocht.
„Ich kann ne Weile bei dir pennen, wenn du nicht allein sein willst oder Hilfe brauchst.“ Ich weiß, wie schwer es ihm fällt um Hilfe zu bitten, wenn er mal wieder mit dem Rollstuhl nicht zu Recht kommt. Ich habe ihn bereits so kennengelernt, kenne ihn also gar nicht ohne das Ding aber es scheint ihn von Zeit zu Zeit echt noch stark mitzunehmen. Und ich mag es nicht, wenn er diesen Selbsthass mit sich rumträgt, dann ist er unausstehlich. Wahrscheinlich ist meine Einschränkung zu gering um das nachvollziehen zu können, was Blake, aufgrund seiner Behinderung, durchleidet aber ich habe mir darüber nie wirklich Gedanken gemacht und darüber kann man mit ihm auch nicht reden, da er dann abblockt. Anstatt auf mein Angebot einzugehen, lehnt er es ab. Ich habe, ehrlich gesagt, auch nicht damit gerechnet, dass er sich darauf einlässt. So gut es geht, versucht er allein klarzukommen.
„Nein, geht schon. Das musst du nicht.“
„Es würde nicht nur dir helfen.“ meine ich verbissen. Das mir ausgerechnet, in diesem Moment meine eigenen Probleme wieder einfallen, ist so typisch für mich. Scheiß Egoismus.
„Wieso? Hast du wieder Stress mit deinen Eltern?“ Er trocknet sich die Augen mit einem Taschentuch und putzt sich dann die Nase.
Ich nicke: „Sorry, ich weiß meine Probleme sind nichts im Vergleich zu deinen und ich möchte jetzt auch eigentlich gar nicht darüber reden.“ Der Drang darüber reden zu können ist groß aber ich weiß, dass ich eigentlich, ihm beistehen sollte, nach seinem großen Verlust und nicht wieder an mich selbst denken sollte.
Er zwingt sich zu einem Lächeln: „Eigentlich heißt bei dir, dass du dringenden Gesprächsbedarf hast, also erzähl schon.“
Gut enttarnt. Lügen kann ich also auch nicht. Er kennt mich einfach zu gut.
„Mein Alter hat mir am Tag nach meinem und Leahs Geburtstag eröffnet, dass ich nach meinem Abschluss in seine Kanzlei eintreten muss.“ meine ich missmutig.
„Weiß er, dass du erst 14 Jahre alt bist?“ fragt er skeptisch.
„Keine Ahnung. Manchmal frage ich mich ob er bei meiner Zeugung überhaupt anwesend war, so wenig wie wir gemeinsam haben.“ Tja, ich habe auch oft das Gefühl, dass ich adoptiert wurde aber wenn es so wäre, hätte mein Alter mich sicher schon längst wieder vors Waisenhaus gekarrt, wo er mich hergeholt hat. Dementsprechend muss ich wohl sein eigen Fleisch und Blut sein, ob ich das nun toll finde oder nicht, spielt dabei keine Rolle.
„Die Party war super.“ bemerkt Blake um mich auf andere Gedanken zu bringen, obwohl er es ja nötiger hätte als ich. Er redet von meiner Geburtstagsparty, zu meinem und Leahs 14. Geburtstag. Sie war letzten Samstag und meine Eltern waren nicht daheim, was mich an diesem Tag, keineswegs störte. Ich hatte ein paar Freunde eingeladen, genauso wie Leah und wir haben gefeiert, bis zum Umfallen. Später gab es noch Stress mit unseren Spießernachbarn aber das war uns egal. Na ja nicht allen. Leah war es nicht egal. Sie bat mich die Musik leiser zu stellen, wenn es die Nachbarn stören würde aber ich war zu betrunken, um überhaupt auf die Reihe zu kriegen, was sie mir sagte. Selbst mein spießiger Bruder war angetrunken. Das muss man sich mal vorstellen. Luke, der Langweiler in Person, war betrunken. Hatte ich vorher nicht mit gerechnet, dass er auch ne coole Seite hat.
„Ja, das stimmt. Sieh mal hier.“ Ich hole ein Foto aus meiner Hosentasche und reiche es ihm.
Auf dem Bild sieht man die drei Parker-Geschwister, gemeinschaftlich auf der Wiese im elterlichen Garten sitzen. Leah sitzt in der Mitte, links ich und rechts von ihr Luke. Ich habe meinen Arm um meine Zwillingsschwester gelegt. Alle lächeln. Das Bild wurde an Anfang des Tages aufgenommen, als wir alle noch nüchtern waren.
„Ein schönes Foto. Man kann richtig erkennen, dass ihr Zwillinge seid. Sie hat deine Augen.“
Er gibt mir das Bild zurück und ich betrachte es noch einmal. „Stimmt. Ist mir bisher nicht aufgefallen.“
„Idiot.“ Blake schlägt mir leicht vor die Stirn.
„Na gut. Klar sind wir uns ähnlich. Wir sind immerhin Zwillinge.“ Auch ich muss lachen. „Was wolltest du denn hören? Und schlag mich gefälligst nicht. Man vergreift sich nicht an körperlich beeinträchtigten Menschen.“
Blake lacht: „Keine Ahnung. Du bist ein Idiot weißt du das? Was machen wir heute?“ So mag ich ihn schon mehr, wenn er lacht.
„Zur Schule gehen?“ Ich kann mir ein Grinsen nicht verkneifen, da ich das Wort „gehen" besonders betone, um ihn aus der Reserve zu locken. Und es funktioniert. Auch wenn er den Schmerz natürlich nicht ganz vergisst, sieht sein Gesicht, schon wieder weniger traurig aus.
Blake boxt mich oder eher versucht es, denn ich weiche ihm aus.
„Du hättest es nötig. Denk an die tolle Zukunft, die Daddy für dich vorgesehen hat.“
„Ach wenn sich dieser Virus weiter ausbreitet. Ist es eh aus mit ihm.“
Über die tolle Zukunft, die mein Vater des Jahres, für mich geplant hat, mache ich mir schon lange keine Gedanken mehr, seit der Virus ausgebrochen ist. Ich warte nur noch den Moment seiner Beerdigung ab.
„Tut mir nur Leid um deine Mum. Sie war super. Auch ich werde sie vermissen.“ Bei Blake’s Mutter ist das hingegen was anderes. Sie war einfach super. Ich habe fast das Gefühl, als wäre sie meine Mum und ich hätte sie verloren. Aber dann besinne, ich mich wieder, nein, deine Mum sitzt auf Arbeit und verknackt irgendwelche Kriminellen. Was für eine Tragödie, nicht nur für die Knackis.
Dann fällt mir wieder ein, was ich heute früh, noch bevor meine Eltern aufgestanden sind, im Flur „gefunden“ habe. „Und sieh mal, was ich meinem Super-Daddy aus der Tasche geklaut habe.“ Ich zücke einen Autoschlüssel aus der Tasche.
„Nein. Das hast du nicht getan.“ Blake greift nach dem Schlüssel. Ich halte ihn aus seiner Reichweite.
„Na, na Mr. Taylor, wenn du Glück hast, nehme ich dich ein Stück mit.“
Das war so klar, dass er sich darüber freuen würde, mit dem schweineteuren Mercedes meines Vaters rumkurven zu können.
„Na dann worauf warten wir noch? Wo hast du die Karre stehen?“
„Ich muss dir leider vorher mitteilen,“ beginne ich, im gespielt, ernsten Ton „dass ich dich aus versicherungstechnischen Gründen nicht ans Steuer dieses Fahrzeugs lassen darf.“ Ich steige dann, nach einer Weile, doch mit in sein Lachen ein, da ich es mir nicht länger verkneifen kann.
„Na dann, folge mir.“ meine ich und stehe auf.
Ich kanns immer noch nicht glauben, dass ich das wirklich getan habe. Meinem Vater den Autoschlüssel zu klauen und dann vom Kanzleiparkplatz runterzufahren, war wirklich das Coolste was ich je getan habe. Unser Ausflug zum Strand war echt geil. Das Auto sah danach aus wie sau aber ich genoss jede Minute. Und was tat ich danach? Ich versenkte die Karre im Meer. Wofür brauchen Sterbende denn ein Auto? Und noch viel cooler fand ich dann, dass ich keinerlei Strafe dafür erhielt, denn mein Vater starb noch in der gleichen Woche, bevor er herausfinden konnte, dass ich sein Auto geklaut hatte. Und meine Mutter hatte danach andere Probleme als ein verschwundenes Auto.
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BeitragThema: Re: Flavor's Soul (Alaskas Zimmer)   Flavor's Soul (Alaskas Zimmer) EmptyMo 1 Jun - 20:35

Ich schlage die Augen kurz auf. War das doch alles ein Traum? Ich blicke in Katinas besorgtes Gesicht. Alaska ist aber nicht da. „Wo ist sie?“ frage ich schwach. Katina erklärt, dass Alaska draußen im Schankraum wäre. Ich habe nicht wirklich das Gefühl, dass sie die Wahrheit sagt aber beschwere mich nicht über diese Tatsache. Ich schließe wieder die Augen und schlafe wieder ein. Vielleicht hat sie sich doch wegschlichen damit die Zeit ihr Problem von selbst löst. Hätte nicht gedacht, dass sie so jemand ist aber ich bin zu schwach um mir weiter darüber Gedanken zu machen.

Ich wache immer wieder schweißgebadet auf. Der Schmerz wird stärker. Ich ziehe mich am Bettgeländer in eine sitzende Position und schlage die Bettdecke beiseite. Wer hat mich zugedeckt?  Auf Katinas Bitten doch liegen zu bleiben, höre ich gar nicht: „Lass mich gefälligst in Ruhe“, schreie ich sie an. Sie zuckt zurück und weicht von mir. Wenn sie bisher keine Angst vor mir hatte dann spätestens jetzt. Sie sagt nichts mehr. Versucht auch nicht mehr mich aufzuhalten. Gut für sie. Das Aufstehen klappt allerdings nicht, wie ich es mir vorgestellt hatte. Ich rutsche zur Bettkante, ziehe mein verletztes Bein mit den Händen nach und stelle es auf den Boden neben mein gesundes. Der ganze Raum scheint sich zu drehen. Mit den Händen halte ich mich an der Matratze fest. „Kannst du mir mal helfen?“ frage ich hoffnungsvoll. Sie meint, es wäre besser, wenn ich liegen bliebe. Ich winke mit der Hand ab. Mein Gesicht ist wut- und schmerzverzerrt. Du hast ja keine Ahnung. Ich bin mal wieder, stur wie ein Esel und das was ich will, zählt gerade mehr als alles andere. Ich will raus hier. Aber wie ist die Frage.
„Alaska“ rufe ich laut in die Bar hinaus, da die Tür immer noch offen steht. Doch ich erhalte keine Antwort. Wo ist die denn hin? „Verrätst du mir nun wo sie ist oder was?“ frage ich wütend. Sie beharrt weiterhin auf ihrer Geschichte, dass Alaska draußen im Schankraum etwas erledigen würde.
Sie reicht mir ein Glas Wasser und meint ich solle etwas trinken. Ich nehme das Glas entgegen und halte es mit beiden Händen fest. Langsam leere ich das Glas bis etwa zur Hälfte und gebe ihr das Glas zurück. Mir war gar nicht bewusst, dass ich einen solchen Durst hatte. Ich wische mir mit dem Arm über meine Stirn, reibe mir dann wiederrum mein Bein, kurz über dem Knie, um mich von den Schmerzen abzulenken. Wieder ermahnt sie mich, dass ich mich hinlegen soll. „Kannst du mal deine Klappe halten? Du bist nicht meine Mutter.“ raune ich ihr giftig zu.
Dann steht sie auf und verlässt den Raum. „Ja geh endlich.“ rufe ich ihr hinterher. Ich höre noch, wie sie etwas von Undankbarkeit murmelt während sie die Tür hinter sich schließt. Dann bin ich allein. Ich bringe mich selbst wieder in eine liegende Position, in der Hoffnung, mein Bein würde endlich aufhören zu pulsieren aber den Gefallen tut es mir natürlich nicht. Ich schließe die Augen aber einschlafen kann ich dennoch nicht mehr. Ich öffne sie wieder und schaue zum Fenster hinüber. Die Sonne senkt sich langsam gen Horizont und färbt den Himmel rosa ein. Bin ich wirklich schon so lange hier? Ich muss mein Zeitgefühl total verloren haben.
Leah sitzt wieder an meinem Bett. „Du bist da. Wie schön.“
Sie nickt.
„Warum sagst du nichts?“
Dann steht plötzlich ein Chose im Raum und reißt sie mit sich.

