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 Die "Flavor" Bar

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BeitragThema: Re: Die "Flavor" Bar   Die "Flavor" Bar - Seite 3 EmptySa 28 März - 17:44

Als Alaska so von ihrem früheren Tribe erzählt muss ich schon zugeben, dass mich der ziemlich interessiert. Klingt eigentlich nach dem perfekten Tribe für mich. Aber das vergesse ich mal lieber ganz schnell wieder, immerhin bin ich jetzt in der Stadt und habe Alaska meine Hilfe versichert, da kann ich sie ja jetzt schlecht sitzenlassen und mich auf die Suche nach diesem Tribe machen. "Wo kommst du denn ursprünglich her?", frage ich sie neugierig, nehme mir ein Stück von dem Apfel und schiebe es mir in den Mund. "Und wie kams, dass sie weg sind? So ein Leben am Strand ist doch eigentlich wirklich toll." Da konnte ich ja nun aus Erfahrung sprechen. Gut, es gab ein paar Abstriche, aber die hatte man ja überall. Ich muss sagen, dass es mir in der Nähe von Wasser und Strand bisher auch immer am besten gefallen hat. Ich würde auch ohne Umschweife sofort dahin zurück.
Als Alaska mir erzählt, dass sie den Schlüssel zu der Bar unter der Fußmatte gefunden hat, muss ich schon anfangen zu lachen. Das ist wirklich mehr als nur klischeehaft, aber auch Glück für uns. Und so lange die Besitzer nicht doch irgendwann wiederkommen ist ja alles gut. "Mach das, es lohnt sich auf jeden Fall", sage ich als Alaska meint, dass sie irgendwann noch einmal reisen will. Bei dem Wort sesshaft stöhne ich innerlich auf. Das haben mir schon viele Leute gesagt, mit denen ich zusammen war und gereist bin, dass ich auch irgendwann mal sesshaft werden muss. Aber bisher sehe ich dazu weiß Gott keinen Anlass. Ich fühle mich gut so, frei und ungebunden zu sein. Wozu soll ich das wegwerfen und immer nur an einem Ort bleiben? Da müsste mir ja schon sonst etwas passieren, damit der Fall eintritt. Ich halte es für gewöhnlich selten länger als eine Woche irgendwo aus.
"Oh ehrlich? Was für Idioten. Also den Strom könnten sie schon ruhig mal wieder anschalten. Danach dürfen sie dann gerne wieder verschwinden." Ich bin schon ein bisschen neugierig was hier sonst noch alles während meiner Jahrelangen Abwesenheit passiert ist, aber vielleicht verschieben wir das Gespräch lieber auf morgen. Als Alaska dann die Türen abschließt beäuge ich sie schon etwas misstrauisch, die Situation erklärt sich aber recht schnell und ich nicke einfach als sie mich fragt, ob ich müde bin. "Ein bisschen, ja." Ich bedanke mich noch mal bei ihr für die Unterkunft und alles und wünsche ihr eine gute Nacht. Dann mache ich mich so gut es geht bettfertig und suche mir eine halbwegs angenehme Ecke zum Schlafen.
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BeitragThema: Re: Die "Flavor" Bar   Die "Flavor" Bar - Seite 3 EmptySo 29 März - 17:11

Bevor ich die Tür zum hinteren Teil der Bar komme, höre ich noch, wie sich Katina danach erkundigt, woher ich eigentlich stamme. Das wäre jedoch eine ziemlich lange Geschichte und ich weiß noch nicht, wie viel ich davon preisgeben möchte, darum bin ich ganz dankbar, schon so erschöpft zu sein, damit wir das Gespräch auf den nächsten Tag verschieben können. Besonders von dem Verschwinden meines Tribes will ich erst mal nichts mehr erzählen. So lange ist das immerhin noch nicht her und es hat gezeigt, was für Schattenseiten sich auftun können, wenn man mit Leuten zusammenlebt, ohne sich richtig auf sie verlassen zu können. Wie in meinem Fall gibts dann wohl nicht genug, das einen aneinander bindet und man kann einfach aus dem Leben der anderen verschwinden, als hätten gemeinsame Abende und alles nie eine Bedeutung gehabt. Katinas Dank entgegne ich mit einem Lächeln.
"Morgen kann ich dir mehr erzählen", sage ich dazu somit bloß kurz und setze meinen Weg fort.

Die Luft in dem kleinen Zimmer mit dem Bett ist stickig, also mache ich das kleine Fenster ein paar Minuten lang auf, solage ich mich umziehe. Mit etwas Wasser wasche ich mir das Gesicht, schlüpfe in mein Schlafshirts und lange lockere Hosen und lege mich, nachdem ich das Fenster wieder geschlossen habe, in das weiche Bett. Mit zunen Augen dauert es nicht lange, ehe ich einschlafe, selbst wenn ein wenig Restangst noch vorhanden ist, weil ich eine Fremde in den Räumen habe, die ihren Charakter auch ganz schnell ändern könnte. Lange darüber nachdenken kann ich jedoch nicht mehr, bis mich der Schlaf einholt.

Am nächsten Morgen werde ich vom Heulen des Windes geweckt, das auch durch die geschlossene Scheibe deutlich zu hören ist. In Gewitternächten oder allein zu Hause fand ich das früher immer richtig gruselig. Jetzt ist es allerdings hell, auch wenn die Sonne wohl nicht so ganz herauskommen möchte.
Andererseits habe ich auch keine Ahnung davon, wie spät oder früh es ist. Ich weiß nicht mal, welcher Wochentag heute wäre. Früher habe ich es durch meine regelmäßigen Tagebucheinträge manchmal datiert, aber seit viele Tage gleich verlaufen, egal ob es nun Montag oder Mittwoch oder Wochenende ist - was seit es keine festen Berufe und all das mehr gibt, wirklich seinen Sinn verloren hat - habe ich das immer seltener gemacht und schließlich ganz gelassen.
Ich strecke mich gähnend und lausche. Die Bar liegt leise dar. Auch in der Nacht hat mich kein Lärm geweckt. Ich rappele mich auf, schnappe mir ein paar Klamotten und verschwinde damit ins Bad, anschließend gehe ich in Richtung Saal mit der Bühne. Das Frühstück wird wohl wieder aus Brot und Obst bestehen, es wäre echt göttlich, etwas Butter zu haben. Die würde sich ohne Kühlung aber wohl kaum lange halten und ist auch nicht so leicht herzustellen. Manchmal vermisse ich es richtig, einfach aus dem Haus in den nächsten Supermarkt gehen und alles kaufen zu können, was ich will. Doch das gehört lange der Vergangenheit an.
An der Bar schenke ich mein Glas wieder mit Limo voll, die man zwar nicht so oft trinken sollte, ich aber darauf vertraue, dass sie sauberer ist als das Wasser aus dem Fluss und die Flasche ist bald sowieso leer. Katina kann ich von meinem Standpunkt aus nicht ausmachen, um sie nicht schlagartig zu wecken, verhalte ich mich aber so leise wie möglich, schnappe mir ein Buch, das ich auf einem der Tische irgendwo liegen gelassen habe und beginne, im spärlichen Licht, das durch die hohen Fenster dringt zu lesen. Die schwarze verhüllende Folie sollten wir wohl auch irgendwann entfernen.


Zuletzt von Alaska* am Mo 6 Apr - 19:08 bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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BeitragThema: Re: Die "Flavor" Bar   Die "Flavor" Bar - Seite 3 EmptySo 29 März - 20:47

Ich schlafe erstaunlich gut in der Nacht, obwohl ich mich ein wenig eingesperrt fühle. Alaska wollte mich aber sicherlich nicht daran hindern einfach in der Nacht zu verschwinden, sondern andere eher daran hier einfach unangekündigt reinzuspazieren und sonst etwas anzustellen. Als ich schließlich wieder wach werde gehe ich mich kurz etwas erfrischen und verkrümel mich wieder unter meiner Decke. Zumindest so lange bis ich Alaska höre, sie gibt sich Mühe leise zu sein um mich nicht aufzuwecken, was ja gar nicht mehr nötig ist. "Morgen", rufe ich ihr aus dem Dunklen zu und stehe langsam auf. Alaska hat sich in eine Ecke zum Lesen zurückgezogen. "Kannst du überhaupt etwas erkennen?", frage ich sie, da durch die Fenster Dank der Folie nur spärlich Licht hereinfällt. Ich gähne und strecke mich kurz. "Was steht denn heute an?" Ich bin gespannt, ob Alaska sich schon einen Plan zurecht gelegt hat, wovon ich eigentlich schon fast ausgehe.
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BeitragThema: Re: Die "Flavor" Bar   Die "Flavor" Bar - Seite 3 EmptyMo 6 Apr - 19:35

Die Geschichte im Buch hat mich schon bald gefangen. Dabei ist es ziemlich anstrengend für die Augen, bei so wenig Licht über längere Dauer zu lesen. Andererseits hab ich es in den letzten Abenden auch oft so gemacht oder eben mit ein, zwei Kerzen. Es ist das letzte Buch, das ich habe und einerseits möchte ich nicht, dass ich so schnell weiß, wie es ausgeht und dass es dann zu Ende ist. Vielleicht sollte ich mich auf dem Markt oder in irgendwelchen Häusern mal nach neuem Lesestoff umsehen, denn so wertvoll Bücher auch für mich sind, richtig eintauschen möchte ich dafür nichts, da Nahrung erst einmal wichtiger ist und natürlich Material um die Bar auf Vordermann bringen zu können.
In dem Buch geht es um etwas, das man heute als Kleinigkeit betrachten würde. Ein Mädchen, das in der Schule sehr beliebt ist, aber mit den Fächern zu kämpfen hat. Und natürlich mit der Liebe. Die Liebe spielt immer irgendwo eine Rolle, ist wohl sogar das Einzige, was gerade noch aktuell ist, denn die Schulen sind leer und falls nicht, werden sie bestimmt kaum mehr zum Unterrichten genutzt. Und die Liebe..ja die Liebe ist nach wie vor kompliziert. Man kann nie wissen, ob jemand treu ist oder bei einem bleibt, egal, was er einem verspricht. Was am einen Tag gilt, kann am anderen schon längst seinen Wert verloren haben und zusammen mit dem vermeintlichen Partner über alle Berge verschwunden sein. Ich seufze.
Katina holt mich aus den Gedanken. Sie ruft ein "Morgen" in den Raum, das ich erst orten kann, als sie sich bewegt.
"Hallo, gut geschlafen?", erwidere ich ihren Gruß und lasse das Buch sinken. Sie scheint trotzdem gesehen zu haben, was ich gemacht habe, denn auch sie wundert sich darüber, dass ich bei den Verhältnissen lese. Ich lächle.
"Es ist nicht unbedingt so super bei dem Licht, aber es funktioniert irgendwie. In meinem Zimmer ist es auch besser, aber ich wollte mich da nun nicht ewig drin verstecken, wo du dich schließlich nicht hier auskennst und damit du nicht darauf warten musst, bis ich rauskomme. Als sie wissen will, wie der Tag heute aussehen wird, überlege ich kurz. Da ich nicht erwartet hatte, Besuch und so schnell Hilfe zu haben, stand noch gar kein fester Plan, immerhin muss ich den ja nicht für mich selbst zurechtlegen. Etwas von der Folie zu entfernen, damit wir nicht jedes Mal im Dunkeln sitzen, wäre aber erst mal nicht so schlecht und draußen lassen sich vielleicht auch ein paar andere hilfsbereite Leute auftreiben, sowie ein paar Eimer Farbe. Letztendlich können wir das jedoch auch ganz spontan entscheiden. Da es vorhin nicht nach Regen aussah, wäre ich allerdings dafür, das zu nutzen und draußen was zu machen, denn hier drin kann man immer noch aufräumen und putzen, falls es mal regnen sollte.
"Ich schlage vor, wir frühstücken erst mal was und dann sehen wir weiter. Hast du denn außer einen Schlafplatz zu finden, noch was anderes vorgehabt? Auch wenn du mir als Gegenleistung für die Übernachtung helfen sollst, musst du nicht die ganz Zeit hier festsitzen, wenn du das nicht möchtest", antworte ich und erhebe mich, um zur Theke zu gehen.
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BeitragThema: Re: Die "Flavor" Bar   Die "Flavor" Bar - Seite 3 EmptyDo 9 Apr - 13:50

"Ja, doch. War ganz okay", erwidere ich lächelnd und setzte mich zu ihr. "Und du?" Als sie sagt, dass es nicht unbedingt super sei bei dem Licht nicke ich bloß. "Wir sollten die Folie abreißen, dann siehts gleich ein bisschen schöner und heller aus. Ach ich hätte mich schon zurecht gefunden." Es war zwar groß hier, aber früher oder später würde ich schon alles finden, was ich brauche. Eigentlich reicht es mir auch, wenn ich hier wieder rauskomme. Alleine. "Frühstücken klingt gut", grinse ich und mein Magen beginnt zustimmend zu grummeln. "Ja, schon. Aber das kann auch noch warten. Lass uns erstmal hier was schaffen, dann kann ich immer noch losziehen." Abends würde ich wahrscheinlich eh mehr erfahren als tagsüber. Ich stehe ebenfalls auf und folge Alaska zur Theke an der wir gestern schon gegessen haben.
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BeitragThema: Re: Die "Flavor" Bar   Die "Flavor" Bar - Seite 3 EmptyDo 9 Apr - 17:37

Katina meint, die Nacht sei ganz in Ordnung gewesen. Dass sie auf einer weichen Matratze besser geschlafen hätte, kann ich mir denken, allerdings sieht sie auch nicht sehr kaputt aus, was ich positiv finde. Im Gegensatz zu Paris, der kein Mensch war, den man in den Minuten nachdem er aufgewacht war zuerst ansprechen sollte, weil seine Laune dort grundsätzlich nicht die Beste war und man besser damit fuhr zu warten, bis er den ersten Schritt machte, scheint Katina eine gut gelaunte Person zu sein. Auf ihre Gegenfrage hin erwidere ich ihr lächeln, während ich an der Bar mit den Augen nach Besteck suche, das noch sauber ist, obwohl ich nicht sicher bin, sowas noch finden zu können. Schließlich fische ich das Messer von gestern aus der Spüle, das zumindest noch akzeptabel aussieht und nur von dem geschnittenen Obst etwas klebrig ist.
"Bei mir ist auch alles okay. So, wie ich das sehe, haben wir die Auswahl zwischen Brot und Äpfeln, Brot und Birnen oder allem zusammen. Und Rohkost natürlich", entgegne ich und hole den Rest des Brotlaibs hervor sowie zwei Karotten und die Früchte. Katina spricht meinen Gedanken von zuvor aus, indem sie meint, die Folie von den Fenstern zu entfernen wäre ganz gut. Dass sie es von sich aus vorschlägt und von einem "wir" spricht, macht mich kurzzeitig glücklich. Obwohl es reichlich früh angesetzt ist, womöglich finde ich nach all der Zeit, in der ich mich von Menschen eher distanziert habe jemanden, mit dem ich mich sogar anfreunden könnte. Wobei Freundschaft oft auch nicht mehr das ist, was es einmal war und ich in meinem ganzen Leben nie jemandem gehabt habe, den ich als Freund bezeichnet hätte. Außer meinen Bruder vielleicht. Und meine Bücher.
Es verwundert und erfreut mich zugleich, dass Katinas Wahl darauf fällt, erst mal hier zu bleiben und zu helfen, statt ihre eigenen Vorhaben weiter zu verfolgen. Wie könnte ich sie auch schon hier festhalten, selbst wenn ich das wollen würde? Eben, gar nicht.
"Na solltest du dich heute noch eher umschauen können, findest du dich sowieso schnell zurecht", meine ich noch, um an ihr woher Erwähntes anzuknüpfen.
"Und cool, danke, dass du bleibst. Nach dem Essen wäre es dann vielleicht erst mal ganz gut, draußen nach brauchbaren Sachen suchen zu gehen und in Häusern oder Lagerhallen, die unbesetzt aussehen, nach Farbe Ausschau zu halten. Auf dem Markt habe ich sowas nämlich noch nicht gesehen, aber wer würde seine Sachen auch schon für einen Eimer Mattweiß tauschen, wenn er dafür mehrere Tage leben oder etwas viel Wertvolleres ergattern könnte? Ich hoffe bloß, die Technos bleiben und heute vom Leib", spreche ich danach weiter und schneide wie gestern die noch vorhandenen Sachen. Katina hatte mir zwar noch ene Frage über meinen Tribe und alles gestellt, ohne dass sie es noch mal anspricht, habe ich aber nicht...das Bedürfnis danach, weiteres von mir aus preiszugeben. Der Grat zwischen Wichtigem und Unwichtigem ist furchtbar schmal.
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BeitragThema: Re: Die "Flavor" Bar   Die "Flavor" Bar - Seite 3 EmptyDi 14 Apr - 15:20

"Alles zusammen klingt gut, finde ich", sage ich lächelnd und setze mich auf einen Hocker. Schade, dass hier nirgends Nutella herumsteht, darauf hätte ich wirklich Lust. Aber das kann ich mir wohl für den Rest des Lebens abschminken, genauso wie Lebkuchencreme. Gott für ein Glas davon würde ich mein letztes Hemd hergeben. Sollte mir das jemals jemand beschaffen können, wäre er oder sie mein ganz persönlicher Held. Bis dahin müssen es eben Früchte und altes Brot sein. Dankend nehme ich etwas von dem Obst entgegen und kaue auf einem Stück Birne herum. "Okay, können wir gerne machen. Ziehen wir dann zusammen los oder jeder für sich?" Wenn wir alleine losgehen würden, wäre die Wahrscheinlichkeit immerhin etwas größer auch tatsächlich etwas zu finden. Blöderweise kenne ich mich in der Stadt nicht mehr so wirklich gut aus, und muss mich dann wohl auf meine Nase verlassen, die mir den richtigen Weg zeigt. Vielleicht habe ich ja auch Glück und mir läuft jemand über den Weg, der gerade zufällig eine Wagenladung Farbe dabei hat und sie loswerden will. "Gab es hier nicht mal so eine Farbfabrik? Vielleicht ist da ja noch was zu holen." Sehr wahrscheinlich sogar, eben weil kein Mensch Farbe mehr braucht. Ob die allerdings noch gut war, war dann schon etwas anderes. "Auf Technos kann ich auch ganz gut verzichten", sage ich und verdrehe die Augen. Noch so eine Begegnung und ich verlasse sofort wieder die Stadt. Wobei mir die Kette gar nicht so ungelegen kommt, so habe ich immerhin etwas zum Tauschen.
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BeitragThema: Re: Die "Flavor" Bar   Die "Flavor" Bar - Seite 3 EmptySa 18 Apr - 9:06

Katina stimmt beim Essen für alles zusammen, was kein großes Wunder ist, denn die Auswahl ist nicht wirklich überragend, lässt man nun mal die Limonade heraus, die hinten im Lager versteckt liegt. Manchmal vermisse ich echt das Frühstück von früher. In Amerika war ich es schon gewohnt, morgens warm zu essen, denn ich liebte Bacon & Eggs sowie Bagel in allen möglichen Variationen. Wer auch immer damals auf die Idee gekommen war, etwas zu erschaffen, das wie ein Doughnut aussah, aber absolut anders schmeckte, war jemand, dem ich sehr dankbar war. Genauso sah es mit Pb'n'J aus, wenn man das ultimative doppelte Geschmackserlebnis der Süße haben wollte. Und ich erinnere mich noch gut an den Laden, in dem ich mir fast täglich mein Frühstück zusammen mit Paris geholt habe, als wir alt genug waren, um allein in die Stadt und zur Schule zu gehen und unsere Mutter wieder arbeiten ging. Es war ein kleines uriges Café, das zu keiner größeren Kette gehörte und von Leuten unterhalten wurde, die indianische Wurzeln hatten. Das machte sich auch in der Einrichtung bemerkbar und vor allem in ihren Waren, denn die Sachen, die sie buken, schmeckten dort anders als irgendwo sonst. Weil wir da sozusagen nach einer Weile Stammkunden waren, die Besitzer mit Vornamen kannten und auch sonst nach der Schule noch mal ab und an da waren, um unsere Hausaufgaben zu machen, sodass wir eines Tages dazu eingeladen wurden, zusammen mit der Besitzerin Ira und ihrer Tochter Rosanne gemeinsam neue Bagel zu backen. Statt gekauftes Mehl zu verarbeiten, mahlten wir es selbst mit einer Mühle und was wir da zerkleinerten, was auch kein Weizen, sondern irgendetwas anderes, das mir leider nicht mehr in den Sinn kommen will. Ob es das hier überhaupt gibt, weiß ich aber nicht, wobei ich es sehr bezweifle.
In Japan sah alles dann später ganz anders aus. Zum Frühstück gab es Suppe und Reisbällchen, für die Schule machte unsere Mutter, wenn sie Zeit fand, meinem Bruder und mir manchmal ein hübsches Bento.
Nach dem Virus war das natürlich alles Geschichte. Man war froh, wenn man noch Vorräte im Haus hatte, die nicht von irgendwelchen Banden gestohlen wurden, die sich auch so schon vor jedem Supermarkt prügelten, weil es buchstäblich ums Überleben ging und Menschen, die früher nie an sowas gedacht hätten, nun für eine Dose Pfirsische dazu bereit waren, über Leichen zu gehen...
Katina möchte wissen, wie wir später losgehen sollen. Ich denke kurz darüber nach.
"Ich weiß nicht genau", erwidere ich, "Beides hat seine Vor und Nachteile, denn allein kann man erfolgreicher sein als zu zweit oder umgekehrt. Wenn einem was passieren sollte, wüsste die andere nicht unbedingt bescheid und..du müsstest deine ganzen Sachen mitnehmen, wenn du gehst, weil ich den einzigen Schlüssel für das Gebäude habe. Aber wie gesagt, was ist dir denn lieber? Falls du mit dem Gedanken spielst, dies oder jenes nebenbei auch tun zu können, kannst du das gerne machen, ich will dich da nicht eingrenzen oder irgendwie zu sehr verpflichten. Zur Fabrik, das weiß ich gar nicht. In der Stadt hab ich mich meistens nur in der Nähe des Marktes aufgehalten und bin so schnell wie es ging zu meinem Tribe zurück gegangen, weil keiner von uns es mochte, arg lange in der Stadt zu sein. Herauszufinden, ob die Fabrik noch steht, ist aber auf alle Fälle schon mal ein guter Ansatz." Auf die Idee hätte ich auch selbst kommen können, aber oft sieht man den Wald vor lauter Bäumen eben nicht. Katinas Aussage zu den Technos quittiere ich mit einem Nicken und hoffe, dass nicht wieder der Typ unterwegs sein wird, der einfach so Leute küsst.
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BeitragThema: Re: Die "Flavor" Bar   Die "Flavor" Bar - Seite 3 EmptyDi 21 Apr - 18:49

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Wieder zurück in der Heimat.
Na ja die Stadt hat sich sehr verändert seit ich sie das letzte Mal gesehen habe.
Aber ich verdränge die Erinnerung an damals lieber wieder. Leahs Gesicht taucht vor meinem geistigen Auge auf. Sie lächelt.
Wenn ich mich an sie erinnere, dann sammele ich alle glücklichen Tage mit ihr, in meiner Erinnerung zusammen, das einzige was mir von ihr geblieben ist. Dank den Chosen.
Wobei ich mich nicht bedanken möchte, dass sie mir den liebsten Menschen auf der Welt genommen haben weil ich sie nicht beschützen konnte.
Ich schlucke und zwinge mich weiterzugehen. Mein Bein pocht.
Ich muss zugeben es war nicht meine beste Idee in diesem Bauernhof Essen zu stehlen, aber wer konnte wissen dass diese Leute so einen Mistköter als Haustier halten?
Ich habe die Wunde notdürftig verbunden aber wer weiß was ich mir hier für Krankheiten holen kann?
Wo ich genau hingehe, weiß ich selbst nicht. Seit die Rebellen das Camp befreit haben, bin ich auf der Reise.
Seltsamerweise hatte ich die Hoffnung Luke unterwegs zu treffen aber ich weiß ja nicht wo mein Bruder jetzt wohnt.
Außerdem piept mein dämliches Hörgerät die ganze Zeit.
Die Batterie ist wohl am Ende. Ich schalte es aus und klemme es mir wieder hinters Ohr.
Hören muss ich jetzt sowieso nicht.
Seit Monaten habe ich mit keiner Menschenseele gesprochen. Und seit dem Verlust meiner Familie bin ich nicht gerade mehr die Quasselstrippe von früher.
Vor mir sehe ich ein Haus. Flavor Bar heißt es über dem Eingang.
Na ja ein Drink ist nie verkehrt.
Ich betrete die Bar. Der Schankraum ist fast leer. Bis auf zwei Mädchen, die am Tresen stehen.
Ich setze mich auf einen der Stühle gegenüber vom Tresen. Ich lasse mich fast schon fallen weil mein Bein doch höllisch weh tut.
Der Biss ist unterhalb des Knies aber ich reibe mir den Oberschenkel um mich vom  Schmerz abzulenken.
Ich hebe eine Hand zur Begrüßung.
Gut vielleicht ist das auch nicht gerade eine gute Idee, diesen Laden betreten zu haben, immerhin ist es fast dunkel draußen.
Vielleicht sind die Mädchen nicht gerade angetan von meinem Anblick aber was soll man tun wenn man tagelang auf dem blanken Boden geschlafen hat. Ich versuche meine Haare zu richten.
Na so eitel Mr. Parker. Es ist Leahs Stimme die ich mir da einbilde. Es schmerzt. Fast könnte ich meinen sie würde hinter mir stehen.
Aber als ich hinter mir nachsehe, ist da natürlich niemand.
Mann, Alter reiß dich zusammen.
Mit meiner rechten Hand mache ich eine Bechergeste um zu verdeutlichen dass ich gerne etwas trinken möchte.
Die richtige Gebärde für "trinken" sieht anders aus aber das würden die beiden Mädchen höchstwahrscheinlich sowieso nicht verstehen.
Aus meiner Hosentasche hole ich eine Halskette um zu zeigen dass ich etwas zum Tauschen habe.
Ich lege die Kette auf den Tresen und schiebe es in Richtung der Mädchen.
Eine hübscher als die andere.
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BeitragThema: Re: Die "Flavor" Bar   Die "Flavor" Bar - Seite 3 EmptyDo 23 Apr - 14:01

Unser Gespräch wird unterbrochen, als sich plötzlich etwas an der Haupteingangstür der Bar tut, die ich noch nicht wieder abgeschlossen habe, oder doch? Ich bin mir nicht ganz sicher. Jemand ist hier. Was, wenn es der Besitzer ist, der seinen Anspruch auf sein Gebäude, das immerhin bei meiner Ankunft verschlossen gewesen ist, zurückerheben möchte, was sein oder ihr gutes Recht wäre? Dann wären alle geschmiedeten Pläne zunichte und Katina würde dann bestimmt auch ihre Zelte abreißen und ihren Weg fortsetzen. Zu Beginn hat sie ohnehin lediglich nach einem Schlafplatz für eine Nacht gesucht. Erstarrt lausche ich, was sich tut und als sich die Tür dann öffnet, steht ein blonder junger Mann im Raum, der ohne zu zögern direkt auf uns zukommt, ohne ein Wort zu sagen oder sich umzusehen. Wie selbstverständlich lässt er sich auf einen der Hocker fallen, sodass zwischen ihm und Katina noch einer frei ist, deutet ein Winken an und bietet mir damit einen der seltsamsten Auftritte, die ich in der letzten Zeit erlebt habe. Ich weiß nicht ganz, was ich davon halten soll. Was will er und was erwartet er von uns? Selbst die Erleichterung darüber, dass es sich hierbei wohl nicht um den ehemaligen Bewohner der Bar handelt - würde er uns dann nicht danach fragen, was wir hier zu tun haben, uns des Diebstahls an seinen Vorräten bezichtigen und uns dann entweder bestrafen oder hochkant rauswerfen?! - hält sich in Grenzen, denn so locker ich eben noch drauf war, so sehr schlägt das Gefühl ins Gegenteil um.
Ruhig bleiben, Alaska. Noch ist nichts passiert und du bist nicht alleine. Alles wird gut, rede ich mir in Gedanken gut zu, versuche mich weiterhin zu beruhigen, indem ich den Neuankömmling genau betrachte, um notfalls aus seinen Augen, seinem Verhalten und seiner Mimik herauslesen zu können, ob er etwas im Schilde führt. Allerdings scheint er schon mal kein Techno zu sein, denn er trägt weder ein Headset noch den Anzug und auch kein Zeichen auf der Stirn. Dafür eine Art Blitz auf der Wange, den ich keiner mir bekannten Gruppierung - und so arg viele kenne ich nicht - zuordnen kann. Flüchtig werfe ich Katina einen Blick zu, als der Typ sich vor uns versucht, die wirren Haare zu richten, was schon fast wieder lustig ist, haben wir ihn doch in der Sekunde vorher auch so schon gesehen und eine gut sitzende Frisur kann momentan auch nicht besonders dazu beitragen, dass ich mich besser fühle. Selbst wenn es irgendwie schmeichelnd ist, dass er sich wenigstens minimal Mühe geben möchte, um nicht auszuschauen wie aus der letzten Ecke. Ich hoffe bloß, dass er nicht einer ist, der denkt, er kann jeden und alles haben, weil es seinem Charme hoffnunngslos unterliegt und spielt mit der Idee, eine von uns - oder am Ende noch beide - an sich zu reißen oder zu küssen wie dieser Typ bei Lanai.
Alles erfährt noch eine Steigerung dadurch, dass der Junge plötzlich seinen Kopf dreht, wie um sicher zu stellen, dass außer ihm niemand anderes in die Bar gekommen ist, anschließend deutet er mit einer Gestik an, dass er etwas trinkt - oder etwas haben möchte?! - sagt weiterhin nichts und holt bloß ungefragt eine filigrane Kette hervor, die er mir zuschiebt. Ich muss das Ding für einen Augenblick angesehen haben, als käme es von einem anderen Planeten, mit Menschen umzugehen ist in den letzten Monaten und Jahren sowieso nicht meine Stärke gewesen - weshalb ich froh bin, dass es mit Katina soweit so gut funktioniert hat - und nun fühle ich mich erst recht überfordert. Ob er uns wohl damit vermitteln wollte, Durst zu haben? Ein Wunder wäre es nicht, denn Vorräte sind immer knapp. Ich ringe jedoch mit mir, weil ich nicht weiß, ob ich ihm nur etwas Wasser oder auch ein wenig Limonade geben soll. Wäre er nett, könnte er uns bestimmt eine gute Hilfe in der Bar sein, andererseits erscheint der Gedanke in meinem Kopf, dass er schlichtweg neu in der Stadt ist, die Bar für eine normale Bar gehalten hat und einen flüchtigen Abstecher machen wollte, um direkt danach weiterzuziehen. Mh...ewig warten kann ich aber auch nicht. Ach man.
"Oh...hallo", sind die brüchigen Worte, die zuerst den Weg aus meinem Mund finden und sich unedlich unsicher anhören. Damit macht man bestimmt einen superstarken Eindruck. So selbstbewusst wie bei der Verteidigung meines Häuschens am Strand fühle ich mich nun aber einfach nicht, die Wut ist nicht groß genug.
"Ich...ähm..." Ich müsste den Raum verlassen und ins Lager gehen, um etwas zu trinken zu holen. Aber dann müsste ich auch Katina mit dem Typ allein lassen und was, wenn er nun auf nett macht und normal - okay, nicht alles an ihm wirkt normal - und sie überwältigt, während ich weg bin, um mit mir dasselbe zu machen, wenn ich zurückkomme? Womöglich ist er ein Sklavenhändler oder sowas...
"Okay, ich...ich hole etwas zu trinken. Bin gleich wieder da. Und komm ja nicht auf dumme Gedanken", meine ich immer noch nicht ganz so stark wie es klingen soll, doch ändern geht nun nicht mehr. In Windeseile stürme ich ins Lager, greife die erste volle Flasche, die mir unter die Hände kommt und eile zurück zur Bar. Es ist eine Flasche Limonade geworden. Was ein Glückspilz. Ich greife nach einem Glas - von denen hier noch mehr sauber sind als Besteck - schenke ihm etwas ein und stelle es auf den Tresen. Die Kette wäre vielleicht eine halbe Flasche wert, aber so schnell will ich nicht nachgeben und erst mal abwarten, was geschieht.
"Bist du..bist du neu in der Stadt?", frage ich dann noch, denn die üblichen Bewohner müssten wissen, dass die Bar geschlossen ist. Vorbeigekommen ist außer Katina jedenfalls nie jemand.
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BeitragThema: Re: Die "Flavor" Bar   Die "Flavor" Bar - Seite 3 EmptyMi 6 Mai - 17:22