„Neeeeiiiiinnnnn.“ Ich schrecke hoch und blicke in Katinas besorgtes Gesicht. Doch nur ein Traum?
„Alles okay?“ fragt sie mich. Sie fühlt meine Stirn und zieht die Hand schnell wieder zurück. Kurz darauf verlässt sie kurz den Raum und kommt mit einem feuchten Tuch in der Hand zurück. Das Tuch legt sie auf meine Stirn.
Meine eigene Hand berührt meine Stirn. Sie ist kochend heiß.
Das Fieber steigt….

Katina verlässt immer mal wieder kurz den Raum und sieht wieder herein. „Du machst mich nervös." sage ich genervt. Dann verlässt sie erneut den Raum und meint sie müsse etwas überprüfen aber was genau sie überprüfen will, erfahre ich nicht mehr, da ich schon wieder eingeschlafen bin. Als ich kurze Zeit später wieder aufwache, bin ich allein im Raum. Keine Katina und auch keine Alaska. Haben sie mich jetzt beide allein gelassen? Beide wirkten sehr hilfsbereit und nun? Ein wenig Angst steigt in mir auf. Ich will nicht sterben und erst recht nicht in einer ehemaligen Stripbar. Ob ich nach Hilfe rufen sollte? Nein lieber nicht. Wer weiß wen man damit anlockt? Aber was mache ich jetzt allein? Mein Bewusstsein schaltet sich dann jedoch ganz ab und beantwortet damit meine letzte Frage.
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BeitragThema: Re: Flavor's Soul (Alaskas Zimmer)   Flavor's Soul (Alaskas Zimmer) EmptyDi 16 Jun - 14:52

cf: Flavor's Heart (Großer Saal)

Es empfängt mich: Stille. Luca ist noch hier, liegt verdreht auf dem Bett. Mondlicht fällt auf ihn, sonst ist es auch in diesem Raum dunkel, dabei weiß ich genau, dass es in den Schränken noch Kerzen gibt, die Katina hätte anzünden können. Aber wo ist sie bloß? Ob sie in einem der anderen Räume etwas sucht und gleich zurückkommt? Als wir angekommen sind, habe ich dagegen nichts vernommen, kein Geräusch, das diese Theorie belegen würde...
Ich gehe zum Bett, denn von hier aus kann ich nicht erkennen, ob Luca noch atmet. Was, wenn er gestorben ist und Katina die Bar verlassen hat? Ich könnte es ihr nicht verdenken, denn keinen von uns kennt sie bereits lange und...wer würde schon gerne mit einem Toten zusammen allein bleiben, während er darauf wartet, dass Hilfe kommt, die eindeutig zu spät ist? Ich hasse mich dafür, mich von dieser blöden Ruine im Wald beeindrucken lassen zu haben, dort wichtige Minuten damit zugebracht habe, diese Tafeln zu betrachten und darüber zu philosophieren, wie es wohl zu besseren Zeiten in der Burg ausgesehen hat. Viel eher hätte ich am Fluss sein können, um einiges früher zurück in der Stadt, bevor es zum Ernstfall gekommen wäre. Tränen der Wut schleichen sich in meine Augen, während ich neben Luca knie, mein Ohr dicht über seine Nase und Mund halte, meine Haare so auf die andere Schulter gelegt, dass sie ihm nicht ins Gesicht fallen, und versuche, seine Atmung wahrzunehmen. Von seinem Körper geht keine Wärme aus, als wäre er eine leblose Puppe. Ganz flach spüre ich einen Luftzug. Nur wenn man genau hinsieht, erkennt man, dass der Brustkorb sich noch leicht hebt und senkt. Eine Träne der Erleichterung rollt meine Wange hinab und landet doch auf Lucas Gesicht. Ich setze mich auf, erst mal...überwältigt davon, dass der fremde Junge noch unter den Lebenden weilt. Wie lange kann ich zwar nicht sagen, fange ich jetzt dagegen damit an, seine Verletzung noch mal zu untersuchen und das Gemisch herzustellen, das den Biss beruhigen und das Gift in ihm aus Lucas Körper ziehen wird. Obgleich seine Haut sich kühl anfühlt, glänzen Schweißperlen auf Lucas Stirn, die ich mit einem Tuch, das zusammen mit einer kleinen Wasserschale immer noch auf dem Nachttisch neben dem Bett steht, abtupfe und den Lappen anschließend auf der Stirn neu angefeuchtet liegen lasse.
Dann bemerke ich, wie sich hinter mir etwas rührt, denke sofort, es wäre Katina und öffne meinen Mund, um etwas zu sagen, ihr dafür zu danken, dass sie die ganze Zeit bei unserem Gast geblieben ist, mich dafür zu entschuldigen, dass ich so lange gebraucht habe und ihr einfach um den Hals zu fallen und sie zu umarmen, weil sie eine Freundin gewesen ist, seit sie hier ist und das schon nach so flüchtiger Dauer unserer Bekanntschaft. Im Türrahmen erkenne ich allerdings Jona, der mir gefolgt sein muss. Ich beobachte, wie er wortlos ins Zimmer tritt, nachdem er Luca auf der Matratze hat liegen sehen. Den genauen Ausdruck in seinen Augen kann ich nicht sehen. Dann hebt er etwas vom Boden auf, was ich im Schimmern des Lichts als das Foto erkenne. Wie ist das nur dort hingekommen? Jona betrachtet das Bild, was er darüber denkt, zeigt seine Mimik ebenfalls nicht. Stattdessen kommt er näher zu mir, legt das Bild neben die Wasserschale auf den Tisch und fragt flüsternd, wie es Luca geht. Die Nähe ist ihm dabei wohl unangenehm, weshalb er zur Tür zurückkehrt, fast als wollte er sofort wieder gehen. Aber er hat es nicht anders gewollt.
"Ich weiß es nicht genau. Er wurde von einem Hund gebissen, die Wunde hat sich entzündet und ich denke, dass es eine Blutvergiftung ist. Darum musste ich weg und...Sachen für Medizin holen. Eine Freundin ist hier geblieben, sie kommt bestimmt gleich", entgegne ich ruhig. Ich glaube einfach nicht, dass Katina weg gegangen ist. Suchend gleiten meine Augen durch das Zimmer. Oder hat sie irgendwo eine Nachricht hinterlassen? Entdecken kann ich zumindest nichts.
"Ich muss die Medizin jetzt herstellen. Wenn du willst, kannst du mir helfen. Einen guten Schlafplatz kann ich dir außer den Bänken draußen im Saal aber leider nicht anbieten, da das hier das einzige Bett ist", sage ich zu Jona, als ich mich langsam aufrichte. Unser Lauf durch die Nacht hat derweil länger gedauert als gedacht, sodass der Morgen bereits wieder anbricht. Gut für mich, denn so bin ich nicht mehr lange nur auf das Modlicht angewiesen. Ich setze meinen Rucksack ab und hole alles hervor, was ich gesammelt habe, lege es vor mich auf den Boden, wo das Licht hinscheint. Daneben stelle ich meinen Mörser und nehme wieder das Buch zur Hand.
"Kannst du vielleicht einen der Kanister hinterholen und schauen, ob du an der Bar ein Gefäß findest, in dem wir dann die Kräuter waschen können?", bitte ich Jona und lese mir die genaue Zusammensetzung der Dinge noch einmal durch.
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BeitragThema: Re: Flavor's Soul (Alaskas Zimmer)   Flavor's Soul (Alaskas Zimmer) EmptyDi 16 Jun - 19:56

Ich spüre einen Druck auf meinem Brustkorb. Fühlt es sich so an zu sterben? Ein Druck auf meiner Lunge? Dann tropft plötzlich etwas Nasses auf meine Wange. Der Druck verschwindet. Ich blinzele ganz vorsichtig. Es sind Personen im Raum. Es ist aber noch zu dunkel um zu erkennen, wer die Leute sind. Ich spüre einen feuchten Lappen auf meiner Stirn. Jemand wischt mir den Schweiß ab und legt den Lappen kurze Zeit später wieder auf meine Stirn. Es fühlt sich gut an. Wenigstens was. Ich genieße die angenehme Kühle des Lappens. Auch wenn sie nicht gegen das Fieber helfen kann, wie ich befürchte.
Ich höre gedämpfte Gespräche, was sie sagen, verstehe ich allerdings nicht. Sie sprechen zu leise. Verdammtes Hörgerät. Dass das Teil auch immer dann verrecken muss, wenn man es braucht. Aber halt es ist ja in meiner Tasche. Wie kommt es dorthin?  Ob ich jetzt auch noch ausgeraubt werde? Wer sind die Leute im Raum? Ist Katina zurückgekehrt? Oder vielleicht sogar Alaska?
Ich habe geträumt, ich wäre zu Hause bei meinen Eltern. Ich habe Blake vor der Schule getroffen. Er hat mir vom Tod seiner Mum erzählt. Die Erinnerungen drehen sich wie wild in meinem Kopf. Oder ist es der Raum? Mein Bein zuckt wieder und brennt schmerzhaft. Ich verziehe das Gesicht: „Ahh“ stöhne ich. Ich öffne die Augen und blicke mich um. „Katina? Bist du das?“ frage ich schwach. Meine Stimme klingt total rau als hätte ich die letzten Stunden schreiend statt schlafend verbracht. Es schockiert mich ziemlich, wie ich selbst klinge. Ich sehe nach rechts. Dort erkenne ich allerdings nicht Katina sondern Alaska. „Du bist wieder da.“ sage ich kraftlos aber glücklich. Ein Lächeln kriege ich allerdings nicht zustande, die Kraft dafür kann ich nun wirklich nicht aufbringen. Meine Augen wandern im Raum umher. Hat sie nicht gerade mit jemandem geredet? „Ist Katina wieder da?“ frage ich vorsichtig. „Mir war so als hättest du mit jemandem geredet.“ Mein Kopf sinkt wieder auf das Kissen. Mir ist übel. „Kann ich was zu trinken haben?“ Ich setze mich ein wenig auf und ignoriere den Schwindel. Ich nehme das Glas entgegen und trinke es leer. Meine Kehle war ganz trocken. Ich habe vorher gar nicht realisiert wie durstig ich bin. Mein Magen dreht sich. Und ich kann den Brechreiz nicht mehr unterdrücken. Glücklicherweise steht ein kleiner Plastikmülleimer neben dem Bett. Ich übergebe mich in den Eimer. Alaska weicht angewidert zurück. Ich lehne mich wieder ins Bett und Alaska reicht mir ein neues Glas Wasser, um den Geschmack des Erbrochenen hinunterzuspülen. Eklig.
„Warst du weg?“ frage ich verwirrt. Ich sehe zum Fenster. Der Morgen dämmert bereits. Ich wische mir mit der Hand übers Gesicht, dabei stoßen meine Finger an den Lappen. Er rutscht mir über die Stirn. Alaska greift danach und legt ihn wieder auf meine Stirn. „Danke.“ murmele ich leise. „Mir ist so warm.“ jammere ich. Dann steht plötzlich ein junger Mann im Raum. Wer ist das denn? Wieder so eine Halluzination? „Siehst du den Typen bei der Tür auch?“ flüstere ich in Alaskas Richtung und sehe sie an. Sie nickt. Dann packt sie allerlei Zeug aus. Grünzeug. Und schnappt sich ihr Buch. „Ich bin grad nicht in der Stimmung, falls du mir jetzt was vorlesen willst.“ meine ich schelmisch grinsend. Na ja wenn mein Mund schon wieder so gut funktioniert, kann es ja nur besser werden. Der Blick den ich für diesen Spruch ernte, hat mir gefehlt. Wie lange war sie wohl weg? Gerade war es doch noch dunkel. Nun beginnt schon wieder ein neuer Tag. Ich fühle mich jedoch als hätte ich gleich mehrere Nächte durchzecht anstatt hier faul rumzuliegen. Und auch das störrische Kind in mir erwacht langsam wieder. Ich setze mich ganz auf. Währenddessen sortiert sie ihr Grünzeug. „Willst du jetzt deine Karnickel füttern?“ frage ich sie frech. Der junge Mann erscheint neben Alaska und reicht ihr eine kleine Schüssel und einen Kanister mit Wasser. „Redet mal jemand mit mir?“ frage ich genervt, da ich bisher keine Antwort erhalten habe. Ich sehe den Typen misstrauisch an. Wer ist das? Und was will der hier? Ist das etwa ihr Freund? Oh mein Gott, ihr Männergeschmack lässt dann ja echt zu wünschen übrig. Dieses magere Kerlchen? Mein Blick wandert zwischen den beiden hin und her. Er hockt sich neben sie und beobachtet was sie mit dem Grünzeug veranstaltet. Mich interessiert das jedoch überhaupt nicht. Mein Bein brennt weiterhin wie die Hölle und das Fieber will auch nicht nachlassen. Meine Laune sinkt. Ich drehe den Kopf von den beiden weg und schließe meine Augen.
Dann spricht der Kerl plötzlich mit mir. Aber er flüstert. Was soll der Quatsch? Ich verstehe kein Wort. „Sprich mal lauter.“ meine ich ernst und grantig. Ich sehe ihn wieder an, „Ich verstehe dich nicht.“ Ich deute auf mein rechtes Ohr, um zu verdeutlichen, worum es mir geht. Er sieht mich ziemlich irritiert an. Ist er schwer von Begriff oder was? Das erinnert mich daran, wie Alaska mich angebrüllt hat als ich sie darum bat lauter zu sprechen. Innerlich muss ich lachen. Eine schöne Erinnerung. „Hast du den hier angeschleppt?“ frage ich skeptisch und blicke in Alaskas Richtung. Sie ist allerdings weiter mit ihren Kräutern, oder was auch immer dieses Grünzeug sein soll, beschäftigt. Ich ignoriere den Typen einfach weiter. Sein dämliches Gequatsche geht mir jetzt schon auf die Nerven. Kann sie ihn nicht einfach wieder vor die Tür setzen, wo er herkommt? Ätzend, immer muss jemand nerven.
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BeitragThema: Re: Flavor's Soul (Alaskas Zimmer)   Flavor's Soul (Alaskas Zimmer) EmptyMi 17 Jun - 16:16

cf: Flavor's Heart (Großer Saal)

Ich beobachte wie sich Alaska neben das Bett kniet und ihren Kopf auf den Brustkorb des jungen Mannes legt. Viel kann ich nicht erkennen, da es gerade erst hell wird. Sie muss meine Bewegung wahrgenommen haben, denn sie sieht mich an. Als ich das Foto mitten im Raum finde, sagt sie immer noch kein Wort. Ich betrachte es nur kurz und frage mich wer die Kinder auf dem Bild wohl sein mögen, dann lege ich es auf den Nachttisch. Nachdem ich mich nach dem Befinden des jungen Mannes erkundet habe und Alaska meint, sie glaube es wäre eine Blutvergiftung, da er von einem Hund gebissen wurde. Da geht mir ein kleines schwaches Licht auf. Hund gebissen? Er wird doch nicht… Ich betrachte den Jungen. Wie ein Dieb sieht er nicht gerade aus aber was heißt das schon. Wie sollen Diebe denn schon aussehen? Ich behalte den Gedanken jedoch für mich. Es gibt gerade wichtigeres zu tun. Alaska redet dann von einer Freundin, die da geblieben wäre. Wo ist sie denn? Ich horche noch mal in den leeren Schankraum. Man hört nach wie vor nichts. Sie meint, ihre Freundin käme gleich wieder. Wer lässt bitte sehr einen schwerkranken Mann allein zurück und überlässt ihm seinem Schicksal? Das erinnert mich wieder an die Erlebnisse im Wald. Der Egoismus scheint sehr weit verbreitet in dieser Welt. Traurig. Sehr traurig. Sie sagt, ich könne ihr beim Herstellen der Medizin helfen und außer einem Schlafplatz draußen auf den Bänken könne sie mir nichts anbieten. „Das ist okay. Besser als gar kein Schlafplatz.“ meine ich. „Ich helfe dir gerne. Wir können ja dann abwechselnd wach bleiben, wenn du zu müde wirst.“ Sie bittet mich dann einen Kanister zu holen und eine Schüssel aus der Bar. Ich nicke kurz und gehe hinaus in den Schankraum. Eine geeignete Schale zu finden, ist gar nicht so einfach aber ich kann im Schrank hinter dem Tresen eine kleine Schüssel finden. Die wird reichen. Als ich das Zimmer wieder betrete, ist der junge Mann wach und beschwert sich gerade darüber, dass ihm warm wäre. Ich höre ihn flüstern. Er fragt, doch wirklich an Alaska gerichtet, ob sie mich auch sehen könnte. Warum sollte sie mich denn nicht sehen? Ich bin verwundert. Alaska bereitet sich währenddessen vor ihre Kräuter zu sortieren und hat ihr medizinisches Buch zum Lesen in der Hand. Der junge Kerl kommentiert es sehr frech, dass er jetzt nicht in der Stimmung wäre, dass man ihm vorliest. Er grinst dabei. Ich setze mich neben Alaska auf den Boden und reiche ihr die Schale. Den Kanister mit dem Wasser stelle ich neben die Schale. Ich beobachte wie sie die Kräuter sortiert. Ich bin beeindruckt, sie scheint sich sehr gut mit den Pflanzen auszukennen. Der junge Mann richtet sich währenddessen auf und fragt, ob Alaska jetzt ihre Kaninchen füttern wolle. Dafür dass er so krank ist, funktioniert sein Mundwerk erstaunlich gut. Ich finde seine Sprüche sehr unangebracht. Schließlich will Alaska ihm nur helfen. Er reagiert sehr gereizt als er nicht sofort eine Antwort bekommt. Er beobachtet mich, dass kann ich aus den Augenwinkeln wahrnehmen. Dann dreht er sich weg, als wäre er beleidigt. „Was hast du denn angestellt, dass er dich gebissen hat?“ frage ich leise. Man weiß ja nie, wer sich in der Nähe rumtreibt und wen man mit seinen Gesprächen anlockt. Er dreht sich wieder zu mir und fährt mich an, dass ich lauter sprechen solle und er mich nicht verstehen könne. Er deutet dabei auf sein Ohr. Was diese Geste allerdings bedeuten soll, weiß ich nicht. Er soll sich mal nicht so anstellen, so leise habe ich nun auch nicht gesprochen. Dann fragt er Alaska ernsthaft, ob sie mich hier angeschleppt hätte. „Ich bin aus freien Stücken hier.“ meine ich ernst. „Für einen kranken Typen bist du ziemlich vorlaut.“ füge ich forsch hinzu. Ich muss mir ja nicht alles von diesem Fremden gefallen lassen. „Mein Name ist übrigens Jona und wie heißt du, wenn man fragen darf?“ Ich blicke ihn wachsam an. Seine genervten Blicke ignoriere ich bewusst. Sehr sympathisch ist der Kerl mir schon mal nicht. Ich habe selten so etwas Unfreundliches erlebt. Ich überlege schon halb die Bar wieder zu verlassen aber ich will sie nicht mit diesem unberechenbaren Kerl allein lassen. „Lebt ihr schon lange zusammen hier?“ frage ich Alaska und ignoriere den Typen wieder.
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BeitragThema: Re: Flavor's Soul (Alaskas Zimmer)   Flavor's Soul (Alaskas Zimmer) EmptyFr 19 Jun - 0:11