Das Mädchen hinter der Bar scheint ziemlich verängstigt und überrascht von meinem Auftritt zu sein.
Was erwartet sie? Dass ich sie abstechen könnte?
Ich bewege meine ausgestreckten Hände langsam, vor mir, auf und ab, um ihr zu bedeuten, dass ich keine bösen Absichten habe und sie sich beruhigen kann. Unsicher begrüßt sie mich mit einem schüchternen „hallo“
Gut, dass sie in der Nähe meines linken Ohres steht, sonst würde ich gar nicht mitbekommen dass sie überhaupt etwas gesagt hat.
Lippen lesen, kann schließlich nur meine Schwester. Ich aber nicht. Obwohl ich es mal hätte lernen sollen, weil mein rechtes Ohr schlechter wird, das bemerke ich schon länger. Wenn es schlecht läuft, geht es mir irgendwann wie meiner Schwester.
Ob ich dieselbe Krankheit wie sie in mir trage, weiß ich nicht. Ich hoffe, dass ich auch in Zukunft nicht komplett taub sein werde.
Ich soll nicht auf dumme Gedanken kommen?
Ich muss lächeln. Es wirkt ziemlich lächerlich, wie sie versucht sich selbst zu verteidigen,
obwohl ich ihr gar nichts getan habe und dabei wirkt sie auch noch wie eine zitternde Maus die vor einer Katze steht.
Gastfreundschaft wird in diesem Etablissement nicht gerade groß geschrieben.
Ich setze an, um etwas zu erwidern aber atme stattdessen nur aus, noch bevor ich den Laut geformt habe.
Dann schließe ich den Mund wieder.
Dann verschwindet das Mädchen, hinter der Bar, kurz und ist schneller wieder da, als ich „Selbstverteidigung“ sagen könnte.
Hat sie etwa Angst dass ich währenddessen ihrer Freundin, neben mir, etwas antun könnte?
Schwachsinn. Da das in meiner Verfassung sowieso ausgeschlossen wäre, selbst wenn ich etwas vorhätte, was nicht der Fall ist.
Ich nehme mein Hörgerät kurz heraus und schalte es wieder an. Es piept und piept und piept…
Macht keinen Sinn. Die Batterie ist tot. Ich schalte es wieder aus und klemme es, an seinen angestammten Platz, hinter mein rechtes Ohr.
Mist, wo bekommt man jetzt noch Hörgerätebatterien her,  in dieser Stadt?
Diese Batterie hat bisher am Längsten gehalten. Im Sklavencamp hatte ich mein Hörgerät immer versteckt, aus Furcht, dass die Chosen es mir abnehmen würden.  Gemocht habe ich das Ding nie. Hören zu können, war für mich immer selbstverständlich bis ich mit 10 Jahren gemerkt habe, dass ich auf einer Seite immer schlechter hörte. Kein angenehmes Gefühl aber immer noch besser als gar nichts zu hören.
Wie Leah so leben konnte, konnte ich mir nie richtig vorstellen.
Währenddessen steht das Mädchen weiterhin hinter ihrem Tresen und starrt mich entgeistert an.
Auch ihre Freundin scheint von meinem Erscheinen nicht gerade begeistert zu sein.
Ist das hier vielleicht doch keine Bar? Aber selbst wenn es keine Bar ist, warum hängt dann draußen ein Schild und die Tür war ja auch nicht abgeschlossen. Ziemlich leichtsinnig für zwei verängstigte Mädchen.
Doch das Mädchen schenkt mir dann doch ein Glas Limonade ein.
Ich nehme das Glas und trinke die Limo leer.
Ich nicke ihr dankend zu.
Ganz schön geizig ist sie. Nach meinem Verständnis ist die Kette viel mehr wert als das eine Glas Limonade.
Währenddessen will das Mädchen von mir wissen ob ich neu in der Stadt wäre.
Ich schüttele mit dem Kopf.
Immerhin bin ich hier geboren.
Und immer noch spüre ich keinerlei Lust mit einem der beiden ein wirkliches Gespräch anzufangen.
Obwohl das Mädchen hinter dem Tresen echt heiß ist, wenn sie nicht so eine feige Statur abgeben würde. Ich kann ihre Angst förmlich riechen.
Als nächstes will sie womöglich noch wissen welchem Tribe ich angehöre.
Obwohl ich noch nie einem Tribe angehört habe, aber das kann das Mädchen natürlich nicht wissen.
Seit dem Tod meiner Schwester bin ich ein richtiger Einzelgänger geworden, der Menschenansammlungen meidet. Die wenigen Wochen, die ich jetzt schon in Freiheit lebe, genieße ich richtig.
Na ja dann will ich mich mal auf meinen weiteren Weg begeben.
Ich versuche aufstehen aber mein verletztes Bein lässt das nicht zu. Ich verziehe schmerzverzerrt das Gesicht und reibe erneut an meinem Oberschenkel herum. Dann halte ich dem Mädchen das Glas erneut hin.
Mann, bist du bescheuert? Denkst du, die Limo könnte deine Schmerzen lindern?
Wärst du diesem dämlichen Hund lieber Mal nicht zu nahe gekommen. Du Idiot.

Die beiden sehen mich immer noch ziemlich skeptisch an.
Was haben die eigentlich für ein Problem?
Immerhin müssten zahlende Gäste in einer Bar gern gesehen sein oder etwa nicht?

Ich reibe mir mit dem Arm über die Stirn.
Man, ist hier so heiß oder schwitze ich nur so sehr?
Ich halte mich zitternd am Tresen fest um nicht vom Stuhl zu kippen, dabei ist mir nicht mal schwindelig. Ausversehen fällt mir dabei das Glas aus der Hand und zerschellt am Boden in tausend Stücke.
Ewig kann ich jedoch auch nicht auf diesem Stuhl sitzen. Irgendwann wird der Laden hier sicher schließen.
Ich stehe dann doch zitternd auf und humpele vorsichtig Richtung Ausgang aber ich komme nicht weit weil die Kraft nicht reicht.
Ich setze mich auf einen Stuhl, der an einem der kleinen Bistrotische steht, welche im Raum verteilt stehen. Erstmal werde ich nirgendwohin gehen können, wird mir bewusst, selbst wenn sie mich auffordern werden zu gehen.
Das Mädchen hinter dem Tresen hatte sich derweil neben ihre Freundin gestellt, steht aber immer noch auf Distanz, als könnte ich sie gleich anfallen, trotz meiner Verletzung. Gut vielleicht ist ihr in ihrer Aufregung um die fremde Person in ihrer Bar auch noch nicht aufgefallen, dass eben diese Person sich nicht gerade in einer starken, angriffsbereiten Position befindet und schwer verletzt ist.
Dämlicher Hund.
Ich konnte Hunde noch nie leiden. Einer meiner Freunde hatte vor dem Virus ein solches Haustier.  Ich bin damals nur mit dem Köter Gassi gegangen weil es Leah so sehr gefiel. Allein wäre ich nie auf die Idee gekommen mich einem Hund zu nähern.
Aber diesmal bin ich einfach leichtsinnig gewesen. Was man nicht alles tut wenn man Hunger hat. Ich wusste vor dem Aufenthalt im Sklavencamp nicht was richtiger Hunger ist. Ein schreckliches Gefühl. Man kann an nichts anderes mehr denken als ans Essen und wie man etwas organisieren kann.
Hunger habe ich erstmal keinen mehr, da ich ja mit dem Brot abhauen konnte aber was Richtiges zu essen wäre auch nicht schlecht.
Ob die Mädchen mir da weiterhelfen können?
Ein Verbandswechsel an meinem Bein wäre, glaube ich auch nicht so verkehrt, da mein Verband eher provisorisch war.
Ich konnte leider kein Verbandsmaterial auftreiben und habe mein Hemd zur Bandage umfunktioniert.
Ich schiebe mein linkes Hosenbein ein Stück nach oben. Der Anblick, der sich mir dort bietet, lässt mich erschaudern. Das Blut hat das Hemd längst durchdrungen. Beinahe hätte mich übergeben aber ich reiße mich dennoch zusammen.
Nachdem ich schon ihr Glas zerdeppert habe, will ich nicht auch noch ihren schönen, sauberen Fußboden versauen.
Mein Blick bleibt an den Bodenfliesen hängen.
Blut?
Mein Blick fällt wieder auf mein Bein. Das Blut rinnt tröpfchenweise auf den Boden vor mir.
„Sorry.“ flüstere ich so leise das ich mich selbst kaum höre, in Blickrichtung der Mädchen.
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BeitragThema: Re: Die "Flavor" Bar   Die "Flavor" Bar - Seite 3 EmptyDo 7 Mai - 23:11

Katina tut erst mal gar nicht viel, außer zu schweigen, alles genau zu beobachten und den Fremden skeptisch zu betrachten. Er dagegen benimmt sich weiterhin komisch, bewegt seine Arme so, als wolle er ein wildes Pferd beruhigen, was mich sauer auf mich selbst macht, weil ich entweder zu panisch oder zu selbstbewusst wirke, wobei ich Ersteres mehr vermute, weiterhin kommt aber kein Wort von den Lippen des blonden Mannes. Stattdessen fällt mir etwas anderes auf, was einem wohl auch kaum hätte entgehen können, wenn es schon direkt vor einem vorgeführt wird. Mein Gegenüber nimmt ein Hörgerät aus seinem Ohr, was mich überrascht, denn ich hätte nicht gedacht, dass man sowas überhaupt noch zum Laufen bringen kann, ohne einen zuverlässigen Zugang zu Batterien, mit denen man die alten wechseln kann, sollten sie doch mal leer gehen. An sich sind so Geräte ja so konstruiert, das nur wenig verbraucht wird - zumindest so wenig wie möglich - damit man eben nicht ständig aufgeschmissen ist. Ich denke an Anna, die Postbotin, mit der Kira manchmal geredet hat und durch die wir, wenn wir wochenlang mal nicht in der Stadt gewesen sind, erfahren haben, was dort momentan vor sich geht. Anna kann nicht sprechen, darum hat sie immer einen Block mit Stiften bei sich, um aufschreiben zu können, was sie sagen möchte, wenn es nicht mit Zeichensprache geht. Das Problem des Fremden ist da um einiges komplizierter. Ich stelle mir vor, wie schlimm es sein muss, nichts zu hören, wenn man in der ewigen Panik leben muss, sich auf die anderen Sinne zu verlassen, die einem aber nicht immer sagen können, wenn sich jemand nähert, wenn in der direkten Umgebung etwas geschieht, vor dem man besser gewarnt sein sollte aber man es nicht ist, weil man es gar nicht wahrnimmt. Womöglich muss ich also gar keine Angst haben, sondern der Unbekannte ist bloß ein weiterer Hilfesuchender wie es Katina gewesen ist. Und mit seinen komischen Gesten wollte er nur sagen, was er anders offensichtlich nicht wusste. Früher, als ich ständig irgendwelche Medizinbücher durchwälzt habe, stand in einem auch mal was über Taubheit drin, wie sie entstehen kann, wenn sie nicht von Geburt an vorhanden ist, wie hoch die Wahrscheinlichkeit auf Heilung ist und auch, dass viele Menschen, die nichts oder nur sehr schlecht hören können, kaum sprechen, weil sie eben sich selbst nicht akustisch wahrnehmen und es darum vorziehen, auf der sicheren Seite zu kommunizieren, indem sie eben Gebärdensprache oder wie Anna andere Medien nutzten. Dass mein Kopf nicht sofort umgeschaltet hat, schiebe ich auf den unerwarteten Moment, den das Auftauchen verursacht hat. Doch nun, wo ich mir besser erklären kann, was die Gestiken sollen, habe ich nicht vor, leichtsinnig oder naiv zu werden, nur weil dieser Typ einen auf harmlos macht oder durch sein Defizit vielleicht darauf hofft, Mitleid zu erhaschen, um seine Opfer schneller überwältigen zu können. Im Laufe der Zeit findet man wohl so seine Überlebenstaktiken zusammen und einen Nachteil zum Vorteil zu machen ist nicht besonders unklug, womöglich ist man damit sogar erfolgreicher als manch anderer...
Das Glas ist schnell leer getrunken, ich überlege, ob ich ihm noch eins einschenken soll, der Junge macht aber keine Anstalten mir zu zeigen, dass er noch mehr Durst hat, werde ich ihm den Gefallen vorerst nicht tun. Dann schüttelt er den Kopf, verneint damit wohl meine Frage, eine Erklärung bekommen Katina und ich jedoch nicht. Soso geheimnisvoll also auch noch. Wobei, wenn er sich hier auskennt, wieso weiß er dann nichts davon, dass die Bar eigentlich keine mehr ist - jedenfalls nicht zu diesem Zeitpunkt, außer vom Gebäude her natürlich - man also nicht eben so reingehen und was zu trinken verlangen kann, vor allem dann nicht, wenn nur zwei Leute an der Bar sitzen, die offensichtlich frühstücken. Mit seinen Ohren mag etwas nämlich vielleicht nicht stimmen, seine Augen werden das aber wohl wahrgenommen haben, oder?!
Ich komme nicht mehr dazu, weiter zu grübeln, denn scheinbar hat unser Gast von selbst entschieden, weiter seines Weges zu gehen, denn er steht auf. Oder probiert es wenigstens. Irgendetwas scheint ihn daran zu hindern, denn seine Züge verziehen sich zu einem Ausdruck, der Schmerzen vermittelt, die der werte Herr damit zu überspielen versucht, dass er nun doch um mehr Limonade bittet. Was ein Kerl..Bloß nichts anmerken lassen, selbst wenn es unübersehbar ist. Aber gut, andererseits ist er auch nur ein Mensch und...Minuten zuvor habe ich auch noch nicht von mir behaupten können, der Mut in Person gewesen zu sein. Geschweigedenn das Selbstbewusstsein, das Bildnis einer starken Frau, nichts dergleichen. Lediglich das überrumpelte schwache unsichere Mädchen, das ich eigentlich zurzeit war, wenn ich nicht gerade in meinen Vorstellungen von der Zukunft der Bar und ihrer Rolle in meinem zukünftigen Leben steckte oder es jemand schaffte, mir die Panik zu nehmen, wie Katina mit ihrer freundschaftlichen Art. Und natürlich die viele Arbeit, die vor mir lag, konnte mich gut ablenken. In unerwarteten Lagen wie im Strandhaus mit dem Pärchen und jetzt mit dem Kerl konnte ich aber einfach nicht rasch genug auf mein neues, selbstsicheres Ich umschalten. Ich hatte nie geübt, das zu sein, mich auch vor dem Virus eher versteckt und wo rausgehalten, als dazuzugehören wie ich war. Die Bühne beim Tanzen war der Platz, an dem ich aus mir herausging, ansonsten blieb ich unauffällig.
Spontan entscheide ich nun, wo unser Gast entweder extrem gut schauspielt oder echte Schmerzen hat, aber schlicht ruhig zu bleiben, herauszufinden, was mit ihm los ist und anschließend weiterzusehen. Plötzlich scheint er der Schwache zu sein, der sich festhalten muss, um nicht die Balance zu verlieren, das Glas gleitet ihm aus der Hand, übersäht den Boden mit Splittern. Sein Stolz und sein offensichtliches Kämpferherz lassen allerdings nicht zu, dass er bleibt und um Hilfe bittet, darum versucht der junge Mann sich irgendwie zur Tür zu bringen, was ich aus meiner Position nur gebannt nachverfolgen kann, weil alles trotzdem es langsam geschehen sollte, doch so schnell passiert. Weit kommt der Fremde nicht, klammert sich schließlich an einen Stuhl, auf dessen Sitzfläche er sich so schwerfällig fallen lässt wie ein nasser Sack. Während des Ganzen kommt über seine Lippen immer noch kein Laut, was mir das Bild ins Gesicht schickt, dass er am Ende noch auf seine Zunge beißt, um nicht losschreien zu müssen, womit er eventuell weitere Leute zur Bar locken und dazu seine Männlichkeit noch ein wenig mehr verlieren könnte - zumindest in seinem eigenen Weltbild, das jedem männlichen Wesen wohl in die Wiege gelegt wird, so wie es mit einem anderen auch bei uns Frauen so ist, nur wie stark es durchkommt, ist bei jedem verschieden - worüber ich fast grinsen muss, ich kann mich aber beherrschen. Und außerdem hat der Typ weder Katina noch mir etwas getan, mit dem er Schadenfreude oder etwas Derartiges verdient hätte.
Ich verlasse meinen Standpunkt, komme hinter der Theke hervor und gehe langsam auf den jungen Mann zu, währenddessen der sein Hosenbein hochschiebt und uns allen damit einen Anblick bietet, den ich so schon lange nicht mehr vor mir hatte. Jedenfalls kann ich erahnen, wie es unter dem Stoff aussieht, der mal irgendein Kleidungsstück gewesen sein könnte, welches genau ist durch das Blut nicht zu erkennen und an einer Stelle ist er ein bisschen verrutscht, sodass er einen minimalen Teil einer größeren Wunde freigibt. Und schon dieses kleine Stück sieht echt schlimm aus. Ob er in einen Kampf geraten ist? Meine Distanz wandelt sich nun in Sorge um. Ich konnte Menschen noch nie dabei zusehen, wie sie leiden oder etwas haben, das man selbst verringern könnte. Nicht umsonst hat mich Medizin so sehr interessiert. Als ich nur noch einen Meter von dem Jungen entfernt bin, schaut er auf den Boden, dann zu mir hoch. Das Blut bildet nun einen kleinen Fluss an seinem Bein, wo es nicht mehr direkt von so viel Stoff gehindert oder verdeckt wird. Und was macht dessen Besitzer? Er ist besorgt um den Boden, den nun kleine rote Tröpfchen zieren und entschuldigt sich. Er ist also nicht stumm...Und irgendwie ist es sympathisch, dass er seinen Humor selbst dann nicht verliert, wenn er ärgere Schwierigkeiten hat. Auch wenn es kein fließendes Wasser gibt, putzen müssen wir hier sowieso, da macht das nun keinen großen Unterschied.
"Schon okay, immerhin hab ich gehört, du hilfst uns beim Putzen", versuche ich, den Fremden ein wenig aufzumuntern. Eine männliche helfende Hand in der Bar wäre wirklich nicht schlecht. Auch wenn ich nicht so weit vorausplanen sollte.
"Was ist mit dir passiert? Hast du Probleme mit einem Tribe gehabt?", will ich dann wissen, um alles besser einschätzen zu können. Ich denke an die Salben, die ich aus den Kräutern gemacht habe, als die Oceans noch da waren. Bisher habe ich keine davon benutzt und womöglich werden sie nun hilfreich sein.
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BeitragThema: Re: Die "Flavor" Bar   Die "Flavor" Bar - Seite 3 EmptyFr 8 Mai - 18:50

Das Mädchen, sie hat mir immer noch nicht ihren Namen genannt, obwohl sie so aussieht, als würde sie nichts lieber tun als genau das, tritt, bis auf wenige Meter, an mich heran. Sie wirkt nun entschlossener aber immer noch unsicher, ob sie mich nicht doch lieber vor die Tür setzen sollte.
Hallo? Das tut wirklich schweineweh.
Anhand ihrer skeptischen Blicke könnte man fast meinen, sie würde denken dass ich die ganze Situation hier nur spiele.
Wie soll ich bitte ne Bissverletzung spielen und verdammt noch mal, warum? Wohl wieder so ne Frauenlogik, die wir Männer nie verstehen werden.
Sie versucht meine Entschuldigung, wegen ihrem versauten Fußboden mit einem Witz zu überspielen.
Ich und Putzen? In was für einer verqueren Fantasiewelt lebt sie denn? Selbst mein Zimmer, zuhause, habe ich nie selbst geputzt. Für was hat man denn Personal? Kumpel, die Zeiten als Sohn eines reichen Anwalts sind vorbei, daran solltest du dich endlich mal gewöhnen. Aber trotzdem, ich und Putzen. Never, träum weiter Babe. Sowas ist Frauenarbeit.
Denn zweiten Satz habe ich allerdings nicht ganz verstanden.
Das erinnert mich wieder an Leah. Wenn sie etwas nicht verstanden hatte, hat sie nie nachgefragt. Sie antwortete dann meistens irgendetwas, was beim Gegenüber nur noch mehr für Verwirrung sorgte. Ihr war ihre Gehörlosigkeit schon immer peinlich. Ich, selbst, kann damit umgehen, obwohl das nicht heißt dass ich es mag immer wieder mal nachfragen zu müssen, was andere gesagt haben. Na ja wahrscheinlich ist es auch etwas ganz anderes wenn man vollkommen taub ist. Ich schiebe die Erinnerung an meine tote Schwester allerdings beiseite, da sie fast mehr schmerzt als mein blutendes Bein.
„Kannst du mal lauter sprechen? Ich bin akustisch ein wenig eingeschränkt. Das meine Batterie leer ist, hast du ja immerhin gerade gesehen und gehört.“
Sie wiederholt ihre Frage gleich so laut als würde zwischen uns ein Fußballfeld liegen, ob ich Probleme mit einem Tribe hatte.
Ich zucke kurz zusammen.
Wer konnte damit rechnen, dass sie ihre Frage gleich so laut wiederholt, dass selbst meine gehörlose Schwester sie gehört hätte?
„Was schreist du mich so an? Ich hatte nicht vor mein hörendes Ohr auch noch zu verlieren. Danke.“ meine ich sarkastisch.
Ich kann mir, selbst mit schmerzverzerrtem Gesicht, mein Grinsen nicht verkneifen.
„Entsch-schuldigung, k-könnten wir uns erst mal um mein Bein kümmern, dann gebe ich dir sehr gerne meinen Lebenslauf aber das hier.“ Ich deute auf meine Verletzung. „sieht nicht nur so aus als wenn es verdammt wehtun würde.“ erwidere ich dann auf ihre Frage.
Den wahren Grund für meine Verletzung sollte ich wohl erst mal verschweigen. Ein Dieb bin ich immerhin normalerweise nicht. Ich kann nur hoffen, dass dieser dämliche Mistköter keine Tollwut oder so was hatte. Medikamente sind schließlich noch rarer als meine Hörgerätebatterien.
Das wird schon wieder. Das wird schon wieder.
Das Mädchen weist ihre Freundin an, im Lager nach einem Verbandskasten zu suchen.
Na hoffentlich wird sie schnell fündig. Ich garantiere für nichts, wenn ich weiter das Blut anstarren muss.
Mein provisorischer Verband löst sich währenddessen in seine Einzelteile auf. Ich versuche es mir nicht anmerken zu lassen, dass der Anblick meines eigenen Blutes Übelkeit in mir auslöst. Ich löse meinen Blick von der Bisswunde und sehe stattdessen in ihre wunderschönen, blauen Augen.
Das Mädchen holt ein paar Papiertaschentücher von der Bar und entfernt meinen Verband.
„Drück das auf die Wunde.“ sagt sie zu mir und drückt mir die Taschentücher in die Hand.
Ich nehme die Tücher aus ihrer Hand entgegen, dabei berühren sich unsere Hände leicht. Sie zieht ihre zurück.
Sie sieht sich nach ihrer Freundin um, die aber immer noch auf sich warten lässt. Vielleicht ist es ihr auch unangenehm mit einem fremden Kerl allein zu sein und weicht deshalb meinem Blick aus. Als Frauenversteher würde ich mich hingegen nicht bezeichnen.
Währenddessen drücke ich die Tücher auf die Wunde. Wieder geht ein Zucken durch mein Bein. Ein Weichei bin ich ja nicht aber Bisswunden  sind wohl nicht ganz ohne.
Dämlicher Hund.
Sollte ich diesem Mistvieh nochmal in meinem Leben begegnen, werde ich es ersäufen, soviel steht jedenfalls jetzt schon fest.
„Lebt ihr hier allein? Oder seid ihr Teil eines Tribes?“
Immerhin muss man mal seine eventuelle Konkurrenz abchecken, nicht das mir gleich einer ihrer Lover am Hals hängt und mich rausschmeißt. Obwohl die Bar auf mich einen eher ruhigen, verlassenen Eindruck macht.
Die Frage nach ihrem derzeitigen Beziehungsstatus wäre wohl zu aufdringlich, weswegen ich sie mir fürs erste verkneife, obwohl es mir ziemlich schwer fällt. Ich habe lange nicht mehr, ein so hübsches Mädchen in freier Wildbahn gesehen. Hätte sich mal jemand die hässlichen Weiber bei den Chosen angucken sollen, sicher durch die Bank weg Single, so wie die aussahen und erst mit ihrem ‚Alle Macht für Zoot‘-Slogan, der totale Abtörner, kann ich nur sagen.
Aber mein Bein bringt mich wieder auf den Boden der Tatsachen zurück.
Das andere Mädchen ist immer noch nicht wieder da.
Hat sie sich verlaufen?
Aber dann erscheint sie doch wieder auf der Bildfläche und trägt tatsächlich einen Verbandskasten mit sich.
Sie überreicht ihn an das andere Mädchen, die vor mir auf die Knie geht, um sich meine Wunde genauer anzusehen.
Sie meint, man müsse es zunächst desinfizieren und fragt dann erneut nach dem Grund für meine Verletzung.
„Nicht wichtig.“ meine ich nur um Abzulenken.
Das Desinfizieren ist dann die Hölle auf Erden.  Wo ich gerade noch dachte, ich könnte den Schmerz weitestgehend ignorieren, brennt mein Bein durch das Mittel erst so richtig. Meine Hände halten krampfhaft die Stuhllehne fest. Ich beiße die Zähne zusammen, dabei beiße ich mir jedoch versehentlich auf die Unterlippe. Ich schmecke Blut. Mit den Fingern berühre ich meine Lippe. Ja, ein kleiner Riss hatte sich aufgetan. Das fehlt mir gerade noch. Ich hoffe nur, dass die Tortur bald vorbei ist. Sie drückt ein Stück Stoff auf die Wunde und bittet mich es kurz festzuhalten damit sie den Verband drumherum wickeln kann.
Das Ende des Verbands klebt sie mit einem kleinen Stück Klebeband fest. Mein Bein pocht nach wie vor aber wenigstens muss ich jetzt mein eigenes Blut nicht mehr sehen. Ich bin erleichtert. Der Drang aufzustehen ist sehr groß aber ich will meinem Bein nicht unnötiges zu muten und bleibe vorerst sitzen.
Das Mädchen räumt währenddessen die restlichen Verbandsmaterialien wieder in die kleine Box, die vor ihren Knien liegt.
„Verrät mir meine Retterin auch ihren Namen?“ frage ich mit einem verschmitzten Lächeln im Gesicht.
Sie blickt auf und ihre wunderschönen, blauen Augen scheinen mich gänzlich zu durchdringen. Ein warmer Schauer läuft mir den Rücken runter, so fasziniert bin ich von ihrem Anblick und wende meinen Blick auch nicht ab, als sie mir ihren Namen nennt und wieder auf die kleine Verbandsbox schaut.
Alaska heißt sie also.
Nebenbei stellt sie ihre Freundin als Katina oder Katrina oder so ähnlich vor aber das interessiert mich im Moment überhaupt nicht. Ich hatte gedacht nach dem Tod meiner Schwester nie wieder Glück oder vielmehr Freude empfinden zu können aber diese Sichtweise hatte sich gerade geändert.
„Na ja danke jedenfalls für den Verbandswechsel.“ meine ich beiläufig, aber nicht nur um mich bei ihr zu bedanken sondern auch um den Smalltalk am Laufen zu halten, da ich den Klang ihrer Stimme genieße und nicht genug davon bekommen kann, sie sprechen zu hören.
Dann macht sie mich jedoch darauf aufmerksam, dass ich ihr noch nicht meinen Namen verraten habe.
„Mein Name ist Luca, eigentlich Lucas aber so nennt mich fast niemand. Freut mich sehr deine Bekanntschaft zu machen, Alaska.“ Ich lächele und reiche ihr meine Hand, die sie zögernd ergreift. Hör auf zu grinsen, du Idiot. Sie muss dich ja für einen Volldeppen halten.
Sie scheint nun endlich eingesehen zu haben, dass von mir keine Gefahr ausgeht, denn auch ihre Körpersprache hat sich geändert. Die Unsicherheit ist gewichen und man kann schon so etwas wie ein Selbstbewusstsein entdecken, würde ich meinen. Was sie für mich noch ein Stück interessanter macht und ihre natürliche Attraktivität unterstreicht. Ich stehe dann doch auf und folge ihr humpelnd zurück zur Bar, wo ich mich erneut auf einen der Stühle fallen lasse.
„Und was macht ihr hier sonst? Viel Kundschaft scheint ihr hier jedenfalls nicht zu haben. Kochst du so schlecht oder was wieso ist der Laden so leer?“ Mein Spruch kommt bei meinem Gegenüber jedoch mehr als schlecht an. Sie funkelt mich böse an. Humor scheint sie schon mal keinen zu haben. Tragische Sache bei einem so hübschen Geschöpf. Ein Grinsen kann ich mir jedenfalls auch dieses Mal nicht verkneifen. „Vielleicht hast du Glück und ich putze deinen Boden doch noch sauber oder ich verrate dir was mir die Verletzung wirklich eingebrockt hat. Das scheint dich ja zu interessieren sonst würdest du ja nicht ständig danach fragen, stimmt's? Kann ich aber vorerst bitte noch was zu trinken haben?“
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BeitragThema: Re: Die "Flavor" Bar   Die "Flavor" Bar - Seite 3 EmptySa 9 Mai - 1:06