Ein schmerzvolles Aufstöhnen lässt meinen Blick zum Bett rucken. Luca ist wach! Als seine Augen meine treffen, geht ein warmes Gefühl durch meinen Körper. Ich freue mich, weil es ihm gut genug geht, als dass er sprechen, sich an Katina erinnern kann. Ein Gedächtnisverlust wäre ein sicheres Zeichen dafür, dass die Vergiftung bereits böse Schäden verursacht hätte, die möglicherweise irreparabel wären. Falls das überhaupt noch eine Rolle spielen würde. Und obwohl Luca heiser ist, klingt seine Stimme in meinen Ohren wie Musik. Die Musik der Lebendigkeit. Als Luca mich etwas länger ansieht, ein paar Sekunden, weiß er, wer ich bin. Sein Gesicht zeigt kaum eine Regung, seine kratzige Stimme vermittelt mir aber, dass er sich wenigstens ein bisschen freut. Seine Pupillen bleiben jedoch nicht lange auf mir ruhen, sondern zucken in verschiedene Richtungen, als würde Luca sich umsehen. Nur scheint er keine genaue Kontrolle darüber zu haben. Er fragt nach Katina, ist Jona gerade kurz aus dem Rahmen verschwunden, um die Sachen zu holen, um die ich ihn gebeten habe. So ungern ich ihn bei mir haben wollte am Fluss, so sehr merke ich, dass ich Jona Unrecht getan habe. Mein Angebot zum Schlafen hat er freundlich angenommen, genauso wie dass er mir helfen möchte bei der Medizin. Unsere Worte hat Luca offenbar gehört, kann er sie auch nicht zuordnen.
"Tut mir leid, dass ich so lange gebraucht habe. Wo Katina ist, weiß ich leider nicht. In einem anderen Raum vielleicht", meine ich etwas lauter als vorhin im Saal der Bar, denn sollte es meinem Gegenüber schwindelig sein, kann ich mir vorstellen, dass sein eh beeinträchtigtes Hörvermögen nun nicht unbedingt besser funktioniert, sondern schlechter. In mir regt sich das Bedürfnis, zu Luca zu gehen, ihn mit meinen Armen zu umschließen und...ihm Halt zu geben. In gewisser Weise sehe ich einen Teil von Paris in ihm. Mein Bruder hatte auch immer einen saftigen Spruch auf den Lippen und konnte ich ihm schon nicht nahe sein, sodass wir uns als Team unterstützten, wollte ich es zumindest Luca bieten. Er sieht Paris kein Stück ähnlich, sie teilen nicht mal eine vergleichbare Lebensphilosophie, wenn ich mir durch den Kopf gehen lasse, was Luca da ehe ich gegangen bin über seine Familie und sein Leben vor dem Virus gesagt hat. Und brüderlich fühle ich mich meinem verletzten Gast sicherlich nicht verbunden. Bloß in diesem Augenblick nimmt mich der Einfall des Daseins füreinander ein. Mehr nicht. Dabei hat der Typ es eigentlich nicht mal verdient, dass ich so nett zu ihm bin. Auf dem Grat zwischen Leben und Tod zu balancieren, kann ganz schön viel bewirken.
Relativ schnell kippt die Atmosphäre dadurch, dass mein Patient etwas zu trinken verlangt, das ich ihm von der Restration hier im Zimmer gebe, so schnell wie ich das Glas gefüllt habe - obwohl es nicht besonders schlau ist, Luca noch mal eins zu geben, nachdem ich gesehen habe, was mit dem letzten passiert ist und es sich schneller wiederholen kann als erwünscht - ist es dann wieder leer. Lange verweilt es nicht im Körper seines Wirtes, ist wahrscheinlich nicht mal die ganze Speiseröhre runter geflossen, als es zusammen mit einigen anderen Dingen, die ich heute echt nicht wirklich hätte sehen müssen, aus Lucas Mund kommt, als er sich abermals übergibt. Ein säuerlicher Geruch breitet sich im Raum aus, sorgt dafür, dass ich das Gesicht automatisch verziehe. Dabei macht mir der Umstand Angst. Zu brechen heißt, Giftstoffe aus dem Körper abzugeben, sie loszuwerden. Aber genauso, dass es einem nicht gut geht. Absolut nicht. Das Wasser hier reicht für ein letztes Glas, mit dem Luca seinen Durst stillen und den Geschmack der Magensäure loswerden kann. Er bleibt in halb aufgerichteter Position im Bett, sieht gen Fenster. Was er sagt, lässt meine Befürchtungen weiter stärker werden. Eben hat Luca noch gemeint, ich sei zurück, dabei widerspricht sich das damit, dass es nun so scheint, als habe er meine lange Abwesenheit nicht so wahrgenommen. Ob er immer noch an den Halluzinationen leidet, die ihn plagten, bevor Katina und ich ihn in mein Zimmer gebracht haben? Seine Hand fährt über sein Gesicht, wobei das kühle Tuch von seiner Stirn rutscht. Als ich es richten möchte, ist es warm, das Wasser aufgebraucht, so dass ich auf Jona warten muss.
"Ja, ich war draußen. Katina hat auf dich aufgepasst, während ich nach Kräutern gesucht habe, um etwas gegen deine Infektion tun zu können. Bald wird es sich beruhigen", entgegne ich, lasse von Lucas nun glühendem Gesicht ab. Die Hitzewallungen sind noch da. Ich muss mich beeilen, das Fieber irgendwie senken. Es ist gefährlicher als die Kälte, steigt rascher als die Körpertemperatur lebensgefährlich absinken kann. Hoffe ich zumindest. Also Jona zurückkommt, kehre ich deshalb an mein Buch zurück. Luca schaut meinen neuen Bekannten ungläubig an. Fragt mich flüsternd, ob Jona real sei. Ich nicke. Wimde mich weiter den Kräutern. Zeit für Erklärungen ist später noch genug. Den Spruch, den mein Gast mir dafür zudrückt, ignoriere ich geflissentlich. Für Streit ist nun noch weniger Gelegenheit. Einen Ernsthaft?!-Blick schenke ich Luca dennoch. Lese mich in den Text ein. Im Augenwinkel sehe ich, wie Luca sich bewegt, sich aufrichtet. Jona gibt mir währenddessen eine Schale und einen der Wasserkanister. Ich gieße etwas Wasser in das Gefäß, reinige die Kräuter, bei denen es nötig ist so gut wie möglich und lasse sie danach in den Mörser fallen, wo ich sie mit dem Stampfer zerdrückemische, zeitweise neue hinzumische. Luca redet irgendwas von Kaninchen, das ich nicht ganz in mein Bewusstsein dringen lasse, weil ich nichts falsch machen darf. Sowas kann sehr fatal sein, Medizin zu Gift werden lassen. Nur gibt sich der Verletzte reichlich Mühe damit, mich zu stören, denn wie ein kleinen aufsessiger Junge, der kein Spielzeugauto bekommt, mault er herum, jemand solle endlich antworten. Glücklicherweise übernimmt Jona das Reden. Ich konzentriere mich wieder. So lange, bis alles eine breiige grüne Masse geworden ist.
Es bleibt nichts anderes zu tun, außer zu beten, dass die Sachen anschlagen und das positiv. Jona fragt gerade, ob wir bereits lange hier wohnen. Mit meiner Schale in der Hand setze ich mich neben das Bett, stelle sie auf dem Boden ab und fange an, den Verband an Lucas Bein zu lösen.
"Erst seit ein paar Tagen. Die Bar ist mein kleines Projekt, ich will sie wieder herrichten. Natürlich nicht als Stripbar, sondern als Ort, an dem Leute sich friedlich versammeln und eine schöne Zeit erleben und Ablenkung finden können. Es wird ein gutes Stück Arbeit sein, doch viel hat man nicht mehr zu verlieren, also kann man sich selbst an solche Dinge wagen, ohne gleich unter Druck zu geraten. Hast du denn Pläne in der Stadt?", erkläre ich dem jungen Mann, ohne ihn anzusehen. Der Verband ist blutdurchtränkt und klebt an der Wunde. Vorsichtig zupfe ich ihn ab. Was ich sehe, gefällt mir ganz und gar nicht. Um keine Bakterien von meinen Händen in das offene Fleisch zu bringen, stehe ich flüchtig auf, gehe mit der Schüssel vom Kräuterwasser schnell in mein Bad, um es auszukippen und in meinem Zimmer zurück mit frischem zu füllen, um mir darin die Hände zu reinigen.
"Es wird brennen. Aber das kennst du ja schon", warne ich Luca vor, dann trage ich die Salbe vorsichtig auf die Ränder der Bisswunde auf. Zum Schluss lege ich Blätter auf die offenen Stellen, damit sie das Gift aus ihnen ziehen. Die Natur kann das, ob man es glaubt oder nicht.
"Kannst du sagen, wann Katina ungefähr gegangen ist und was sie machen wollte?", will ich von Luca wissen. Womöglich hat er neben seinem Schlaf etwas mitgekriegt.
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BeitragThema: Re: Flavor's Soul (Alaskas Zimmer)   Flavor's Soul (Alaskas Zimmer) EmptySa 20 Jun - 15:52

Auf meine Fragen reagiert, der Typ, dessen Name ich nicht kenne, überhaupt nicht. Hat er mich überhaupt verstanden? Ich glaube langsam, er hat ein Problem mit den Ohren. Mir fällt außerdem auf, dass Alaska lauter mit ihm als mit mir spricht. Ob er taub oder sowas, ist? Aber auf Geräusche scheint er doch zu reagieren, glaube ich zumindest.
Alaska beginnt die Kräuter zu säubern und klein zu reiben. Sie ignoriert seine Worte. Verständlich zum Streiten ist wohl jetzt auch die falsche Zeit.
Auf meine Frage, ob die beiden hier schon lange leben, meint Alaska, dass sie erst seit ein paar Tagen hier wäre und sie die Bar wieder eröffnen will. Von dem Jungen spricht sie gar nicht. Wie kommt er dann hierher? Aber wie gute Freunde wirken die beiden auch nun gar nicht. Sie fragt mich, ob ich Pläne in der Stadt hätte. „Nein. Egal wo der Wind mich hinträgt. Pläne habe ich keine. Aber wenn ich euch störe, könnt ihr mich einfach rausschmeißen. Aber ein Ziel habe ich nicht.“ Der Junge setzt an etwas zu sagen: „Also, wenn du es schon anbietest.“ Doch Alaska unterbricht ihn und lässt ihn nicht zu Ende sprechen „Sprich ruhig weiter.“ meine ich ruhig und gelassen. Ich spreche nun ebenfalls etwas lauter, damit er mich, falls er wirklich Probleme mit den Ohren hat, besser versteht. Aber er sagt nichts mehr, als wenn sie ihm einen Maulkorb angelegt hätte oder so.
Dann beginnt Alaska, die Wunde des Jungen, zu versorgen. Der Verband ist blutdurchtränkt. Mir wird schlecht und ich wende mich ab. Ich kann kein Blut sehen. Aber der Junge muss immer noch sehr große Schmerzen haben, denn ich höre ihn immer wieder Schmerzlaute von sich geben. Sie verlässt kurz das Zimmer und kehrt schnell zurück. Ich gähne wieder. „Seid mir nicht böse aber ich würde gerne erstmal ne Runde pennen gehen.“ sage ich und strecke mich. Alaska nickt nur und behandelt weiter die Wunde. Ich werfe einen kleinen Blick darauf. Es sieht wie eine richtig üble Bisswunde aus. Was hat der Typ nur angestellt, dass der Hund ihn so übel zugerichtet hat? „Du kannst mich ruhig wecken, wenn ihr Hilfe bei irgendwas braucht.“ meine ich freundschaftlich an Alaska gerichtet. Mit ihm kann man ja eh nicht vernünftig reden, anscheinend. Ich verlasse den Raum und schließe die Tür leise hinter mir, damit ich die beiden nicht störe und ich in Ruhe schlafen kann.

Tbc: Flavors Heart
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BeitragThema: Re: Flavor's Soul (Alaskas Zimmer)   Flavor's Soul (Alaskas Zimmer) EmptySa 20 Jun - 16:03

Ist das ein kleines bisschen Freude, was ich in ihren Augen lese? Sie scheint froh zu sein, dass ich wieder zu mir gekommen bin, wenn ich es richtig deute. Vielleicht mag sie mich ja doch wenigstens ein kleines bisschen. Und ich bereue es gerade, dass ich die ganze Zeit so ein Arsch zu ihr gewesen bin.
Sie meint, sie wisse nicht wo Katina wäre und entschuldigt sich, dass sie so lange gebraucht hätte. Aber was hat sie denn, die ganze Zeit draußen getan?  „Wie, du weißt es nicht?“ frage ich verwundert. „Sie hat mir gesagt, du wärst draußen im Raum. Ich dachte, ihr wärt zusammen dort.“ Ich huste. Meine Stimme bricht immer wieder ab. Es strengt mich sehr an zu sprechen. Dann halt doch mal deine Klappe und penn endlich. Sie spricht lauter. Gut so, denke ich. Meine angeschlagene Gesundheit scheint sich negativ auf mein Gehör auszuwirken. Er fällt mir zunehmend schwerer mich auf ihre Worte zu konzentrieren obwohl sie schon sehr laut spricht.
Dann muss ich mich übergeben. Ich ertrage den widerlichen Geschmack in meinem Mund kaum. „Sorry, ich wollte dir nicht schon wieder die Bude vollreiern aber mein Magen behält heute nix bei sich.“ meine ich bitter.
Alaska erklärt mir, dann dass sie draußen gewesen wäre und Katina bei mir geblieben wäre. Ja, genervt hat sie mich. Sie sagt, sie hätte nach Kräutern gesucht. Kräutern? Damit meint sie wohl, das Grünzeug welches sie gerade wäscht und kleinmahlt. Meine Sprüche ignoriert sie. Seltsam, heute früh haben wir uns halbe Wortgefechte geliefert und jetzt schweigt sie. Sehr merkwürdig. Was ist nur los? Aber dann mischt sich unser neuer Gast wieder ins Gespräch ein und ich verstehe was los ist. Ihr neuer Loverboy. Solche Kerle wie ihn konnte ich noch nie leiden, die saßen zu Schulzeiten immer in der ersten Reihe und wussten auf jede Frage des Lehrers sofort eine Antwort. Was er gefragt hat, habe ich hingegen nicht verstanden. Aber sie erklärt ihm gerade, dass sie noch nicht lange hier wäre und die Bar ihr kleines Projekt wäre. Und fragt ihn dann ob er irgendwelche Pläne für die Stadt hätte. Sich zu verziehen, zum Beispiel? Ich werde jedoch in ihren kleinen Ausführungen mit keinem Wort erwähnt. Will sie meine Hilfe nun doch nicht? Na gut im Moment werde ich ihr keine allzu große Hilfe sein aber ich werde ja hoffentlich wieder gesund.
Er erklärt wir könnten ihn rauschmeißen, wenn er uns stören würde. „Na, wenn du es schon anbie…“ Doch Alaskas finsterer Blick bringt mich zum Schweigen und ich verstumme.
Dann wendet sie sich meiner Verletzung zu. Sie warnt mich, dass es brennen würde aber ich würde das ja schon wissen. Sie löst den Verband, der ganz von Blut durchtränkt ist. Ich muss wegsehen und zucke gleichzeitig zusammen, weil der Verband an meiner Verletzung festzukleben scheint und es ein wenig dauert, bis sie alles restlos entfernt hat. Ich möchte gar nicht wissen, wie es aussieht. Es zerreißt mich jedenfalls vor Schmerzen. Ich würde am liebsten den Raum verlassen aber es ist ja mein Bein, um welches sie sich gerade kümmert, also fällt das schon mal aus.
Währenddessen verabschiedet sich der junge Mann, denn er würde jetzt gerne eine Runde schlafen, meint er und wenn wir ihn bräuchten, könnte Alaska ihn wecken gehen. Warum sollten wir dich brauchen? Dann verlässt er den Raum und schließt die Tür hinter sich. Dann ist Ruhe. Alaskas Stimme durchbricht dann die Stille und sie fragt mich, ob ich wüsste, wann Katina ungefähr gegangen wäre oder was sie tun wollte. „Hier waren so viele Leute. Meine Schwester war auch hier.“ sage ich verwirrt, obwohl mir mein Gehirn sagt, dass es gar nicht Leah gewesen sein kann. „Katina wollte was nachsehen. Ich weiß nicht, wann das war aber seit dem habe ich sie nicht mehr gesehen. Ich habe nach ihr gerufen aber entweder nichts gehört oder sie hat mir gar nicht geantwortet. Keine Ahnung.“ Na ja du warst ja auch nicht gerade nett zu ihr, vielleicht ist sie deswegen gegangen. „Vielleicht bin ich ein klein wenig Schuld daran, wenn ich so drüber nachdenke.“ füge ich schuldbewusst hinzu.
Es nervt mich hingegen immer nur die Hälfte von dem zu verstehen, was sie sagt, deshalb krame ich mein Hörgerät aus meiner Tasche. Bis ich den kleinen Schalter gedrückt habe, dauert es ein wenig, da meine Hände zittern. Ich lege mich wieder auf das Kissen und halte mir das kleine Gerät an mein linkes Ohr. Es piept. Hast du gehofft, dass die Batterie sich von selbst auflädt, oder was? „Scheiß Technik.“ fluche ich und pfeffere es auf den Nachttisch. „Immer wenn man das Ding mal braucht, funktioniert es nicht.“ Ich starre gedankenverloren an die Decke. Es ist frustrierend. Ich bin diese Einschränkung eigentlich seit mehreren Jahren gewohnt. Na ja aber daran gewöhnt habe ich mich nie. Ich weiß nur eins, ich will nicht taub werden. Das wäre die absolute Katastrophe für mich. Und ich weiß trotzdem fast sicher, dass dieser Moment kommen wird, wenn ich mich an meine Schwester erinnere. Ich bin so in Gedanken vertieft, dass ich erst gar nicht bemerke, wie Alaska anfängt mein Bein frisch zu verbinden.
„Sag mal, wo hast du den Trottel da draußen eigentlich aufgegabelt? Ist das jetzt dein Katina-Ersatz, wenn sie nicht wiederkommt?“ Denn ich habe leider die Befürchtung, dass ihre Freundin oder Bekanntschaft leider nicht wiederkommen wird und ich habe leider das dumpfe Gefühl, dass es meine Schuld allein ist, weil ich ungerecht und gemein zu ihr gewesen bin. Und dass es mir schlecht geht, rechtfertigt dieses Verhalten noch lange nicht. Dann ist sie endlich fertig und richtet sich auf. Ich greife nach ihrer Hand, die ich gerade noch so erwischen kann. „Danke, dass du mir hilfst. Ich weiß, dass wirklich zu schätzen.“ Ich versuche zu lächeln, obwohl das Fieber es mir nicht leicht macht. Auch wenn ich noch nicht ganz auf dem Weg der Besserung bin, verdanke ich dieser jungen Frau mein Leben. Ohne sie wäre ich womöglich schon lange über den Jordan gegangen. Sie macht sich bereit den Raum zu verlassen. Ich möchte aber gerne, dass sie noch ein wenig bei mir bleibt. „Hast du noch ein wenig Zeit?“ frage ich sie deshalb. „Du willst sicher auch schlafen gehen. Und ich liege in deinem Bett. Vielleicht sollte ich lieber draußen pennen.“ Ich bin ganz verlegen und weiß nicht so recht, was ich sagen soll. Ich bin nicht verknallt oder so aber einer Frau wie ihr bin ich vorher noch nicht begegnet. Und wenn ich noch mal drüber nachdenke, habe ich mich bisher wie ein kompletter Idiot verhalten, vielleicht wäre es auch angebracht, dass ich mich bei ihr entschuldige. Ich raffe mich dann doch dazu auf. Sie setzt sich kurz auf die Bettkante. Ich rücke ein Stück von der Kante weg damit sie Platz hat. „Ich wollte mich bei dir entschuldigen. Ich weiß, ich habe mich bisher wie ein Idiot verhalten und ich will mich besseren.“ Ich kann es selbst gar nicht glauben, was ich da von mir gebe aber ich meine es ernst. Alaska scheint mir etwas zu bedeuten, dabei weiß ich nicht woher diese Gefühle rühren. Natürlich ist sie ein wunderhübsches Mädchen aber ich bin nicht oberflächlich wie die meisten anderen Kerle in meinem Alter. Vielleicht kommt es dadurch, dass sie mir vorhin oder nein eher gestern immer kontra gegeben hat. Ich muss zugeben, dass hat mir sehr imponiert. Ich hoffe, dass sie meine Entschuldigung akzeptiert und wir so etwas wie Freunde werden können.
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BeitragThema: Re: Flavor's Soul (Alaskas Zimmer)   Flavor's Soul (Alaskas Zimmer) EmptyMo 22 Jun - 15:19