Der Typ sprüht vor Begeisterung auf die Zukunftsaussicht mit dem Putzen, fast wie ein ausbrechender Vulkan der Freude. Nicht. Eher ist er wohl wie nicht anders zu denken, weniger angetan davon, wobei es schon ein halber Showact wäre, hier einen Kerl vorzuführen, der den Boden wischt. Besonders hässlich ist er immerhin nicht, im Gegenteil. Aber ich sollte aufhören, sowas zu denken. Paris hätte das lustig gefunden, er mochte es, wenn ich mir so Gedanken machte, dabei fand ich es jetzt schon langsam echt gruselig von mir, wie sehr ich an der Bar klammerte und jede Person, die mir über den Weg lief, dafür einspannen wollte, damit die Traumblase mit den schönen Vorstellungen ja nicht zerplatzte. Man musste strategisch denken, wenn man überleben wollte, selbstverständlich, aber man sollte nicht jeden nur noch benutzen wollen und das war auch nicht ich. Darum nehme ich mir vor, es als Blödelei abzutun, mich jetzt erst wirklich mal darauf zu konzentrieren zu helfen, ohne im Nachhinein eine Gegenleistung dafür zu wollen, die der junge Mann wahrscheinlich nicht mal bringen kann, denn Gepäck hat er kein Sichtbares bei sich. Und um einen Magier wird es sich bei ihm wohl kaum handeln, sonst hätte er bestimmt schon einen seiner Tricks ausgepackt, um Katina und mich damit zu beeindrucken statt mit einer Wunde und Gebärdensprache.
Sein überaus liebliches Gemüt führt er dagegen schon vor, als er wohl nicht ganz versteht, was ich ihn frage und mich darum bittet, lauter zu reden. Bitte, kann er gerne haben. Ich wiederhole meine Frage, was ihm dann wiederum nicht passt. Meine Güte, der ist ja wirklich anspruchsvoll und so sehr geschrieen habe ich dabei nicht mal. Genug Humor, um sarkastisch zu sein, hat er jedenfalls behalten. Mit Paris hätte er sich da blenden verstanden, denn mein Bruder sprach fließend Ironie und Sarkasmus, ließ sich nie was gefallen und war stets die Stärkere Persönlichkeit von uns beiden. Zumindest ragte seine mehr heraus, während ich meistens zurückhaltend gewesen bin. Ich vermisse meinen Bruder sehr, dabei habe ich schon lange keinen Brief mehr an ihn geschrieben, obwohl in letzter Zeit so viel geschehen ist, dass ich mehrere Seiten meines Tagebuchs, in dem ich alle Botschaften, die ich nie abschicken werde, weil ich keinen Schimmer habe, wohin, festhalte. Die einzelnen Briefe bestehen manchmal aus Schilderungen, dann wieder aus losen Gedanken, chaotischen Beschreibungen und einfach allem, was ich so aus meinem Herz und meinem Kopf herauskriegen musste, wenn ich glücklich, verängstigt oder traurig gewesen bin und keiner da war, dem ich das alles erzählen konnte. Der einzige Mensch, der mir jemals zugehört hatte und das mein Leben lang, war Paris gewesen, bis der Virus und sein neuer Tribe dafür sorgten, dass wir uns verloren. Ob für immer, weiß ich nicht. Ob der Junge wohl auch Geschwister hat, die ihn vermissen, die nicht mehr am Leben sind oder noch irgendwo in der Welt herumirren?
"Beruhig dich. Ich bin kein Dezibelmessgerät und so schnell werden deine armen Ohren wohl nicht kaputt gehen, oder? Verlieren wirst du es ganz sicher nicht, denn keiner hat vor, es dir abzuschneiden, so wie es van Gogh mit seinem eigenen gemacht hat und du hast schließlich selbst um etwas mehr Lautstärke gebeten. Also beschwer dich nicht, wenn sie dir nicht in perfektem Zustand auf dem Silbertablett serviert wird", kontere ich, denn ich kann auch anders, nun, wo ich meine Fassung einigermaßen wiedergefunden und eine Aufgabe habe. Der Kerl grinst sogar unter Schmerzen, was mich ebenfalls lächeln lässt. Und dann...entschuldigt er sich. Einfach so. Schon komisch, was Schmerzen aus jemandem machen können, wenn sie nur stark genug sind oder die Angst vor einer Verletzung ausreicht, um einen tobenden Kampfhund in ein Schoßhündchen zu verwandeln. Genau darum wird beides so oft als Waffe eingesetzt, es funktioniert zu gut.
Ich betrachte die Wunde eingehend, dann bitte ich Katina darum im Lager nach einem Verbandskasten zu suchen. Bisher habe ich mir über sowas noch gar keine Gedanken gemacht. Und dazu mein Zimmer zu durchsuchen nach weiteren nützlichen Dingen, habe ich meine Zeit ebenso noch nicht verwendet. Ich hoffe, Katina wird etwas Passables finden, denn medizinische Gegenstände, Binden und der ganze Kram war nach dem Virus nicht viel weniger begehrt als Nahrung. Wenn nicht aufgrund des Gedankens, dass irgendetwas ja als Gegenmittel nützen könnte und falls nicht, dann gegen andere Krankheiten, die sich durch die mangelnde Hygiene schnell verbreiteten und verschlimmerten, dann gebrauchten viele Leute Utensilien aus Krankenhäusern und sowas auch als Markenzeichen ihrer Tribes. In Tokio gab es jedenfalls "The Hell Docs", die man an ihren weißen Kitteln, den Masken und dann dazu passenden Bemalungen im Gesicht, die sie wie Mediziner aus der Hölle - ganz dem Namen gerecht werdend - aussehen ließen, ihr Unwesen trieben. Wenn man einem von ihnen begegnete, sollte man auf alles vorbereitet sein, denn Gutes hatten sie selten im Sinn. Mit Spritzen, die sie natürlich nicht desinfizierten, jagten sie sich experimentell alles mögliche ins Blut oder wahlweise auch ihren Opfern. Es waren Psychos, die mir weit mehr Angst machten als manch andere verrückte Gang, die sich bloß prügelte oder andere ausraubte. Und um ihr Überleben brauchten sie sich nicht zu sorgen, außer, durch ihr eigenes Verschulden, denn sie waren zu groß und gefährlich, als dass sich je wer mit ihnen angelegt hätte, statt sich zu unterwerfen und auf das Beste zu hoffen. Nur wer mit Schusswaffen kämpfte, hatte vielleicht eine Chance, etwas gegen die Hell Docs auszurichten, denn Gewehre konnten mit ihren Kugeln riesige Entfernungen überbrücken, man musste nicht in direkter Näh von jemandem sein, um ihn zu treffen...
Während Katina also im Lager verschwunden ist, kümmere ich mich so um den werten Herren. Der Anblick seiner Verletzung macht ihm der Blässe seines Gesichtes nach zu urteilen, fast mehr zu schaffen als die Schmerzen, die sie durch seinen Körper jagt. Also überlegt er sich zur Ablenkung ein anderes Objekt, das er anstarren kann. Wobei es sich um meine Augen handelt, als wolle er mich hypnotisieren. Doch da ist er an der falschen Adresse. Männer mögen mich verlegen machen oder mir von mir aus auch Angst, aber nur, wenn ich nicht etwas habe, auf das ich mich konzentrieren kann, wie in der Straße bei Lanai und den Technos meine Flucht oder jetzt eben den Notfall. Ansonsten hab ich selten mit männlichen Wesen wirklich ernsthaft gesprochen, wenn ich es nicht musste, auch bei den Oceans habe ich Kiras Anwesenheit der ihres Freundes und dessen Kumpel vorgezogen, falls überhaupt. Ich weiß einfach nicht, wie ich mich verhalten soll, was erwartet wird und was passiert, wenn ich anders handle, sollte es mir egal sein, ob ich in ein Fettnäpfchen trete oder nicht.
Gut, damals am Strand bei dem jungen verzweifelten Mann konnte ich mich auch eher auf seine Situation konzentrieren, auch wenn ich keinen Plan hatte, worum es sich dabei drehte. Alles war aber zu überraschend gewesen, um wirklich Angst zu haben und..Stopp. Hör auf, so zu denken. Um endlich etwas Nützliches zu tun, hole ich von der Bar ein paar Papiertaschentücher, die dort in einer Schublade zu finden gewesen sind und reiche sie dem Typ, anschließend mache ich mich daran, das Kleidungsstück von seinem Bein zu lösen, was gar nicht so leicht ist, da das Blut klebt und es fest gebunden wurde, sodass der Stoff auch hineingeraten ist. Das war nicht sehr schlau, denn Klamotten sind selten wirklich sauber, aber nun ist es auch nicht mehr zu ändern. Als ich das..Hemd vollständig in den Händen halte und neben den Stuhl auf den Boden lege, erkenne ich das volle Ausmaß des Debakels. Es ist eine Fleischwunde, wahrscheinlich von einem Biss oder einem sehr spitzen scharfen Gegenstand. Er könnte auch in eine Tierfalle geraten sein, wobei das an der Stelle eher ungewöhnlich sein würde. Um die Blutung zu stoppen, die nun ohne den Druck des Hemdes wieder stärker geworden ist, rate ich ihm, die Tücher auf die Verletzung zu drücken. Da sie schnell weich werden und sich vollsaugen, somit auch Fetzen im Bein landen können, ist nachteilig, aber vorsichtig wird der Kerl schon sein und etwas anderes habe ich gerade nicht, das eine bessere Alternative bieten könnte. Unsere Hände berühren sich flüchtig als er meine Gabe entgegennimmt, was für mich aber erst mal keine Bedeutung hat. Es ist schließlich nur eine Hand. Unnötig verlängern brauche ich den Kontakt dann aber auch nicht.
Katina lässt auf sich warten, besonders laut sucht sie dagegen auch nicht. Gerade als ich überlegen will, nach ihr zu sehen - im Fluchtmodus scheint unser Gast ja erst mal nicht mehr zu sein - führt er die Unterhaltung von sich aus fort, mit Gegenfragen selbstverständlich. Ihm werde ich auch grade auf die Nase binden, dass ich zurzeit nicht mal Katina als feste Mitbewohnerin habe, sondern sie eher aus einem Deal her noch hier ist und weil das hier ein halbwegs sicherer Schlafplatz ist. Was sich schneller ändern kann als gedacht, genauso wie ihre Anwesenheit.
"Das findest du noch früh genug heraus. Zu den Technos oder anderen Verrückten gehören wir aber nicht, falls dich das beruhigt. Was nicht heißen soll, dass man vor uns weniger Respekt haben müsste. Das könnte ein großer Fehler sein", entgegne ich neutral, ohne viel zu verraten und dennoch ohne zu lügen.
Endlich steht dann auch Katina plötzlich neben mir, reicht mir tatsächlich einen sehr verstaubten und verbeulten Verbandskasten, an dessen einer Seite sogar Spinnweben kleben. Ich bedanke mich bei ihr, öffne das Teil und prüfe den Inhalt. Nicht mehr vollständig, aber ein Verband wird sich daraus machen lassen. Sogar Desinfektionsmittel ist vorhanden. Ich halte es dem Fremden vor die Nase, um ihm zu vermitteln, was ich gleich als nächstes tun werde.
"Es wird wehtun, doch das weißt du schätze ich auch." Ich will zudem noch mal genauer wissen, wem er das Dilemma zu verdanken, hat, er umgeht die Antwort allerdings. Gut, wenn er möchte. Doch nur, wenn ich wirklich den Grund dafür kenne, kann ich mögliche Folgen besser einschätzen und leichter Handeln. Ohne noch mal eine Vorwarnung zu geben, sprühe ich das Zeug auf die Wunde, was den Kerl leiden lässt, als wäre der Stuhl augenblicklich unter Strom gesetzt worden. Sein Körper spannt sich an, die Hände umklammern die hölzernen Stuhllehnen, während das Gesicht sich verzieht, als hätte man ihm Tausend Zitronen in den Mund gelegt. Ansonsten ist er hingegen sehr tapfer, auch wenn seine Lippe darunter leidet. Wie war das noch mal mit er will nicht sein anderes Ohr - oder eher dessen Gehörfähigkeit - verlieren? Wenn er so weitermacht, passiert das dagegen dann mit seiner Zunge.
Provisorisch verbinde ich alles erst einmal, ohne eine von meinen Salben zu holen, denn ich muss über die Richtige erst noch mal nachdenken oder notfalls eine neue zusammenmixen. Solang der Typ aber kein Fieber oder sonstige Anzeichen zeigt, die auf eine Infektion hindeuten, wird das nun auch vorerst genügen. Als ich fertig bin, packe ich die ungebrauchten Sachen wieder weg und stehe auf.
So als wäre kaum etwas zwischendurch geschehen, hat der noch Namenlose seinen Charme aber schnell wiedergewonnen, denn grinsend will er wissen, wie ich heiße. Meinen Namen deutlich aussprechend, aber gleichzeitig so, als wäre er nichts Besonderes, mache ich mich auf die Reaktion bereit, die meistens auf meine Vorstellung hin gefolgt ist. Eine Angewohnheit, die noch von früher geblieben ist. Denn heute wundert sich kaum mehr über Namen, viele meinten auch, ich würde mich Alaska nennen, weil meine Augen so blau wie das Meer seien und Alaska eben auch mit Eis und blauen Farben verbunden werden würde oder sowas. Um es vollständig zu machen, nenne ich, nachdem sie mir mit einem Nicken vermittel hat, dass es okay sei, auch Katinas Namen und stelle die Gegenfrage. Wenn schon, denn schon.
Der Gast bekommt einen Namen, nachdem er sich bedankt hat. Luca. Passt zu seinem Auftreten. Ich denke kurz darüber nach, ob ich schon mal einem Luca begegnet bin, aber ich kann mich an keinen erinnern. Durch das Zeichen auf seiner Wange hätte er aber auch Blizzard oder so heißen können.
"Ob es mich ebenso freut, wird sich herausstellen", meine ich selbstbewusst, wohingegen Luca grinst wie ein Honigkuchenpferd, auch wenn ich nicht ganz ergründen kann, wieso. Die Schmerzen müssen immerhin noch da sein und sonst..weiß ich nicht. Vielleicht ist das auch einfach so ein Jungsding. Als er meint, wieder aufstehen zu können, kehrt er mit Katina und mir zur Bar zurück. Sie spielt die stille Beobachterin, die ihn analysiert. Dann fragt er, was wir sonst so zu tun hätten und ob die Leere an meiner Kochkunst läge. Ich verdrehe die Augen, was soll das denn bitte für ein Spruch sein?!
"Naja, wir spielen ein bisschen mit Puppen, backen Kekse und so, was glaubst du denn?!", schenke ich ihm einen ironischen Satz, spreche dann wieder ernsthafter weiter.
"Falls du es noch nicht gemerkt haben solltest, ist diese Bar aktuell nicht in Betrieb. Was sich wieder ändern soll, das ist unser Projekt. Und du? Was machst du, wenn du nicht gerade in eigentlich geschlossene Gebäude marschierst und dich von was auch immer anfallen lässt?"
Wenigstens ist er versöhnlich gestimmt, als er dann noch meint, meinen Scherz von zuvor wieder aufgreifen zu müssen, eine eigenständige Reinigung des Bodens noch in Aussicht zu stellen und dazu erneut die Lösung des Rätsels um seine Wunde. Vorher braucht es aber natürlich noch etwas Zucker. Von mir aus.
Ich schenke ihm ein neues Glas Limo ein, obwohl für ihn wohl ein Plastikbecher sicherer wäre.
"Ich frage bloß, weil man generell besser bei etwas helfen kann, wenn man weiß, womit man es zu tun hat. Und sei sicher, dass du deine Scherben und deine Verzierungen schön selbst aus dem Weg räumst. So sehr die Bar auch noch nach ihrer alten Funktion aussehen mag, du bist hier keinen zwei Mädchen begegnet, die nur darau gewartet haben, Krankenschwester und Putzfrau zu spielen, klar?"
Ich trinke auch noch was, denn das brauche ich nun wirklich und tausche einen belustigten Blick mit Katina.
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BeitragThema: Re: Die "Flavor" Bar   Die "Flavor" Bar - Seite 3 EmptySa 9 Mai - 9:50

Auf meine Bitte mich nicht so anzuschreien, erwidert sie, das meine amen Ohren wohl so schnell nicht kaputt gehen werden und noch irgendwas von Van Gogh und das hier niemand vorhätte mir sie abzuschneiden.
Dankeschön, mein eines ist eh schon hinüber.
„Es geht mir auch weniger um den Verlust des sichtbaren Teils sondern um den mit dem das Hören möglich ist. Eins funktioniert ja schon nicht mehr ohne dieses Ding.“ Ich deute auf mein Hörgerät. „Biologie war in der Schule dein schlechtestes Fach was?“ meine ich belustigt.
Aber ich kann dir gerne eine Nachhilfestunde erteilen.
„By the way, ihr habt hier nicht zufällig einen Laden für Hörgerätakustik in der Nähe oder?“ frage ich hoffnungsvoll. Immerhin können diese winzigen Batterien nach dem Virus nicht so beliebt gewesen sein, da sie allein von ihrer Größe her für nicht mehr als für Hörgeräte zu gebrauchen sind und so viele Schwerhörige vermute ich in dieser Stadt nicht.
Auf meine Frage nach ihrem aktuellen Tribe erzählt sie mir dass sie schon mal nicht zu den Technos gehören würden, ich aber trotzdem Respekt haben sollte.
„Wer sind die Technos?“ frage ich hingegen, weil mir dieser Tribe-Name bisher nicht geläufig ist.
Und verrückt siehst du gar nicht aus, Babe, füge ich in Gedanken hinzu. Allein ihre Forderung nach mehr Respekt macht mich tierisch an.
Aber so habe ich wohl erstmal keine Konkurrenz zu erwarten und verspreche mir ein leichtes Spiel.
Als das andere Mädchen mit dem Verbandskasten wieder da ist, meint meine Schönheit zu mir, dass es wehtun würde.
„Pah, ich bin immerhin ein Mann. Indianer kennen keinen Schmerz.“
Doch hätte ich mal lieber meine große Klappe gehalten. Dass mein Bein dann so stark brennend schmerzt, hätte ich vorher nicht mal im Ansatz ahnen können.
Auf meine Vorstellung und meinen Spruch, dass es mich sehr freut sie kennen zu lernen, meint sie sehr selbstbewusst, dass es sich noch herausstellen würde, ob sie dasselbe empfindet.
Ui, das Mädel ist doch ne harte Nuss. Das gefällt mir natürlich noch mehr. Ich liebe Herausforderungen.
Sie spielen mit Puppe und backen Kekse? Na ja ein wenig zickig ist sie ja schon und auch das erinnert mich wieder an meine Schwester, sodass mir mein Grinsen schnell vergeht. Erinnerungen an schöne Tage die vorbei sind, sind das Schlimmste. Ihr Lachen hallt in meinem Ohr wieder. Und ihre Stimme, die durch ihre Gehörlosigkeit einen fremdländisch wirkenden Akzent aufwies.
„Ich bin von außerhalb hierhergekommen, draußen hängt ein Schild mit der Aufschrift  ‚BAR‘, falls du lesen kannst und da dachte ich mir was zu trinken kann ja nicht verkehrt sein. Na ja wenn ihr das hier“ Ich zeige mit der Hand im Raum umher. „wieder in Betrieb nehmen wollt, braucht ihr sicher Hilfe, oder?“
Natürlich nur wenn das hier schnell wieder abheilt.
Sie will wissen, was ich sonst noch so tue.
Na ja dann schick deine Freundin weg und ich zeige es dir, Babe.
„Ich war eigentlich auf der Suche nach meinem Bruder Luke aber bisher leider ohne Ergebnis.“
Und nach meiner Schwester, füge ich in Gedanken hinzu. Sie mir wäre mir tausendmal lieber gewesen als Luke. Mein Bruder und ich waren nie besonders eng miteinander verbunden. Auch vor dem Virus nicht. Er stand immer auf der Seite meines verhassten Vaters und war auch der Meinung, ich müsse mich zusammenreißen. Was auch immer das heißen sollte. Aber ich habs vermasselt und meinetwegen ist Leahs Leben früh, zu früh, beendet wurden. Das werde ich mir nie vergeben können.
„Ihr habt ihn nicht zufällig gesehen? Wir haben vor ein paar Monaten noch hier in der Gegend gelebt, damals noch zu dritt, und ich hatte die Hoffnung, dass er noch hier wohnen würde.“
Doch als Alaska meine Frage verneint, schwindet auch mein letztes bisschen Hoffnung je wieder mit meiner Familie, na ja wenigstens, mit einem Teil meiner Familie, vereint zu sein.
„Und zu meiner Verletzung, wenn du es unbedingt wissen musst. Mich hat ein großer Hund gebissen. Und ich hab mich nicht anfallen lassen. Es war halt ein unfairer Kampf, immerhin war es dunkel draußen. Mehr hab ich dazu allerdings nicht zu erzählen und wenn ich dem Vieh nochmal begegne ist es dran, soviel steht jetzt schon fest. Na ja dann besorg mir nen Eimer und nen Lappen und ich putz das schnell weg. Kann ja nicht so schwer sein.“ füge ich auf ihr Verlangen, dass ich selbst sauber machen müsse, hinzu.
Sie will also nicht meine Krankenschwester sein? Schade, das knappe Outfit würde ihr sicher gut stehen.
Sie reicht mir ein neues Glas Limo. „Danke.“ murmele ich und  kann mir aber nicht verkneifen, ihre Freundin zu fragen, ob Alaska, oft so eine zickige Art an sich hatte. Ich halte das Glas diesmal mit beiden Händen fest, um es nicht auch noch auf den Boden zu donnern. Wenn ich hier schon putzen muss, dann ist die derzeitige Sauerei groß genug. Obwohl mir allein bei dem Gedanken dran, mein eigenes Blut wegwischen zu müssen, übel wird. Da meldet sich auch schon mein Magen zu Wort. Dass ich das Brot, welche ich auf der Farm gestohlen habe, gegessen habe, muss Ewigkeiten her sein.
„Und wo hast du die Kekse nun versteckt?“ frage ich schelmisch lächelnd. Nur um sie noch einmal lächeln zu sehen, da mir ihr Lächeln beinahe noch mehr gefällt als ihre eisblauen Augen. Ob Alaska ihr wirklicher Name ist oder nennt sie sich nur so? Na ja vielleicht wegen der tiefenblauen Augen. Passen würde es jedenfalls.
Auch sie genehmigt sich erstmal ein Glas Limo und wirft ihrer Freundin einen vielsagenden Blick zu, bevor sie mir antwortet.
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BeitragThema: Re: Die "Flavor" Bar   Die "Flavor" Bar - Seite 3 EmptySa 9 Mai - 12:41

Soso, ich habe also seiner Meinung nach in der Schule nicht richtig aufgepasst?! Wo ist so plötzlich der Spaß geblieben, der Sinn für Humor und das, was ernst gemeint ist und was nicht? Wenn er wüsste, dass ich in Biologie mit den Klassenbesten habe mithalten können, eben weil ich meine Freizeit anstelle mit Treffen mit Freunden mit lernen und tanzen gefüllt habe, würde er womöglich nicht so große Töne spucken oder grade dann, weil er mich als Streber bezeichnen würde oder sowas. Das brauche ich mir wirklich nicht aufs Brot schmieren lassen. Außerdem bin nicht ich diejenige von uns beiden, die eine Verletzung mit sich herumschleppt und statt mir etwas zu suchen, das helfen könnte, damit sich nichts entzündet und man am Ende noch sein Bein verliert, in eine Bar stolziert und dann gleich wieder einen Abgang machen möchte, obwohl das offensichtlich nicht geht. Männerlogik. Aber sowas von. Wahrscheinlich fehlen nun bloß noch Blondinenwitze über Katina und mich, dabei wird der liebe Luca sich aber noch mehr täuschen als sowieso schon.
"Aber deins, oder wie? Ich bin mir nicht sicher, ob ich wissen will, welche Art von Biologie du genau meinst", entgegne ich, denn wie jemand, der sich sehr für Pflanzen interessiert und sich damit auskennt, wirkt Luca auf den ersten Eindruck hin nicht. Eher wie einer von den Typen, die in der Schule früher immer nur Quatsch gemacht und um Mädchen gekämpft haben. Umso mehr ist die folgende Information, die er einholen möchte, obgleich er ja angeblich nicht neu in der Stadt ist und sich so doch auskennen müsste, ziemlich seltsam. Gut, vielleicht hab ich das Kopfschütteln auch falsch gedeutet, aber andererseits, was hätte er sonst damit meinen können?!
"So leid es mir tut, aber darauf habe ich beim besten Willen bei meinen Touren bisher nicht geachtet. Kennst du dich etwa nicht mehr aus in deiner eigenen Stadt?", wage ich einfach mal einen Schuss ins Blaue, wobei es echt unangenehm sein muss, auf etwas angewiesen zu sein, das Batterien braucht, die man nicht so schnell an jeder Ecke erwerben kann. Höchstens in der Mall könnte er Erfolg haben oder in einer alten Praxis eines HNO, doch die wurden selten in Ruhe gelassen und die Mall ist soweit ich weiß von den Mall Rats bewohnt, mit denen ich bisher auch noch nie Kontakt gehabt habe, dabei sind sie ziemlich berühmt. Man erzählt sich, einer aus ihren Kreisen hätte damals das Gegenmittel für den Virus herstellen können. Und auch, dass sie herausgefunden haben, was die Ursache für den Virus an sich gewesen ist. Mehr als diese vagen Infos weiß ich allerdings auch nicht. Luca lenkt meine Gedanken auch wieder in eine ganz andere Richtung, als er tatsächlich wissen will, wer die Technos sind, sodass ich mich fast an meiner Limo verschlucke und beginne zu husten, was glücklicherweise nicht lange anhält. Sie sind mit Flugzeugen nach Neuseeland gekommen, haben überall Stützpunkte und Arbeitsinseln gehabt, den Strom zurückgebracht - zumindest in diesem Teil der Erde, ob es woanders auf der Welt noch weitere Leute geschafft haben, ist schwer zu sagen, aber durchaus vorstellbar - und waren mit ihren Waffen, die keine Munition brauchten und einen Menschen auf der Stelle umbringen konnten, waren sie hoch genug eingestellt, zu einer fast unbesiegbaren Macht geworden, zu Leuten, vor denen sich jeder in Acht nahm, auch wenn ihr Hauptquartier in dieser Stadt nun auch einem anderen Tribe zum Opfer gefallen war. Und der Typ hier wollte mir erzählen, er habe nie etwas von ihnen gehört? Nicht mal an uns Oceans am Strand war das alles vorübergegangen, was auch mit ein Grund dafür gewesen war, wieso Kira und die anderen die Stadt so sehr mieden. Draußen am Meer gab es keine Leitungen, keinen Strom und so auch nichts, was übermäßig viele Technos angezogen hätte, in der Stadt sah das anders aus. Wo hatte Luca gelebt, dass er das alles nicht mitgekriegt hatte? Es sei denn..nein, wieso sollte er sich da blöd stellen?
"Ach, die Technos sind nichts weiter, als die Leute, die sich den Strom zu eigen gemacht und einige Leute damit tyrannisiert haben. Sie haben andere entführt, um Experimenten an ihnen durchzuführen, sich das Volk unterworfen, weil sie Strom - und Wasserleitungen wieder in Gang gebracht haben und mit ihren hübschen Zappern, die sie wie Armbanduhren an ihren Handgelenken tragen, können sie dich von jetzt auf gleich zu einem Nichts werden lassen, dich auslöschen, ohne mit der Wimper zu zucken, denn alle, die nicht zu ihnen gehören, nennen sie Virts. Dabei sind sie es, die den Blick auf die Realität verloren haben, weil sie so abgehoben sind", kommt es über meine Lippen. Es scheint sich zwar etwas gewandelt zu haben, denn statt uns zu entführen, hat der Anführer der Technos höchstpersönlich Sakura vor dieser Bande Jugendlicher gerettet und auch Lanai und mich nicht von seinen Leuten festhalten und abführen lassen. Von dem, was ich zuvor über ihn gehört habe, hätte ich eher gedacht, er würde das Schauspiel belustigt bewundern, es als Spielereien zwischen Virts abtun, die sich bekriegen wie unzivilisierte Tiere, weshalb es unbedingt nötig war, dass die Technos für Ordnung schafften.
"Falls du einem der netten Tribemitglieder begegnest, die stets in schwarzen Uniformen umherlaufen, Headsets und ein unübersehbares T auf der Stirn tragen, kannst du ja gerne mal um Nachhilfe bitten, die werden sie dir bestimmt gerne erteilen. Aber um ehrlich zu sein, wäre das keine sehr schlaue Idee. Die Technos sind einer der gefährlichsten bestehenden Tribes zurzeit", füge ich noch etwas ernster hinzu.
Dann schwenkt das Gespräch auf sein Herkommen um, bei dem er mir natürlich wieder einen dummen Spruch an den Kopf wirft. Im selben Atemzug bietet er indirekt seine Hilfe für den Wiederaufbau der Bar an. Oder er will mit seiner Frage lediglich eine nächste Vorlage dafür schaffen, dass er den nächsten Spruch in Richtung, wie zwei zierliche junge Frauen wie Katina und ich ohne einen großen starken tapferen Mann das alles bloß allein schaffen wollen.
"Nicht überall ist auch heutzutage noch drin, was draufsteht, und ja, ich kann lesen, kannst du denn auch denken?", erwidere ich mit einem belustigten Zwinkern. Hinter verschlossenen Türen konnte einen alles erwarten, meistens heilloses Chaos, dann aber auch gerne gruselige Straßenkids, böse gesinnte Verrückte und Tribes, die ihre Ruhe haben wollen.
"Willst du etwa mit anpacken? Deine erste Aufgabe hast du ja dann immerhin schon. Aber so, wie dein Bein aktuell aussieht, wird es so schnell nichts damit werden, den großen gütigen Fremden zu spielen, der zwei Mädchen bei der Verwirklichung eines Traums hilft." Na gut, es ist zurzeit meiner und nicht Katinas, aber noch ist sie hier, darum sollten wir, solang noch nicht klar ist, wie Luca weiterhin tickt, als Team auftreten.
Dann spricht er von seinem Bruder, nach dem er gesucht hat. Ein Schatten huscht bei dem erneuten Gedanken an Paris über mein Gesicht, hält jedoch nicht lange an. Wirklich über das, was er sagt, denkt Luca aber wohl auch nicht nach. Glaubt er etwa, sein Bruder trage als einziger Mensch weit und breit den Namen Luke und wäre bloß daran zu erkennen?!
"Im Gedankenlesen muss ich mich noch üben, denn da wir nicht wissen, wie dein Bruder aussieht, können wir schlecht sagen, ob er uns schon mal über den Weg gelaufen ist. Falls er überhaupt noch so heißt", meine ich dazu und leere mein Glas komplett. Nicht mal, wenn ich jemanden nach Paris fragen würde, was wirklich kein oft benutzter vorkommender Name bei einem Kerl ist, wäre es nicht sehr wahrscheinlich, dass jemand meinen eigenen Bruder gesehen hätte oder mir etwas über seinen Verbleib sagen könnte. Vielleicht sind die Schmerzen Luca auch so zu Kopf gestiegen, dass er nicht mehr klar denken kann, was als Erklärung für seine fehlenden logischen Schlüsse herhalten würde.
Schließlich lüftet Luca auch das Geheimnis um die Herkunft seiner Verletzung. Ein Hund bei Nacht. Tiere fühlen sich normalerweise selten bedroht, wenn man ihnen nicht zu nahe kommt oder sie irgendwie provoziert...es sei denn...sie sind tollwütig oder anders krank. Was kein gutes Zeichen wäre, denn das könnte sich auf Lucas Wunde übertragen haben. Wer weiß, wie lange er damit schon herumgelaufen ist. Es sah frisch aus, andererseits sind Fleischwunden generell keine, die sehr schnell heilen und teilweise rasch wieder aufreißen. Darum ist es nicht leicht zu schätzen.
"Man hat Glück, wenn einem überhaupt Menschen wiederbegegnen, da siehst du das Tier wohl eher nicht wieder. Ist womöglich auch besser so, sonst erwischt es dich am Ende ein zweites Mal, ob du es glaubst oder nicht. Und nein, Putzen könnte sogar ein Mann hinbekommen", sage ich grinsend, immerhin hat er selbst gemeint, es könnte nicht so schwer sein, als wäre es eine riesige Herausforderung oder etwas, bei dem man erst mal hinter das Geheimnis des Funktionierens steigen müsste, ehe man es ausführen kann.
"Ich würde nur raten, dass wir dir auch noch ein paar schicke Handschuhe besorgen, es sie denn, du möchtest zu deinem Bein auch noch nette Verzierungen und Glasdeko in den Händen haben."
In einer der Abstellkammern hatte sich meine ich alles befunden, was Luca brauchen würde, wobe ich da natürlich noch nachsehen muss, wie viel Wasser ich übrig habe, denn zum Fluss muss ich bald auf jeden Fall auch noch mal gehen. Das Glas Limo nimmt er dankend entgegen, schießt sich dann gleich wieder mit einem blöden Spruch an Katina ein Eigentor, bei dem er wirklich meint, ob ich immer so zickig sei und fragt anschließend nach den Keksen.
"Mein Lieber, ich muss dir leider mitteilen, nur weil dir die Frauenwelt nicht ausnahmslos zu Füßen liegt, muss nicht jede, die gleich hoffnungslos deinem Charme verfällt, zickig sein. Und Kekse gibts später. Für heute ist unser Proviant erst mal dahin und wir müssen auf den Markt, um neuen zu holen", erkläre ich und stehe dann auf, um ihm die nötigen Sachen aus der Abstellkammer zu holen, mit denen ich wenige Minuten später zurückkehre und sie neben die Theke stelle. Der Wasserkanister ist nur noch halb voll, aber es wird reichen.


Zuletzt von Alaska* am So 10 Mai - 17:49 bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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BeitragThema: Re: Die "Flavor" Bar   Die "Flavor" Bar - Seite 3 EmptySa 9 Mai - 18:00

„Ich hab die Schule nicht besonders oft von innen gesehen, sagen wir‘s mal so. Aber wie das Hören bei normalen Menschen, wie euch beiden bspw., funktioniert, weiß ich.“
Nur zu gut und das weil mein Gehör nicht mehr so will wie ich, füge ich in Gedanken an.
Aber weiter gehe ich nicht auf das Thema ein. Das Ding ist schließlich mein Problem und nicht ihres. Ich hatte auch nicht in der Planung, ihr mein „tolles“ Gadget so präsentieren zu müssen. Dämliche Batterie. Warum muss die auch jetzt ihren Geist aufgeben? Ich weiß nur zu gut, welche Wirkung, dieses Teil auf die Frauen hat. Die Skala reicht dabei von verschüchtertem Weggucken bis hin zu mitleidigen Blicken und das will nun wirklich kein Mann.  Vielleicht wäre es doch einfacher gar nichts zu hören. Immerhin müsste ich mir dann keine Gedanken mehr über solche blöden Batterien machen. Leah hatte ihre Hörgeräte kurz nach ihrer vollkommenen Ertaubung auch ganz weggelassen, wobei das damals riesigen Stress mit meinen Alten gegeben hatte. Die beiden waren der Meinung, egal ob ihre Tochter hört oder nicht, die Geräte haben viel Geld gekostet und werden getragen. Wie sinnfrei das eigentlich war, war ihnen egal. Es war den beiden sowieso schlichtweg peinlich, dass zwei ihrer drei Kinder behindert waren. Auch wenn sich meine Schwerhörigkeit zu dieser Zeit noch nicht in ihrer stärkeren Form gezeigt hatte.
„Wer sagt, dass das meine Stadt ist? Ich habe mit keinem Wort erwähnt, dass ich je hier in diesem Stadtteil gewesen bin. Und ich dachte, ich wäre hier der Schwerhörige.“ lachend schüttele ich mit dem Kopf. „Ich habe in der Gegend gewohnt aber diese Stadt ist riesengroß. Macht schon nen Unterschied meinst du nicht? Hätte ja auch sein können, dass du es zufällig weißt. Es mir klar, dass normalhörende Menschen nicht auf solche Kleinigkeiten, wie HNO-Praxen, achten.“
Bevor sie mir erklärt wer diese mysteriösen Technos sind verschluckt sie sich erstmal an ihrer Limo. Was sie mir dann über diese Technos, jedoch, erzählt, gefällt mir überhaupt nicht. Klingt fast wie die Chosen nur mit Technikausstattung.
„Noch nie gehört von denen.  Klingt jedoch wie die Zoot-Spinner nur diesmal mit technischer Ausrüstung. Aber danke für die Warnung. Solchen Idioten geht man lieber aus dem Weg.“ Vielleicht auch besser, dass ich mir aktuell, nur über meine eigene Sicherheit Gedanken machen muss, wenn in dieser Stadt solche Spinner rumlaufen.
Es hat sich hier anscheinend sehr viel getan seit ich von den Chosen verschleppt wurde und dort auf den Feldern, Sklavenarbeit verrichten musste. Und es scheint mir fast so als wenn es seit dem Virus nur noch Verrückte gäbe, die ständig den Drang verspüren, die Macht über andere an sich zu reißen. Wie ich solche Menschen verachte, kann ich gar nicht in Worte fassen. Wohl auch deshalb, habe ich mich nie einem Tribe angeschlossen, ich hasse es wenn man mir sagt, was ich tun oder denken soll. Ich bin immer ein freier Geist gewesen und werde es immer sein.
„Keine Sorge meine Behinderung wirkt sich in keinster Weise auf mein Denkvermögen aus. Wie das mit meiner Verletzung aussieht, ist natürlich was anderes. Und lesen ist in heutiger Zeit auch nicht mehr selbstverständlich also tut mir leid wenn ich dir zu Nahe getreten bin.“ Ich spreche in einem ernsten Ton, damit sie nicht wieder das Gefühl hat, ich würde sie verarschen wollen.
„Wenn meine Verletzung verheilt, könnte ich klar mit anpacken. Das heißt also ihr wollt die Bar wirklich wieder eröffnen?“
Während ich von meinem Bruder erzähle, bemerke ich eine flüchtige, winzig kleine Regung in ihrem Gesicht. Ob sie auch jemanden verloren hat, wie ich? Ich frage, allerdings nicht danach, da ich denke, dass es zu taktlos wäre. Wer erzählt schon fremden Menschen seine Familiengeschichten?
„Mein Bruder sieht mir sehr ähnlich von den Gesichtszügen her aber ist auch egal vielleicht ist es auch besser, dass ich ihn nicht wiedersehe. Wir haben uns nie gut verstanden. Der einzige Grund, warum wir es eine Weile zusammen ausgehalten haben, war meine Zwillingsschwester Leah. Aber wie gesagt ist auch nicht so wichtig. Und sie hast du sicher nicht gesehen.“
Als die Sprache wieder auf den dämlichen Hund kommt, der mir halb mein Bein ausgerissen hatte, meine ich: „Das blöde Mistvieh war übrigens kein Wildtier. Ich wüsste schon wo ich es wiedersehen könnte, aber ein zerfetztes Bein reicht mir fürs erste. Kann nur hoffen, dass der Köter keine Tollwut oder sowas hat. Danke aber die hübsche Verzierung.“ Ich deute auf mein Bein. „reicht mir fürs erste.“
Du gehst nie wieder in die Nähe dieser beschissenen Farm, Kumpel, soviel steht fest.
Wieder wische ich mir mit der Hand über meine Stirn. Sie fühlt sich sehr warm an.
„Ganz schön warm hier oder? Habt ihr nen Ofen oder sowas an?“ Ich ziehe meine Jacke aus und lege sie auf den Tresen neben mir aber kühler wird mir davon auch nicht.
Pah, die Frauenwelt liegt mir schon zu Füßen. Nicht meine Schuld, wenn sie so zickig ist. Früher oder später wirst auch du das einsehen, meine Süße.
Alaska verlässt uns kurz, nur um später mit den nötigen Putzutensilien zurückzukommen.
Mist, dass mit dem Putzen war ihr ernst.
„Na gut, ich will mal nicht so sein. Immerhin habe ich ja den Dreck gemacht." Ich nehme den Eimer und den Lappen entgegen und stelle beides vor mir auf den Boden. Da ich mich mit meinem verletzten Bein nicht hinknien kann, setze ich mich kurzerhand auf mein gesundes Bein und sammle vorsichtig die Scherben mit meiner Hand auf und lege sie in die andere. Die Scherben werfe ich in den Eimer. Mit einem schmerzverzerrten Gesicht erhebe ich mich langsam wieder. Katina reicht mir helfend ihre Hand. „Danke. Geht schon.“ meine ich und ergreife aber dennoch ihre Hand. Ich halte mich dann am Tresen fest. Irgendwie dreht sich alles. Mein Blick wandert im Raum umher.
Dort am Eingang. Nein, das kann doch nicht sein. Ich traue meinen eigenen Augen nicht. Dort steht Leah.
„Leah bist du das?“ Sie nickt. „Ich fasse es nicht, dass du hier bist. Wie kann das sein?“Ich spreche in Gebärden mit ihr und gehe weiter auf sie zu.
Das Alaska versucht mit mir zu reden, nehme ich gar nicht wahr.
Humpelnd gehe ich weiter Richtung Tür. Dann verschwindet Leah plötzlich.
Verwirrt blicke ich mich um zu den beiden Mädchen. „Wo ist sie hin?“
Doch anstatt einer sofortigen Antwort bekomme ich ratlose Gesichter.
Ich gehe weiter Richtung Tür und trete hinaus. Dann plötzlich wird mir so schlecht, dass ich mich über die Veranda ins Gebüsch übergeben muss. Zitternd halten sich meine Hände am Geländer fest und halten mich damit in der Senkrechten.
Was ist nur plötzlich los mit mir? Schlecht war mir vorhin auch kurz aber ich dachte eher es läge am ganzen Blut, dass ich gesehen hatte. Enttäuscht darüber Leah nicht wiedergefunden zu haben, kehre ich in die Bar zurück. Die beiden Mädchen stehen aber schon direkt hinter mir. Sie sehen besorgt aus. „Was starrt ihr mich so?" Meine Hand lässt das Geländer los und greift nach dem Türrahmen. Wirklich sicher fühle ich mich gerade nicht auf meinen beiden Beinen. Und ein kalter Schauer läuft mir plötzlich den Rücken runter.
Ist es nur mir so kalt?
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BeitragThema: Re: Die "Flavor" Bar   Die "Flavor" Bar - Seite 3 EmptySo 10 Mai - 18:36