Katina und ich sollen die ganze Zeit über gemeinsam im Saal draußen gewesen sein?! Sie ist weg. Sie hat ihn allein gelassen, meint meine innere Stimme dazu. Meine gutgläubige Seite versucht dagegen zu halten, dass es auch sein könnte, dass Katina raus gegangen ist, um selbst nach etwas für Luca zu suchen. Oder...was ist, wenn sie gekidnappt worden ist von Verrückten? Das mit diesem Joel auf der Straße hat ja gezeigt, was alles möglich ist und dass es als Frau gefährlich draußen ist, wenn ein Kerl sich was in den Kopf gesetzt hat oder denkt, er könne wann immer er möchte mit jeder beliebigen Person, die er auserkürt, seinen Spaß haben. Dabei war der Techno noch vergleichsweise harmlos, schätze ich.
Ich schaue Luca an und verneine.
"Katina ist wirklich bei dir geblieben. Ich bin alleine weg gegangen", stelle ich nochmals ernst fest. Die Ungewissheit macht einen wahnsinnig, genau deshalb ist es besser, sich von anderen lieber zu distanzieren. Nur so kann man sich davor schützen, von Gefühlen vereinnahmt zu werden und ständig ein Stück zu zerbrechen, obwohl man jemanden noch gar nicht lange kennt...
Nachdem Luca seinen Mund mit dem Wasser ausgespült hat, entschuldigt er sich. Ich winke freundlich ab, ist es vollkommen nachzuvollziehen, dass einem bei so einer Verletzung schlecht wird, weil sie sich auf den ganzen Körper auswirkt auf gewisse Weise. Und dass er sich freiwillig aussucht, dass er sich übergibt, glaube ich eher weniger.
"Schon gut, mach dir keine Sorgen", erwidere ich, höre dann dem zu, was Jona sagt.
Hingehen, wohin das Leben ihn treibt, das ist nach eigener Aussage sein Lebensstil. Damit hätte ich nicht gerechnet, dabei kann ich nicht mal sagen wieso. Mit seinen Einladungen und allem am Fluss und auch so hat er nicht wirklich so gewirkt wie jemand, der einem Blatt gleicht, das sich von allen Winden, die es berühren, beeinflussen lässt. Er ist ein ruhiger Typ Mensch, aber so als wüsste er nicht, was er möchte, scheint Jona nicht. Selbst wenn er keine genauen Pläne hat, doch wer hat die schon? Hätte ich die Bar nicht gefunden, wüsste ich auch nicht, was ich tun sollte, wo ich untergekommen wäre und ob ich überhaupt gerade in Freiheit leben könnte. Ich könnte am Meer im Strandhaus leben, alleine und abgeschieden von den meisten anderen Menschen, mich vor Gästen verstecken, weil ich keine Lust auf Ärger habe und man nie in die Köpfe von Leuten schauen kann, um deren wahre Absichten zu erkennen und täglich surfen, bis mir alle Knochen wehtun würden und ich müde in mein Bett fallen könnte, um alles um mich herum zu vergessen. Womöglich hätte ich auch dort mit dem Tanzen wieder anfangen können, trainieren, nur für mich selbst, bis ich alle Choreographien, die ich früher perfekt beherrschte, wieder konnte. Ich bin keinesfalls eingerostet, nur hatte mich das, was mich früher vor dem Virus erfüllt und mir die Einsamkeit genommen und Spaß gemacht hatte, nicht mehr so in eine andere Welt führen können wie vor den Unglücken. Zu groß war die Angst um Paris, die Angst davor, dass jemand in die Wohnung einbrechen könnte, die Angst vor allem. Es war nichts, das sich hätte wegtanzen lassen.
Ich wende mich wieder Jona zu, als er meint, wir könnten ihn wegschicken, falls er fehl am Platze sei. Luca - wieder zeitweise ganz der Alte - muss dazu natürlich erst mal einen Spruch raushauen. Als wäre er nicht froh darüber gewesen, hier bleiben zu können. Auf der Straße hätte er in seiner Schwäche ein Spielball für wen werden können, der grade mal schlechte Laune hat oder so, wie zum Beispiel die Kinder, die dem Mädchen, das von Ram gerettet wurde, ihren Rucksack entreißen wollten, am hellichten Tag unter Beobachtung von so vielen anderen Menschen. Zudem sollte Luca meinem neuen Bekannten dankbar sein, denn ohne ihn hätte ich es - so ungern ich es zugeben möchte - am Ende wahrscheinlich wirklich zu spät geschafft zurückzukommen. Oder ich hätte einen Kanister zurücklassen müssen, was ein eher kleines Übel gewesen wäre, doch es geht gerade ums Prinzip.
Mein Blick sorgt dafür, dass  Luca verstummt, aus welchem Anlass auch immer, hat es ihn in der Bar ebenfalls kaum gekümmert und daran gehindert, weiter mit mir zu diskutieren. Ich kann jedoch nicht behaupten, dass ich gerade besonders erpicht darauf wäre, das nun fortzuführen und grinse leicht in mich hinein. Genauso als Jona sich wegdreht, als Lucas Verletzung offen zu sehen ist. Ob das wirklich schlimmer anzusehen ist, als einen toten Fisch und dessen Innereien, die man selbst entfernen muss, wenn man ihn essen möchte? Denn das hat Jona doch am Fluss gemacht, es sei denn, Anna und ihre Freunde haben ihm vorher noch beim Zubereiten des Mahls geholfen und sind nach dem Essen verschwunden. Es ist für mich jedenfalls etwas schwer nachzuvollziehen, dass man es schafft, ein Tier umzubringen und das alles, aber vor einer Fleischwunde dann zurückschreckt, obgleich ich eingestehen muss, dass der Biss durch die Entzündung nicht sehr berauschens aussieht.
Das und die Erschöpfung, die Jona aufgrund seines Asthmas und weil er mit mir durch den Wald gegangen und einen der Kanister getragen hat ergänzend dazu wirkt, dass wir in der Nacht nicht geschlafen haben, sorgen dafür, dass er sich mit den Worten verabschiedet, sich im Saal einen Platz zum Schlafen suchen zu wollen. Ich nicke und lächle, als er meint, ich könnte ihn wecken, sollte ich ihn brauchen.
"Danke für das Angebot. Und kein Problem. Dann erhol dich gut und später schaue ich dann, ob ich wegen des Asthmas einen Rat weiß", entgegne ich und er entfernt sich, zieht die Tür hinter sich zu und lässt mich mit Luca allein. Luca schaut Jona so hinterher, dass ich die Disharmonie, die von ihm ausgeht, fast greifen kann. Dabei haben beie Jungen doch gar keine Ahnung voneinander. Ich genauso wenig, aber trotz meiner egoistischen Gedankenzüge, die sich nie vermeiden lassen, sind sie beide nun hier. Und Katina auch. Der Hintergedanke, dass sie mir alle nützlich sein könnten, ist nicht mal ein Eiskristall der Spitze des Eisbergs. Mir ist klar, dass ich hier keinen festhalten kann und möchte. Sollte Jona entscheiden, nach später wieder zu gehen, werde ich ihn lassen, genauso wie Luca, sollte er wieder auf dem Damm und außer Lebensgefahr sein.
Als ich ihn nach dem frage, an das er sich noch erinnern kann, spricht Luca von seinen Fantasievorstellungen, anders kann ich mir nicht erklären, dass hier angeblich so viele Menschen gewesen sind.
Oder hat er in seinem fiebrigen Zustand etwa doch Katinas Entführung mitbekommen?
Was er meint als er fortfährt, spricht jedoch dagegen. Er erwähnt abermals seine Schwester, danach soll Katina etwas nachsehen gegangen sein und wäre nicht mehr zurückgekehrt.
Hat sie jemanden gehört, der hier reingekommen ist?! War derjenige vielleicht doch in meinem Zimmer und hat Luca dagelassen, weil er gesehen hat, dass man sich mit ihm nur Schwierigkeiten schaffen würde, weil er krank ist? Doch es sah nicht aus, als wäre mein Zuhause überfallen worden. Jemand hätte sich doch wohl auch an den Schränken und an allem vergriffen, um was zu finden, das er gebrauchen kann und einen schönen Gruß zu hinterlassen, oder?
Ich weiß nicht, was ich denken soll. Luca sagt allerdings auch, er könnte ein Grund dafür gewesen sein, dass Katina gegangen ist.
"Wie meinst du das, du bist nicht ganz unschuldig? Was hast du gemacht?", will ich wissen, schaue ihm dabei zu, wie er mit seinem Hörgerät herumhantiert, das nicht so funktionieren will, wie er es gerne hätte. Aufbrausend wirft er es zurück auf den Nachttisch. Wirkt sekundenlang abwesend. Offensichtlich musste er sich sein Machoego wieder zusammenkramen, ehe er erneut loslegt.
"Dieser Trottel wie du ihn nennst, hat mir dabei geholfen, Trinkwasser in die Bar zu bringen. Und war damit schon um einiges netter als du, der mir bisher bloß ein Glas kaputt gemacht und überhebliche Dinge an den Kopf geworfen hat, weil du dich für den Größten hälst, was du in deiner Situation echt grade vergessen kannst. Und wieso verdammt sollte Katina nicht wiederkommen?!"
Luca geht mir echt auf den Keks. Er ist verletzt, ja, hat horrende Schmerzen und das alles. Aber das rechtfertigt nicht, sich wie der bissige Hund zu verhalten, der ihn angefallen hat und in jedem, der einem begegnet erst mal wen zu sehen, der unterlegen ist.
"Falls es dir noch nicht entgangen ist, das hier ist außerdem mein Zuhause. Ich kann herbringen, wen ich möchte, das hat dich echt nicht zu interessieren", setze ich hintenan. Irgendwann muss auch mal Schluss sein mit dem Kindergarten.
Aber merkst du denn nicht, dass er nur eine Konkurrenz sieht?, dringt plötzlich Paris' Stimme aus einer vergangenen Begegnung in mein Bewusstsein. Er hat Sachen auf einen Blick gesehen, die mir entgingen, einfach nie den Weg in meine Gedanken fanden, weil ich kaum darauf achtete. Damals ging es um einen Kerl von unserer Schule, der mich vor meiner Tanzschule in der Stadt zufällig mit einem anderen Jungen gesehen hatte, mit dem ich in unserer nächsten Choreographie ein paar Hebefiguren ausprobieren sollte. Mit meinem Schulkameraden hatte ich bis dato kaum etwas zu tun, außer dass man sich mal auf dem Gang begegnet ist, doch in Japan hat mir so der Anschluss gefehlt, dass ich nie besonders darauf geachtet habe. Jedenfalls kam besagter Typ dann am nächsten Tag als ich an meinem Spind stand unvermittelt auf mich zu, um mich darüber auszufragen, wer das da gestern in meinem Beisein gewesen wäre, wie lange wir uns schon kennen würden und alle möglichen anderen Dinge, die ihm egal sein könnten. Paris hat es natürlich mitgekriegt und mich darauf angesprochen, mir dabei gesagt, dass jeder Blinde sehen könnte, wie sehr ich meinem Schulkameraden gefallen würde. Schließlich würde ich nicht so aussehen wie ein Bus von hinten, im Gegenteil. Nur käme man echt nur schlecht an mich heran. Dass sich Arata - so der Name des Jungen auf meiner Schule - nicht besonders geschickt angestellt hat, machte es auch nicht leichter. Nur war Paris' Interpretation für den Grund des Gesprächs außerdem, dass Arata eben seine Fühler ausstrecken und abpeilen hat wollen, ob mein Tanzpartner eventuelle ebenfalls Interesse an mir hätte und Konkurrennz darstellen würde. Mich hat das alles sehr verwirrt. Romantische Gefühle klangen oft so schön, begehrenswert und ich fragte mich natürlich, wie es bei mir mal wäre oder sein könnte. Doch irgendwie stellte sich das nie so ein wie bei anderen in meiner Umgebung, keiner hatte bisher mein Herz nur ansatzweise so berühren können, dass es kribbelte und das alles.
Doch Luca und eifersüchtig auf Jona?! Verwundert will ich Abstand zwischen uns schaffen, aufstehen, aber Luca greift überraschend nach meiner Hand, hält sie fest. Seine fühlt sich wieder warm an, nicht mehr so kühl. Ob glühend heiß besser ist, lässt sich anzweifeln. Fragend schaue ich auf ihn hinab, seine Züge verändern sich, werden weicher. Dann entschuldigt er sich. Und es klingt kein bisschen aufgesetzt.
Wow, wie lange hat er nun wohl dafür gebraucht, um sich das einzugestehen und mal zwei Sekunden lang dankbar zu sein?, stichelt meine innere Stimme sarkastisch. Auf Lucas Gesicht liegt ein schiefes Lächeln. Mit dem plötzlichen Wandel und Paris' Worten in meinem Kopf, kann ich nicht ganz umgehen. Genau das ist das Riskante an Emotionen, sie überfallen einen und dann musst du damit klarkommen, egal wie.
"Keine..Ursache. Pass beim nächsten Mal, wenn du wieder einem Tier begegnest aber lieber auf. Bei Menschen wäre das wohl auch nicht schlecht", probiere ich locker zu sagen, was nicht ganz so gelingt. Zu allem Überfluss bittet Luca mich um noch ein wenig Zeit. Was soll ich da schon sagen? Vor allem, als er noch vorschlägt, mir mein Bett zurück zu geben, kann ich erst recht perplex so schnell nichts erwidern.
Typisch Kerl, die müssen selbst wenn sie auf dem Boden kriechen noch so tun, als würde ihnen das nichts ausmachen, um ihren Stolz nicht zu verlieren, wenn sie sich minimal eine Schwäche eingestehen, antworten meine Gedanken für mich. So als müsste er sich nun mit allen Mitteln profilieren scheint Luca jedoch nicht. Viel mehr ist auch er nun...keine Ahnung.
Die Entschuldigung so kurz nach dem Dank ist dann zu viel des Guten. Meine Sachlichkeit hat sich schon mal in den Tiefschlaf verabschiedet. Meine Knie werden weich, dafür habe ich keine Erklärung. Um nicht umzuknicken, setzte ich mich darum auf meine Bettkante, als Luca mir etwas Platz gemacht hat.
"War eine von den Personen, die in meiner Abwesenheit hier gewesen sind zufällig ein Wissenschaftler, der nun vor dem Fenster sitzt und deine Art auf Knopfdruck ändert, wenn es ihm beliebt?", höre ich mich rascher sagen, als ich es verhindern kann. Mit Kontern kann ich umgehen, sentimentale Sachen verwirren mich eher. Beides in einer Person vereint ist daher nicht besonders leicht zu händeln. Und diese Entschuldigung, eigentlich spricht nichts dagegen, sie anzunehmen, weil außer groß daherzureden und nicht ganz zuvorkommend zu sein ist im Grunde genommen nichts Gravierendes geschehen. Es fällt mir aber umso mehr schwer, den Kerl hinter der Sprüchemauer einzuschätzen.
"Aber gut, ich verzeihe dir noch mal", meine ich mit einem Zwinkern und stehe auf. Meine Knie haben sich in den Sekunden des Sitzens wieder etwas beruhigt.
"Ich halte es für die Bessere Idee, wenn du hier bleibst. Draußen gibt es genug Platz für mich, da musst du dir keine Gedanken machen."
Ich schaue noch mal über meinen improvisierten Verband aus Pflanzen, auf den keine Binden drauf dürfen, damit alles atmen und gut einziehen kann, gehe anschließend zur Tür. Im Rahmen drehe ich mich noch mal um.
"Schlaf gut und mach keine Dummheiten", verabschiede auch ich mich, gehe auf den dunklen Flur und schließe die Tür.



Zuletzt von Alaska* am Di 30 Jun - 8:52 bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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BeitragThema: Re: Flavor's Soul (Alaskas Zimmer)   Flavor's Soul (Alaskas Zimmer) EmptyMi 24 Jun - 11:23

Alaska versichert mir, dass Katina bei mir geblieben wäre und nur sie allein weggegangen sei. Ob das wirklich wahr ist, kann ich grad absolut nicht beurteilen aber ich sollte ihr wohl glauben, immerhin scheint sie im Gegensatz zu den Chosen, die in der letzten Nacht hier durchgelaufen sind, real zu sein.
Sie nimmt es mir nicht übel, dass ich mich in ihrem Zimmer übergeben musste und winkt freundlich ab, ich solle mir keine Sorgen darum machen. Das Gequatsche des Fremden bekomme ich nicht mit oder will es nicht, keine Ahnung. Jedenfalls bin ich froh als er endlich den Raum verlässt und uns allein lässt. Ich sehe ihm hinterher und freundlich gesinnt, ist mein Blick ganz und gar nicht. Eigentlich seltsam, da ich den Typen ja nicht mal kenne und auch sein Name ist eher ein Rätsel für mich als das ich ihn wüsste. Alaska meint, sie würde später mal sehen ob sie wegen des Asthmas einen Rat wisse. „Wer hat hier Asthma?“ frage ich nachdenklich, obwohl sie wohl eher den Typen meint und nicht mich. „Hat dein neuer Freund auch einen Namen?“
Sie sieht mich skeptisch an und meint, er hieße Jona und habe sich mir bereits vorgestellt und ob ich das nicht mitbekommen hätte. Ich winke ab und sage: „Ist doch auch egal. Der Typ bleibt doch eh nicht lange, hat er doch selbst gerade gesagt oder habe ich das falsch verstanden?“
Ich bin so mit meinem Hörgerät beschäftigt, dass ich erst gar nicht mitbekomme, dass sie mich nach Katina fragt und erwidere zunächst nichts.
Dann gibt’s erst mal ne Standpauke, die sich gewaschen hat. Als ich den neuen Typen als Trottel bezeichne, wirft sie mir alles an den Kopf, was sich wohl in den letzten Stunden aufgestaut hat. Warum sie sich jetzt so über dieses dämliche, zerdepperte Glas aufregt, verstehe nun gar nicht. Ich habe ihr also überhebliche Dinge an den Kopf geworfen? Hört sie sich ab und zu auch mal selbst reden? Wer hält sich hier für den Größten? Ich sicher nicht aber ich bin auch nicht in der Verfassung mich mit ihr zu streiten, also lasse ich, es auf sich beruhen und sage nichts dazu.
Dann hakt sie jedoch wieder nach Katina nach. Mein Gott, geh sie doch selber suchen, möchte ich ihr ins Gesicht schreien aber ich beherrsche mich.
„Erstens hörst du auf zu fluchen und zweitens weiß ich nicht warum sie nicht wiederkommen sollte, immerhin kenne ich sie nicht und weiß nicht was mit ihr passiert ist. Ich hätte vielleicht ein bisschen netter sein können aber ihr ständiges, bleib doch liegen, ging mir sowas von auf die Nerven. Ich habe eigentlich gar nichts Schlimmes gesagt, nur dass sie sich nicht wie meine Mutter aufführen soll.“
Langsam aber sicher geht die Frau mir richtig auf die Nerven. Ich liege hier und habe entsetzliche Schmerzen und sie kommt mir nur mit ihren dämlichen Vorwürfen. Kann sie sich die auch mal verkneifen?
„Ich weiß, dass es dein Zuhause ist und wenn du mich rausschmeißen willst, dann mach es halt.“ sage ich genervt aber mein Blick fragt sie eher, ob sie das wirklich auch selbst will. Ich glaube, es wäre einfacher diese Frau für mich zu gewinnen, wenn mir meine große Klappe nicht immer dazwischen funken würde aber na ja….
Auf meine Bedankung meint sie, dass ich beim nächsten Mal aufpassen sollte, wenn ich einem Tier begegne und bei Menschen wäre das wohl auch nicht schlecht. Als ich mich bei ihr aufrichtig entschuldige, habe aber ich hingegen wieder das Gefühl nicht ernst genommen zu werden, als sie mich fragt, ob unter den vielen Menschen, die hier waren, ein Wissenschaftler gewesen wäre, der mein Wesen nach Belieben vom Fenster aus steuert. Den Spott und den Hohn kann selbst ich in meinem geschwächten Zustand heraushören.  „Sorry ich hatte keine Zeit, die Leute nach ihrer Profession zu fragen.“ erwidere ich giftig. Ich soll also im Umgang mit Menschen aufpassen, ja? Sie scheint selbst lange keinen Umgang mit anderen Personen gehabt zu haben, wie sie redet. Sie meint, dann aber, dass sie mir noch einmal verzeihen würde. Und was sollte das Zwinkern jetzt? Ich werde aus diesem Mädchen nicht schlau. Sie erscheint mir beinahe wie ein wildes Pferd, das noch gezähmt werden muss. In einer Minute ist sie die neunmalkluge Zicke und schon in der nächsten ist sie katzenfreundlich, um einem dann wieder eins reinzuwürgen. Und da soll man als Kerl durchblicken? Versteh einer die Frauen. Ich bin wirklich langsam am Überlegen, ob es nicht doch besser ist, irgendwie hier rauszukommen und meine Reise fortzusetzen. Die Frage ist nur: Wie? Allein schaffe ich es ja nicht mal aus diesem Bett, geschweige denn aus dem Zimmer heraus.
Sie verabschiedet sich und meint, ich könne ruhig hier schlafen, draußen wäre ja genug Platz. Ja für dich und deinen Lover, füge ich in Gedanken an. Ich blicke ihr sehnsüchtig hinterher und möchte am liebsten aufspringen, sie festhalten und nie wieder loslassen. Alles nur damit der Kerl, dort draußen, nicht zum Zug kommt. Weiß der Geier was zwischen denen beim Wassertragen, wie sie es nennt, wirklich vorgefallen ist. Vielleicht war sie deswegen auch so lange weg und hat mich hier vor mich hin siechen lassen. Um sich zu amüsieren.
Ich soll also keine Dummheiten machen, ja? Fehlt nur noch, dass sie mich Lucas nennt, wie es meine Eltern getan haben, wenn ich wieder Mist gebaut hatte. Aber Lucas, wer ist das schon? Ich jedenfalls nicht aber ich habe es mich immer wieder selbst gefragt. Möchtest du wirklich dieser Lucas sein? Klare Antwort: Nein. Lucas war der Sohn meines Vaters, der ihn später in der Kanzlei beerben sollte und damit wollte ich nichts zu tun haben. Ich habe dann größtenteils sogar aufgehört auf den Namen überhaupt zu reagieren, wenn meine Eltern mich so nannten. Meine Mutter brachte es wirklich fertig, mich dann zum HNO-Arzt zu schleifen, weil sie der Meinung war, ich wäre taub geworden und sie bat den „guten Mann“ doch, er solle etwas dagegen unternehmen, dass ihr Sohn so schlecht höre. Beim Hörtest kam jedoch heraus, dass mein Gehör genauso schlecht wie eh und je war. Mein verhasstes Hörgerät musste ich also weitertragen. Bis zu diesem Zeitpunkt glaubte ich ja noch, dass sich durch das regelmäßige Tragen, mein Gehör verbessern würde, dass versprachen mir meine Eltern jedenfalls. Der bockige dreinzehnjährige Junge in mir wollte einfach nicht einsehen, warum er der einzige in der Klasse war, der ein kleines Gerät im Ohr tragen musste und alle anderen nicht. Aber dass meine Eltern mich belogen, wurde mir ziemlich schnell bewusst. Halt ich erinnere mich an eine weitere Person, die mich Lucas nannte. Meine erste Freundin: Laura. Aber leider als sie mit mir Schluss machte. Sie stand vor mir und schielte Richtung Boden. Mir war nicht so klar, was ich von diesem seltsamen Verhalten halten sollte, denn so hatte ich sie bisher nie erlebt. Sie sprach sehr leise für meinen Geschmack und als ich sie bat etwas lauter zu sprechen, schaute sie mich an als hätte ich sie gebeten, mein Hemd zu bügeln oder so. Ich weiß auch nicht, jedenfalls, kannte ich diesen Blick bisher nicht von ihr. Na ja es wäre alles einfacher ohne dieses Ding, begann sie. Ich verstand kein bisschen von welchem „Ding“ sie da sprach aber sagte erstmal nichts dazu. Sie meinte weiter, sie hätte versucht damit klar zu kommen und alles, aber sie könnte es nicht. Und dann wurde mir allmählich klar von welchem Ding die Rede war. Sie meinte, mein Hörgerät, welches ich seit einer Woche tragen musste, da sich mein Gehör immens verschlechtert hatte. Insgeheim fragte ich mich, wie sie es versucht hatte, um damit klar zu kommen. Was hatte sie denn getan? Aber nachfragt hatte ich nicht. Und dann sagte sie den Satz, den Jungs sicher nicht hören wollen, wenn die eigene Freundin mit ihnen Schluss macht. Wir könnten ja Freunde bleiben. Wie bitte? Ich war plötzlich so sauer auf sie und wand mich von ihr ab. Sie hielt mich noch am Arm fest aber ich riss mich los. Und weg war ich. Am nächsten Tag sah ich, wie sie mit einem Jungen aus der Parallelklasse auf dem Pausenhof knutschte. Ich begann das Teil in meinem Ohr zu hassen, dabei hatte ich mich gerade daran gewöhnt oder hatte es versucht mich daran zu gewöhnen. Und nun riss es mir den Boden unter den Füßen weg, so sehr gekränkt war ich. Ich redete mir ein, dass Laura und ich immer noch ein Paar wären, wenn ich dieses Teil nicht mehr hätte. Aber es wegzulassen, half auch nicht, denn dann verstand ich nur noch die Hälfte und das ständige Nachfragen nervte mich zusätzlich tierisch. Aber das ich mich vollkommen in Laura getäuscht hatte und sie in Wahrheit eine oberflächliche Zimtzicke war, wurde mir erst zu spät bewusst.
Mein Kummer hielt noch eine Weile an. Etwa bis jemand anderes meine Aufmerksamkeit auf sich lenkte. Es war ein neuer Junge in unserer Klasse. Sein Name war Blake. Andere mochten wohl anfangs nur den Rollstuhl gesehen haben und nicht den Jungen der darin saß aber mir war der Typ sehr schnell sympathisch, vor allem weil es jemand war, der meine sarkastischen Sprüche abkonnte und nicht gleich die beleidigte Diva spielte, wie einige meiner besten Kumpel. In ihm lernte ich, das erste Mal einen Menschen kennen, der seine Behinderung locker nahm und im großen und ganzen, gut damit zurecht zu kommen schien. Dass aber auch er seine grauen Tage hatte, konnte ich ja eingangs nicht wissen. In meinem Kopf begann langsam ein Prozess des Umdenkens. Wenn Blake gut damit umgehen konnte, den ganzen Tag im Rollstuhl sitzen zu müssen, dann konnte ich doch erst recht damit umgehen, ein kleines Gerät im Ohr zu tragen, welches meine Behinderung fast ausglich. Oder etwa nicht? Ich fing an es zu akzeptieren bis der Virus ausbrach und etwa zeitgleich mein Hörverlust wieder einen Schub bekam. Seit dem hadere ich damit und fürchte den Tag an dem ich nichts mehr hören können werde, da ich weiß, dass mir in einer Welt ohne Erwachsene mir niemand helfen kann.
Die Gedanken an Blake verblassen. Seit dem Virus habe ich ihn nicht mehr gesehen. Was er wohl gerade macht? Lebt er überhaupt noch? Werden wir uns wiedersehen können? Alles Fragen, die ich mir von Zeit zu Zeit stelle und auf die mir niemand eine Antwort zu geben vermag. Wie auch? Du bist allein. Scheiß egal, wo sich dein Bruder Luke rumtreibt. Du bist allein.
Mit diesem letzten traurigen Gedanken schlafe ich ein. Ein traumloser Schlaf umhüllt mich.
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BeitragThema: Re: Flavor's Soul (Alaskas Zimmer)   Flavor's Soul (Alaskas Zimmer) EmptyDi 30 Jun - 10:13