Ziemlich offen gibt Luca zu, kein Stammgast in der Schule gewesen zu sein. Aber dann maßt er sich an, mir etwas vorwerfen zu müssen. Das ist dan hiermit wohl offiziell gescheitert. Ich frage mich, woran es bei ihm gelegen hat. War er früher schon so locker drauf, dass er keine Lust auf Schule gehabt und geschwänzt hat? Oder lag es an seinem Gehör, das allmählich immer schlechter wurde? Ich beherrsche mich davor, ihn danach zu fragen. Von selbst sagt er schließlich auch nicht mehr dazu, außer dennoch über die notwendigen Informationen zu verfügen, um sagen zu können, wie ein Gehör funktioniert. Schlaues Kerlchen. Ich weiß gar nicht, seit wann meine Gedanken so ironisch sind, doch Luca hat irgendwie eine Schleuse geöffnet, die nun lange verschlossen gewesen ist. Er zusammen mit meiner Einsamkeit, der Wut, verlassen worden zu sein wie ein Niemand.
"Ich bin nicht schwerhörig, ich interpretiere bloß. Fehlbar ist jeder, auch ich, also beruhig dich", gebe ich ihm gelassen zurück. Dann sagt er jedoch trotzdem, in dem Umkreis gelebt zu haben, bei dem Kommentar mit den HNO-Praxen verenge ich meine Augen. Ich weiß, dass es schlimm für ihn sein muss, ein Defizit zu haben, das früher schon nicht leicht zu tragen gewesen ist und nun, wo es keine ausgebildeten Mediziner und Forscher mehr gibt, auch die Chance auf eine Heilung oder Therapie, um ein Gehör wieder verbessern oder gar fast vollständig wiederherstellen zu können, gegen Null gegangen sind, doch ich muss mir nicht vorwerfen lassen, dass ich mir nicht alles gemerkt habe, was für jemand anderen einmal wichtig sein könnte. Vor allem kenne ich Auckland selbst so gut wie gar nicht, habe es nie vor dem Virus zu Gesicht bekommen, sein Leben nicht gespürt, sondern nur das Chaos.
"Tut es womöglich. Genauso wie es einen macht, ob man überhaupt mal in der Stadt gewohnt hat, was zumindest auf mich nicht zutrifft. Also fang bloß nicht an, in Selbstmitleid zu versinken, denn na gut, dein Problem ist...schwer. Könntest du einem Blinden oder sehgeschwächtem Menschen denn nun sagen, wo er einen Optiker findet oder ihn damals hätte finden können? Einer psychisch labilen Person einen Psychologen empfehlen können? Wir haben alle unsere Päckchen zu tragen und laufen mehr oder weniger halb blind durch die Welt, wenn es um die Bedürfnisse anderer geht, die uns nicht unbedingt betreffen. Und..seit ich hier bin, wieso hätte ich auf sowas achten sollen, wenn ehemalige Arztpraxen heutzutage oft nicht anders aussehen als normale Wohnhäuser, nämlich geplündert oder besetzt?"
Wahrscheinlich hätte ich ihn einfach gen Einkaufszentrum schicken sollen, damit er dort sein Glück hätte versuchen können. Selbst wenn sie nicht frei ist. Die Mall Rats hätten ihm vielleicht geholfen. Aber Katina oder ich können ja immer noch auf unserer Farbtour einen Abstecher da hin machen, denn Luca kann sich vorerst nicht besonders viel bewegen. Es stimmt mich dagegen mulmig, ihn allein in der Bar lassen zu müssen, schließlich ist sie in den letzten Tagen sowas wie ein zweites neues Zuhause für mich geworden, in dem ich mich wohlfühle, doch außer für die Haupttür habe ich keine Schlüssel, was heißt, dass Luca sich auch mit der ganzen Limonade und den Sachen in meinem Schlafzimmer aus dem Staub machen könnte, während wir weg sind. Einschließen kann ich ihn ja schlecht. Bleibt also bloß übrig, ihn mit raus zu nehmen.
Zu den Technos wiederholt unser Gast, nichts von ihnen mitbekommen zu haben, er vergleicht sie lediglich mit "Zoot-Spinnern", was wohl die Chosen sein werden, von denen ich ebenfalls nur Gerüchte gehört habe, aber nie selbst einem Mitglied begegnet bin. Zoot, den sie anbeteten wie einen Gott, war demnach ein früherer Anführer eines berüchtigt gefährlichen Tribes aus Wellington. Eines Tages verschwand er spurlos, die Chosen glaubten hingegen an seine Wiederkehr eines Tages, unterwarfen sich Menschen und wollten sie bekehren. Ich fand das ziemlich schräg. Vor allem, wenn man den Glauben und die Hoffnungen anderer so missbrauchte. Wie konnte Zoot jemand so Besonderes gewesen sein, wenn er doch letztlich alles verloren haben musste, wie jeder andere auch? Das, was man über ihn später noch über Gäste bei den Oceans oder Anna gehört hat, war niemals positiv, weder haben die Locos Menschen geholfen, noch dafür gesorgt, dass ein neues geordnetes System entsteht, in dem man leben kann. Ihr Leitspruch soll stattdessen "Power und Chaos" gewesen sein, was mich sehr an die Tribes in Tokio erinnert hat und an die Gang meines Bruders. Allein bei dem Gedanken daran läuft mir ein kalter Schauer über den Rücken. Und die Chosen, die erhoben jemanden, der grausam gewesen ist, zu einer Art Heiligen, obwohl es mich eher weniger hoffnungsvoll gestimmt hätte, an jemanden zu glauben, der nur an Macht und Unordnung glaubte. Wirklich religiös war ich seit des Virus' sowieso nicht mehr gewesen. Meine Eltern hatten Paris und mir stets die Wahl gelassen und uns nur nach gewissen Werten erzogen, doch ohne Zwang. Ich fühlte mich wohl damit, daran zu denken, dass es irgendwo jemanden gab, der immer da wäre, egal wo man sich befand und über einen wachte. Aber seit Paris und meine Familie nach dem Virus verschwunden waren, dachte ich öfter an sie und meinen Bruder als an ein göttliches Wesen. Oder auch an beides.
Letztendlich konnte es außer diesen Chosen aber auch noch andere Tribes geben, die was mit dem geheimnisvollen Zoot zu tun hatten. Eine Gruppierung, die die Wiederaufnahme der Locos war oder sowas. Nachfragen tue ich hier jedoch ebenfalls nicht.
"Keine Ursache. Wobei das bestimmt nicht die einzigen Menschen sind, vor denen man sich in Acht nehmen sollte. Es ist erst ein paar Tage her, dass die Stadt von Unbekannten überfallen worden ist. Darum haben viele sie verlassen, Häuser wurden zerstört und ausgeraubt und natürlich weiß man nie, ob die Leute noch mal zurückkommen, die das gemacht haben."
Meinen Scherz entgegnet Luca ernst, dabei war es nur eine kleine Lebensweisheit. Die er wieder auf sein Problem bezieht, worauf ich gar nicht hinauswollte.
"Gerade weil es nicht so selbstverständlich ist und man leicht in Fettnäpfchen landen kann, sollte man nicht so leichtfertig damit witzeln, ob andere lesen können oder nicht, oder? Die Gelegenheit eine Schule lange zu besuchen oder sowas blieb immerhin vielen nicht besonders lange, wie du offensichtlich auch bei dir selbst festgestellt hast. Und du bist mir keinesfalls zu nahe gekommen, denn ich gehöre trotz allem zu denen, die es noch beherrschen zu lesen", greife ich mit ebenso ernster Stimmlage noch mal seinen Kommentar von zuvor auf und spinne ihn weiter.
Wie es weitergeht, verwundert mich erneut. Luca schickt einen regelrecht durch ein Gefühlsbad von auf nach ab, von lustig zu ernst. Er sagt, sein Bruder sehe ihm recht ähnlich, bereut dann aber auch plötzlich nicht mehr, dass wir ihm keinen Hinweis auf Lukes derzeitigen Aufenthaltsort geben könnten, da die beiden nicht besonders beste Freunde gewesen seien. Ich frage mich, weshalb er ihn dann gesucht hat. Einerseits ist es wahrscheinlich bloß beruhigend, ein Familienmitglied um sich haben zu können, doch was bringt das, wenn man sich früher oder später nur anfeindet? Danach bringt Luca eine Zwillingsschwester ins Spiel, bei der er sich im Gegensatz zu seinem Bruder sicher zu sein scheint, dass sie und nie begegnet ist. Ob sie von einem Tribe umgebracht wurde oder etwas anderem erlegen ist? Aus Lucas Zügen geht nicht besonders stark hervor, ob es ihn emotional mitnimmt, er ist ein Mensch, der sehr neutral bleiben kann.
Er stimmt außerdem wirklich dabei zu, beim Aufbau der Bar mit einsteigen zu wollen, wovon ich in diesem Augenblick nicht ganz weiß, was ich davon halten soll. Einen weiteren Helfer zu haben ist gut, dennoch...ich bin mir noch nicht so sicher. Am besten wäre es vielleicht, es schlicht laufen zu lassen und zu sehen, was dabei herauskommt.
"Ja", entgegne ich somit auf seine Frage. "Aber verständlicherweise als eine andere. Falls du dir nun also ausgemalt hast, beim Aufmöbeln einer zukünftigen Stripbar zu helfen, muss ich dich enttäuschen. Das hier soll eher ein Ort werden, an dem andere von draußen ihre Talente zeigen können. Ein Zirkus in einer Barform oder zumindest sowas Ähnliches. Eine schöne Bühne dafür gibt es immerhin", erkläre ich weiterhin.
Luca lenkt die Konversation noch mal auf den Hund, der ihn angefallen hat und angeblich nicht wild gewesen ist. Dann macht er einen Kommentar zu übermäßiger Hitze, für mich ist es hier drin dabei lediglich normal raumwarm, vielleicht sogar etwas kühl, weil es noch morgens ist und die Sonne eben nicht so stark nach innen dringen kann. Luca zieht seine Jacke aus. Womöglich soll das mit der Hitze auch ein Anmachspruch sein. Den der Typ aber nicht weiterführt, sich gnädig gibt und wirklich die Sachen von mir entgegennimmt, um mit dem Aufräumen zu beginnen. Katina will ihm helfen, er lehnt jedoch ab, darum kommt sie zu mir zurück. Unseren Aufbruch müssen wir wohl noch eine kleine Zeit lang verschieben, darum hole ich meinen letzten Wasserkanister aus dem Badezimmer, um mir zuerst die Hände von dem Verbandswechsel zu waschen, weil ich dort immerhin auch das blutige Hemd und alles angefasst habe und dann trage ich ihn zur Theke, um damit die schmutzigen Sachen vom Essen zu spülen. Es würde besser gehen, wenn ich das Wasser irgendwie erhitzen könnte, doch einen Ofen gibt es hier tatsächlich keinen. Nur im Augenwinkel beobachte ich Luca, wenn ich Katina etwas reiche, das sie abtrocknen kann, darum fällt mir auch erst auf, dass er innehält und zur Tür starrt, als er etwas vor sich hinspricht. Wie gebannt gestikuliert er zur Tür, obwohl niemand dort ist, dreht sich abrupt dann zu uns um und will wissen, "wo sie hin sei".
"Wen meinst du? Hier war keiner außer uns", sage ich stirnrunzelnd. Er hört mir aber kaum zu, geht nach draußen und als wir ihm folgen, übergibt er sich. Ich reime mir alles zusammen. Die Verletzung, die Frage nach der Hitze, die Einbildung und nun auch noch Übelkeit. Genau kann ich nicht sagen, um was es sich bei dem Zusammenspiel der Symptome handelt, ich müsste also in einem meiner Bücher nachsehen, die sich in meinem Zimmer befinden, etwas Gutes schließe ich jedoch aus. Das würde uns gerade noch fehlen, wirklich Krankenschwester sein zu müssen, obgleich ich mir nicht umsonst mein Wissen angeeignet habe.
"Komm erst mal wieder mit nach drinnen und setz dich. Kannst du sagen, was los ist? Sind die Schmerzen im Bein wieder stärker geworden?", frage ich Luca, während Katina und ich ihn in die Bar zurückgeleiten, wo er sich auf eine Sitzbank setzt. Ich verlasse die beiden kurz, um ihm ein neues Glas Limo zu holen. Zucker soll bei sowas bekanntlich immer helfen.
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BeitragThema: Re: Die "Flavor" Bar   Die "Flavor" Bar - Seite 3 EmptySo 10 Mai - 22:28