So viel er in seinem Teildelirium verdrängt, das mit dem Asthma hat Luca natürlich gepeilt und fragt auch gleich nach, was es damit auf sich hat. Ich hadere mit mir darum, ob ich es erzählen soll, weil Luca Jona ohnehin nicht gegenübertritt wie die Freundlichkeit in Person und ich ungern Schwachstellen anderer offenbare und sie somit in gewisser Hinsicht ausliefere. Und so nette Momente mein Gast auch hat, ihm bereits zu vertrauen wäre fatal. Andererseits gibt es hier nicht viele Personen, die ich gemeint haben könnte, um ihnen meine Hilfe anzubieten und damit habe ich Jona - sollte Luca auch nur minimal dazu in der Lage sein, logisch etwas kombinieren zu können - bereits verraten. So verbittert wie Luca über sein eigenes Problem mit den Ohren ist, wäre es hingegen schon sehr widersprüchlich, würde er das bei jemand anderem ausnutzen. Außer womöglich, um seine eigene Wut damit zu kanalisieren, dass er sie auf einen anderen überträgt. Mit dem verletzten Bein sollte Luca es sich aber zweimal überlegen, ob er sich in nächster Zeit, sobald er wieder richtig laufen kann, überhaupt in irgendeine Auseinandersetzung stürzt.  Bei seinem Mundwerk könnte das hingegen schneller passieren als geplant. Etwas an Lucas Frage treibt die Gedanken dann noch weiter, denn diesmal hat er sie nicht verächtlich oder amüsiert ausgesprochen, sondern mehr so, als würde er sich darüber wundern, dass es noch weitere Menschen mit Krankheiten gab oder dass ich noch etwas aufgedeckt hatte, an dem Luca litt, ohne es darauf angelegt zu haben. Bis jetzt hat sich Letzteres aber nicht bemerkbar gemacht, wenn es nach mir geht, ist mir die Variante, bei der Luca erst mal nur mit seinen Ohren - und nun mit seinem Bein - zu kämpfen hat auch lieber.
"Nicht so wichtig", entgegne ich und beantworte das Nachhaken nach dem Namen meines neuen Bekannten damit, dass er ihn schon selbst genannt hätte. Was dazu führt, dass der Macho wieder hervorkommt. Ich lege den Kopf schief. Da fühlt sich jemand schon richtig wie zu Hause, glaubt darüber urteilen zu können, wie lange wer hier bleiben darf.
"So uninteressant scheint sein Name aber nicht für dich zu sein, sonst hättest du nicht danach gefragt, oder? Und Jona ist hier genauso willkommen wie du. Er kann bleiben, bis ihn sein Wille weiterzieht. Anders als bei dir hängt es bei ihm bloß davon ab, du hast derweil die Ehre, dich hier zunächst auskurieren zu dürfen. So wie du mit Sprüchen um dich schießt, scheint das ein Teil von dir ja bereits geschafft zu haben", gebe ich zurück. Das so wie meine restlichen Worte, die aus mir herausbrechen, lässt mein Gegenüber ruhig über sich ergehen. Vorerst zumindest, wahrscheinlich muss er sich in seinem Kopf erst mal einen neuen doofen Kommentar zurechtbasteln, den er mir entgegenwerfen kann. Was nicht verwunderlich ist, anders als ich ist Luca durch seine Wahnvorstellungen, die Hitzewallungen und die Schmerzen sehr beeinträchtigt und ich sollte hier gar nicht sitzen und mich darauf einlassen, eine neue Diskussion vom Zaun zu brechen. Ich ärgere mich über mich selbst, weiß ich doch, was Verletzungen mit einem anstellen können. Vielleicht ist Luca ein ganz anderer Mensch, hat als er in die Bar gekommen ist und was zu Trinken bestellt hat mit seinem ganzen Getue in Wahrheit durchweg übertünchen wollen, was mit ihm passiert ist, um in keine Falle zu gehen, sich stark zu geben, obwohl ihm klar war, dass seine Kräfte innerlich allmählich weichen...
Und ich dumme Nuss bin selbstverständlich darauf eingestiegen, habe mir dieses Wortgefecht mit ihm geliefert und mich aufgeführt wie ein trotziges kleines Kind. Schweigend lasse ich über mich ergehen, was Luca zu Katina sagt. Sie hatte sowieso noch etwas vor, wollte hier nur übernachten und dann weiter. Ich kannte sie zu kurz, um sie richtig einordnen zu können, doch ich kann es nachvollziehen - so schlimm es auch ist - dass sie keine Lust darauf hatte, sich hier nicht bloß um jemanden sorgen zu müssen, zu dem sie keine Verbindung hat und der es ihr alles andere als leicht macht, nett zu sein und zu bleiben, bis ich wieder da bin. Alles spricht dafür, dass sie tatsächlich weg ist und es wohl nicht vorzieht, in eine Bar zurückzukehren, in der viel Arbeit darauf wartet, gemacht zu werden und die von einem mies gelaunten verletzten Typen und mir besetzt ist. Wer würde da nicht die Freiheit präferieren?
"Okay. Na dann", murmele ich, als ich schließlich im Türrahmen stehe, bereue einerseits fast, am Ende so nett gewesen zu sein und beruhige mich wiederum damit, es sein zu müssen, weil was mich quält eben viel einfacher zu verdrängen ist als eine offene Wunde direkt an meinem Körper. Als ich die Tür geschlossen habe, bleibe ich flüchtig an ihr lehnen, doch jetzt kann ich nicht über all das noch mal klar nachdenken, also laufe ich weiter gen Schankraum.

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BeitragThema: Re: Flavor's Soul (Alaskas Zimmer)   Flavor's Soul (Alaskas Zimmer) EmptyDo 9 Jul - 17:01

Hey du! Ich schlafe. Hey du, wach auf. Ich bewege mich langsam und öffne die Augen. Mein Blick führt zum Fenster. Es wird bald Abend. Und ich hänge immer noch in dieser Bar fest. Ich schnaube frustriert. Ob die da draußen immer noch pennen? Wenn sie überhaupt geschlafen haben. Sie hat ihrem neuen Freund sicher viel zu erzählen. Was sagte sie, Asthma hat der Typ also? Macht sie jetzt ein Krankenhaus auf oder wie?  „Er kann bleiben, bis ihn sein Wille weiterzieht. Anders als bei dir hängt es bei ihm bloß davon ab.“ Was sollte mir das sagen? Sie plant schon mich rauszuschmeißen. Warum hat sich mich dann überhaupt hier behalten? Hat sie ihre Menschlichkeit dazu gezwungen oder wie? Auf mich wirkt sie eher wie eine Einzelgängerin aber ich kann mich auch täuschen. Aber warum hat sie diesen Typen hier angeschleppt? Will sie mit ihm die Bar wieder aufbauen, um mich dann besser abservieren zu können? Immerhin hat sie sich ja schon darüber beschwert, dass ich keine große Hilfe bin. Aber ich kann ja nicht mal allein stehen. Wie soll ich dann ihre blöde Bar aufräumen? Aber, dass ich schon mal den Boden sauber gemacht habe, hat sie nicht erwähnt. Du Trottel, hast ihn auch dreckig gemacht, wenn du dich genau erinnerst. Ach ja dieses blöde Glas. War ja, für sie auch ein Grund hier nen Aufstand zu veranstalten als hätte ich mit Steinen ihre Fenster eingeschmissen. Sie soll mal nicht so tun als wenn es ihr einziges, verdammtes Glas gewesen wäre. Kann ich was für das Zittern in meinen Händen? Ich habe den Köter nicht gebeten mich zu beißen. Warum brichst du auch auf nem Bauernhof ein? Ist doch klar, dass die dort Wachhunde haben. Ich hatte Hunger. Wie zur Bestätigung grummelt mein Magen. Ob sie schon wach ist?
Im Endeffekt läuft gar nichts zwischen denen und du machst dir umsonst Sorgen. Aber so lange bleibe ich nicht hier, um es herauszufinden, soviel steht fest. Was willst du denn jetzt machen? Ich grüble.  Du weißt es nicht. Gib‘s doch zu. Ich richte mich auf, dabei rutscht mir der Lappen von der Stirn. Ich nehme ihn auf und lege ihn auf den kleinen Nachttisch neben dem Bett. Das Fieber ist gesunken, dies bemerke ich als ich mit meiner Hand meine Stirn befühle. Ihr Verband aus Grünzeug hat wirklich geholfen. Hätte ich nicht gedacht. Wenn ich so drüber nachdenke, hat sie mir das Leben gerettet, wäre ich weiter die Straße entlanggelaufen statt die Bar zu betreten, wäre ich jetzt wohl schon nicht mehr unter den Lebenden.
Auf dem Nachttisch liegt mein Foto. Wie kommt das dort hin? Ob er….nein…. Ich greife danach. Leah und Luke in glücklicheren Tagen an meiner Seite. Ob es den beiden gut geht? Ich will einfach nicht glauben, dass meine geliebte Schwester nicht mehr unter uns weilt. Ich habe noch ihr glückliches Lachen in den Ohren. Ich hoffe so sehr, dass ich es nicht zum letzten Mal gehört habe. Ob es an der Entzündung liegt, dass sich meine Ohren verschlechtert haben? Wie es wohl sein wird gar nicht mehr zu hören? Wie soll ich mich verständigen, wenn ich nicht höre, was mein Gegenüber sagt? Ob es schon zu spät ist Lippen lesen zu lernen? Leah hat immerhin lange dafür gebraucht und es klappt trotzdem nicht immer. Ich glaube, man kann auch gar nicht alles von den Lippen lesen. Aber ich sollte mir langsam mal Gedanken über „danach“ machen. Vielleicht sollte ich mal testen, wie viel ihrer Vorwürfe ich verstehe, wenn ich sie nicht höre. Ich bräuchte nur einen Ohrstöpsel oder so etwas in der Art. Aber woher kriege ich sowas? Da fällt mir ein, dass ich ein sauberes Papiertaschentuch in meiner Hosentasche habe. Ich greife nach meinem Hörgerät und stecke es in meine Tasche, aus der ich das Taschentuch zücke. Ich reiße ein Stück des Taschentuchs ab, knülle es zusammen und stecke es in mein linkes Ohr. Dann ist ruhig. Wo vorher Vogelgezwitscher zu hören war, ist es nun totenstill. Einzig mein eigenes Blut kann ich rauschen hören. Ob es sich so anfühlt für Leah? Da ist nichts. Nur die Stille. Es macht mich nervös. Der Drang, das Stück Taschentuch wieder aus meinem Ohr rauszunehmen, ist sehr groß aber ich wiederstehe diesem Drang. Später werde ich das schließlich auch nicht mehr können. Einfach ein Stück Papier herausziehen und Schwupps mein Gehör funktioniert wieder. Vielleicht sollte ich Alaska mal zum Lachen bringen, damit ich ihr Lachen wenigstens mal gehört habe bevor auch das zu spät ist und ich mich später daran erinnern kann. Wenigstens für eine kurze Dauer. Ich stecke auch das Foto in meine Tasche. Ich richte mich richtig auf. Mein gesundes Bein schwinge ich über die Bettkante, das verletzte ziehe ich vorsichtig nach. Es sticht wie verrückt. Ob ich aufstehen kann? Ich drücke mich mit den Händen von der Matratze ab. Sehr wacklig aber ich stehe. Oder doch nicht. Ich sinke zurück auf das Bett. Ich kann mich nicht auf dem verletzten Bein halten. Ich erhebe mich nochmal und mache einen Ausfallschritt zur Seit, stütze mich dabei am Bettgestell ab und stehe aber nur auf meinem gesunden Bein. Na in dem Tempo brauche ich noch drei Jahre eh ich überhaupt den Schankraum erreicht habe. Na super. Der Duft des Erbrochenen im Mülleimer steigt mir in die Nase und ich muss mich beinahe nochmal übergeben. Ich muss einfach hier raus. Ich stolpere zur Tür und kralle mich dabei am Türrahmen fest. Allein diese zwei Schritte haben mich eine Menge Kraft gekostet. Ich schnaufe als wenn ich einen Marathon hinter mir hätte. Und ich Esel dachte, wenn das Fieber weg wäre, wäre die ganze Entzündung weg. Wie man sich täuschen kann.

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