„Ich wusste nicht, dass du noch nicht lange hier wohnst. Selbstmitleid?“ Ich muss wieder lachen. „Ich versinke nicht in Selbstmitleid, das hab ich längst hinter mir gelassen. Mein Motto: Man gewöhnt sich an alles.“
Mein Problem ist schwer? Na, du hast ja keine Ahnung. So reden Menschen, die sonst nur gesunde und kräftige Leute um sich haben, immer wenn sie auf Menschen mit einer Behinderung treffen. Ich weiß noch, was ich für seltsame Begegnungen hatte, wenn ich mit Leah unterwegs war und wir uns in Gebärdensprache unterhalten haben. Ein Radfahrer, der einmal an uns vorbeifuhr, ist doch tatsächlich gegen eine Ampel geknallt, weil er sich während der Fahrt nach uns umgedreht hat. Was für ein Idiot. Andere versuchten ohne Stimme mit uns zu sprechen und sahen dabei aus wie Guppys an Land. Und sowas fällt selbst einem gehörlosen Menschen auf, gestand Leah mir mal. Diese Liste kann ich ewig fortsetzen. Ich verspreche mir nicht viel von dem Gespräch wenn es bereits jetzt in diese Richtung schlägt.
„Ich wollte dir auch keinen Vorwurf deswegen machen.“ gebe ich ruhig zurück als ich sehe wie sie mich böse anfunkelt und sich in seltsamen Argumenten verstrickt und irgendwas von Blinden und Optikern erzählt. Sage ich ja, sie hat keine Ahnung. Sonst würde sie nicht Blindheit mit Schwerhörigkeit vergleichen. Aber ich lasse das Thema lieber auf sich beruhen, um sie nicht noch mehr zur Weißglut zu treiben. Was wollen Blinde auch mit Optikern, wenn sie eh nichts sehen? Wenn ich vollkommen ertauben würde, wäre mein Hörgerät das erste was ich wegschmeißen würde, soviel steht fest.
Sie berichtet mir von weiteren Verrückten, die die Stadt erst vor kurzem Überfallen haben. Na super als wenn zwei bekloppte Tribes nicht schon genug wären. Gibt es nur noch Gestörte mit Stadteroberungsplänen auf diesem Planeten?
„Tja wenn man ein Talent hat in Fettnäpfchen zu treten, so wie ich dann sieht das ganze schon anders aus. Sag bloß du hast die Schule nach dem Ausbruch des Virus noch regelmäßig besucht?“ Würde irgendwie zu dir passen.
„Also ich habe die neugewonnene Freizeit da besser genutzt. Hab mich dort eh nur gelangweilt. Was will man auch noch mit Algebra wenn die Welt im Chaos versinkt? Wenns nach meinem Alten gegangen wäre, hätte ich später Jura studieren müssen. Kann man sich das vorstellen? Ich, als Anwalt?“ Ich schüttele mit dem Kopf. „Nein, ich wäre kein Spießer wie mein alter Herr geworden.“
Als sie mir erklärt, was sie aus dem ehemaligen Pub machen möchte, kommt mir wieder meine große Klappe zuvor und reagiert damit schneller als mein Gehirn.
„Was keine Stripbar? Na so ne Schande. Dann lass es lieber bleiben“ entgegne ich und kann mir meinen sarkastischen Unterton wieder mal nicht verkneifen, nachdem Motto ‚Erst reden dann denken. ‘ „Du musst auch denken, ich bin doof oder? Ich bin zwar aktuell Single“ Tja den Hinweis kann man ja schon mal streuen. Wer weiß wofür das später noch gut ist. Obwohl ich gerade nichts lieber täte, als sie beim Tanz an der Stange zu beobachten, aber ich verkneife es mir lieber sie darum zu bitten. Mit meinem Bein habe ich im Moment sowieso genug Probleme. „aber notgeil bin ich deswegen noch lange nicht. Aber deine Idee gefällt mir.“ Ich lächele ihr zu. Nachdem ich bei ihr bereits jedes Fettnäpfchen betreten habe, dass es gibt, hoffe ich dass sie mich überhaupt noch ernst nimmt.
Der Auftritt meiner eigentlich toten Schwester verwirrt mich nur noch mehr.
Nachdem ich mich draußen übergeben habe und ich noch ziemlich wacklig auf meinen eigenen Beinen stehe, schaffe ich es, nur mit Hilfe der beiden Mädchen, die Bar wieder zu betreten und lasse mich auf die nächste Bank fallen.
„Ich weiß es nicht. Mir ist plötzlich so schlecht. Und ich habe gerade meine tote Schwester gesehen. Ich verliere wohl meinen Verstand. Und kalt ist es plötzlich hier drin. Gerade war es noch heiß. Ich verstehe gar nichts mehr. Es schmerzt schon seit Tagen, da hab ich mich fast schon drangewöhnt aber es juckt irgendwie also die Stelle der Bisswunde.“
Plötzlich sitzt Leah wieder neben mir auf der Bank.
„Da bist du ja wieder. Wo warst du gerade? Dann war das doch keine Einbildung. Ich dachte, du wärst tot. Haben die Chosen dich gehen lassen? Leah bleib doch.“
Aber Leah steht auf und geht durch die Tür nach draußen. Ich will ihr folgen doch Katina hält mich zurück und drückt mich zurück auf die Bank.
„Ich muss ihr nach, draußen ist es doch gefährlich.“ erkläre ich ihr im verzweifelten Ton aber sie lässt mich nicht durch und meint dass dort niemand wäre. Bilde ich mir das alles ein? Wäre ich gesund dann hätte ich ein leichtes Spiel gehabt, sie beiseite zu schieben und Leah zum Ausgang der Bar zu folgen aber so bleibt mir nichts anderes übrig als sitzen zu bleiben und auf meine Fluchtmöglichkeit zu warten.
Alaska stellt ein weiteres Glas Limo direkt vor mir auf den Tisch. Ich schiebe es von mir weg. Ich zittere wieder. Die Limo schwappt leicht über.
„Sorry, ich wisch das gleich weg.“ murmele ich. Wenn ich noch länger hier bleibe, steht vielleicht demnächst das Gebäude in Flammen. Ich sollte wohl besser endlich verschwinden und die Mädchen in Frieden ihr Leben leben lassen. Warum ich diese Bar oder was auch immer dieses Gebäude im Moment darstellt, überhaupt betreten habe, habe ich auch schon wieder vergessen. Ich will aufstehen aber wieder dreht sich alles. Dann schließe ich die Augen und fahre mir mit der Hand übers Gesicht. „Alles dreht sich. Irgendwas stimmt hier doch nicht.“
Plötzlich betreten ein paar Chosen die Bar. Ich raffe mich doch auf und stoße Katina, die gerade nicht aufpasst, beiseite um zur Tür zu stolpern, weiter als bis zur nächsten Bank komme ich aber nicht. Ich halte mich am Tisch fest und schlage vor Wut mit der Faust drauf. Ich blicke wütend auf meine Hände. Die Chosen lachen über mich: „Schwächling.“
„Ich bin kein Schwächling.“ brülle ich in ihre Richtung aber als ich aufblicke sind auch die Chosen wieder verschwunden. Ich setze mich und stütze meinen Kopf auf meine angewinkelten Arme Ich bin total fertig mit den Nerven und weiß überhaupt nicht wo mir der Kopf steht.
„Ich bin gleich weg.“ murmele ich. „Will euch ja nicht länger als nötig belästigen. Vielleicht haben die Chosen dort drüben“ Ich deute mit einer Hand nach links. „auch recht und ich bin ein Schwächling. Schließlich ist es meine Schuld weswegen meine Schwester tot ist. Ich konnte sie nicht gegen diese Widerlinge verteidigen. Wegen ihr war ich auch auf der Suche nach Luke, weil ich das Gefühl habe, dass ich es ihr schuldig bin mich mit ihm zu versöhnen. Und meiner eigenen Blödheit ist es nun zu verdanken, dass ich nun an ner Infektion oder was auch immer, verrecke weil ich so dumm war auf ein Grundstück mit Wachhund einzubrechen. Mein Gehirn scheint sich gerade, wie mein Gehör, zu verabschieden oder seht ihr auch diese vielen Menschen um uns herum?“ Ich hebe den Kopf von meinen Händen und sehe noch einmal in Alaskas eisblaue Augen. Während meines Monologs habe ich sie kein einziges Mal angesehen. „Und ja ich versinke gerade im Selbstmitleid aber ohne es zu wollen. Bitte lass mich noch zehn Minuten ausruhen, dann geh ich auch.“ Auch wenn ich noch keine Ahnung habe, wie ich mich überhaupt aus dieser Bar rausbewegen soll, wenn ich es aus eigener Kraft nicht mal bis zur Tür schaffe. Wäre meine derzeitige Lage nicht so verzwickt, würde ich über mich selbst lachen, was ich gerade für eine lächerliche Statur abgebe.
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BeitragThema: Re: Die "Flavor" Bar   Die "Flavor" Bar - Seite 3 EmptyMo 11 Mai - 22:23

"Natürlich wusstest du das nicht. Du kennst uns ja gerade mal seit ein paar Minuten und es steht 'Fremde' steht mir auch nicht direkt auf die Stirn geschrieben, schätze ich." Der Kerl weiß auch echt nicht, was er möchte. Er sollte mal seinen Tonfall überdenken, wenn er jemandem nichts ankreiden möchte, es aber automatisch aus seinen Formulierungen herauskommt. Sonst hätte er ja diesen blöden Satz mit den normal hörenden Menschen nicht gebracht, oder?! Mit dem Selbstmitleid habe ich wohl einen wunden Punkt erwischt und wieder am Männerstolz gekratzt, andererseits denke ich zu wenig über sowas nach, weil ich den männlichen Wesen immer mehr aus dem Weg gegangen bin, statt dass ich mich ihnen gestellt hätte, und falls doch, habe ich es komplett anders getan als jetzt. Es ist, als hätte ein anderes Ich meinen Körper übernommen, zumindest zum Teil.
Man gewöhnt sich also an alles ist das Motto von Luca? Für mich wäre das aboslut gar nichts, denn sobald man beginnt, sich an etwas zu gewöhnen, fängt man auch an etwas so zu akzeptieren wie es ist und hat weniger den Drang dazu, etwas noch zu ändern, es besser werden lassen zu wollen. Es mag oft ein einfaches Leben sein, wenn man so mit sich ins Reine gekommen ist und sich nicht mehr durch weiteres Kämpfen und Scheitern kaputt machen und Träume und Wünsche zerplatzen lassen will. Aber es ist auch eine feige Variante, wie ich finde.
"Mag sein, dass man sich an vieles gewöhnt, doch ob das gut ist, ist eine andere Geschichte. Gewöhnen heißt verlieren, in einer gewissen Art abstumpfen, desinteressierter werden. Und Gewohnheit braucht Zeit, die man nicht hat, wenn man nicht wissen kann, was einen am nächsten Tag erwartet, ohne Dinge, die einem eine Konstante geben. Das kannst du vielleicht höchstens in einem ganz abgeschiedenen Stück Ödnis schaffen und selbst da kann dir das Wetter einen Strich durch die Rechnung machen, um es nun mal ins Extreme zu ziehen. Ich werde mich jedenfalls nie an das Leben ohne alles, was wir früher gehabt haben, gewöhnen können, da ich es nicht rückgängig machen kann, probiere ich statt stillzustehen dann jedoch lieber immer das Beste aus allem zu machen, anstatt es so schätzen zu lernen wie es ist", philosophiere ich etwas mehr als beabsichtigt. Wieso bringt dieser Typ mich nur dazu, so viel zu plappern?!
Schließlich gibt er zu, öfter mal unbeabsichtigt danebenzulangen, wenn es um Gefühle oder das Handeln in bestimmten Situationen geht. Besonders unangenehm scheint ihm diese Eigenschaft hingegen nicht zu sein. Oder gleich so, dass er direkt ein anderes Thema anschneiden und auf mich zurückkommen muss. In seinen Augen mache ich in wenigen Minuten ja so einige Wandel durch. Zuerst Zicke, dann nun Streberin, was kommt als nächstes?
"Glaub mir, da wo ich herkomme, hatte ich ebenso anderes zu tun nach dem Virus, statt mich in ein leeres Schulgebäude zu setzen und darauf zu warten, entführt oder überfallen zu werden. Ein sicherer Ort war eine Schule nämlich bestimmt nicht, zu verlockend ist schließlich gewesen, Rache üben zu können für grausame Lehrer, quälende Themen und alles andere, das einem dort widerfahren ist."
Ich denke an all die Tribes, die in Tokio ihr Unwesen getrieben haben, an die Dinge, die Paris mir von draußen erzählte, als er manchmal zu unserer Familienwohnung zurückgekommen ist, erinnere mich an die Emotionen in seinen Augen, die mehr verrieten als er sagen wollte, wenn er davon berichtete, was seine Jungs und er in den letzten Tagen durchgemacht hatten und wie sich durch den Virus in Tokio so einiges wandelte.
Luca spricht währenddessen echt verächtlich über die ehemaligen Zukunftspläne, die sein Vater für ihn gehabt hatte. Ein gutes Verhältnis scheinen sie nicht gehabt zu haben, dennoch würde ich über meine Eltern nie so reden können. Sie waren nicht oft da gewesen, doch ich hatte sie sehr geliebt und tue es auch jetzt noch, auch wenn ich nie an einen Ort zurückkehren können werde, an dem ihre Gräber liegen, so wie andere es bei Friedhöfen machen können oder wenn sie noch wissen, wo sie ihre Lieben begraben haben. Paris und ich sind dazu nicht gekommen. Unsere Eltern kamen einfach nicht mehr heim, was bei meiner Mutter nicht verwunderlich war, denn sie hatte es wohl als einer der ersten erwischt, immerhin arbeitete sie in einem Krankenhaus, das zu Viruszeiten voll mit Infizierten gewesen ist. Als man zu Anfangszeiten des Übels noch nicht genau wusste, worum es sich bei der Krankheit handelte, die so schnell so viele Personen befiel und sie rasend schnell altern ließ, hatte Mam zu Hause, falls sie überhaupt heimkehrte, richtig fertig ausgesehen, ihr sonst sanftmütiger Blick war von Angst und Hilflosigkeit geprägt und der Abschied von ihr war jeden Tag schwerer. Die ersten Patienten auf der Welt und auch hier begannen zu sterben, die Nachrichten wurden täglich erschreckender. Mein Vater war noch seltener zu Hause, weil in seiner Botschaft so viel zu tun war, dass sie ihn nicht gehen lassen wollten, darum kommunizierten wir meistens nur über Telefon, wenn er es mal schaffen konnte, seinen Leuten und wütenden Bürgern, die auch an seinem Arbeitsplatz nach Hilfe lechzten zu entziehen. Paris und mir wurde rasch klar, dass jede Begegnung mit unseren Eltern, jedes Lebenszeichen das Letzte sein könnte und das schon bald. Mich machte der Gedanke fertig, ich floh in herausfordernde Tanzübungen, vergrub mich in Büchern oder gab mich Zusammenbrüchen in unserer Wohnung hin. Verließ das Haus so wenig wie möglich, Paris traute sich dagegen raus, ihm fiel die Decke auf den Kopf und er wäre drinnen wahnsinnig geworden. Allein sowieso schon, dann noch mit mir, die er zeitweise tröstete, dann wieder gar nichts tun konnte und eben selbst mit seinen Gefühlen zu kämpfen hatte. Ihm ging es nicht besser als mir, ich hätte mehr für ihn da sein können. Doch eines Tages war es zu spät...
"Womöglich hätten deine Eltern mit sich reden lassen, keine Ahnung. Aber nur, weil nun überall jeder lebt wie er möchte, heißt das nicht, dass alles früher umsonst gewesen ist. Und mit Jura hättest du weit mehr werden können als Anwalt. Alles hat mehrere Seiten, man darf eben nicht nur in eine Richtung blicken", meine ich. Natürlich kann ich nicht sagen, wie seine Eltern so gewesen sind, vielleicht war sein Vater tyrannisch, wollte ihn mit Biegen und Brechen in diese Sparte reinzwingen. Aber dass er so hoch für seinen Sohn plante, zeigte andererseits auch, dass er ihn nicht für einen Loser hielt, nicht als jemanden betrachtete, der nichts erreichen könnte.
Luca hat derweil seinen Sarkasmus wieder gefunden.
"Du bist ein Kerl, das kann schon einiges sagen. Und zudem wäre es wohl nicht ganz abwegig, wirklich noch mal eine Stripbar zu eröffnen, genug verrückte, die sie besuchen würden, gäbe es garantiert. Nur sind das auch oft dann Leute, die kein Nein kennen und noch weiter gehen wollen würden. Doch super, dass ich auch deinen Segen mit meinem Einfall habe, da ist der Tag ja gerettet", entgegne ich und lasse den offengelegten Beziehungsstatus mal unkommentiert. Der werte Herr hat also nirgendwo eine hübsche Freundin an seiner Seite. Wahrscheinlich haben die alle frühzeitig die Flucht ergriffen. Der Gedanke bringt mich zum Grinsen.
Bis Luca eben plötzlich seinen Aufall hat und Katina und ich ihn gemeinsam wieder reinbringen. Er sagt, er könne sich nicht genau erklären, was los sei, redet von seiner verstorbenen Schwester, Temperaturschwankungen und meine Sorge wächst. Das hier ist kein Spaß mehr sondern wirklich ernst.
Luca sitzt gerade mal wenige Sekunden lang auf der Bank, als er sich von Katina und mir abwendet, wieder in die Luft starrt und mit jemandem spricht, der nicht da ist. Er dreht sich abermals ruckartig um, will aufstehen, woran Katina ihn hindert, er ist vollkommen wirr. Das Getränk nimmt er nicht an, obwohl es vielleicht einen klareren Kopf geschafft hätte, weil ich nicht weiß, ob Luca zu der Verletzung auch noch dehydriert ist und darum fantasiert oder...ob sich etwas schon entzündet hat. Lustigerweise entschuldigt er sich noch dafür, etwas von der Limo verschüttet zu haben. Beklagt sich in der nächsten Sekunde über Schwindel. Trotzdem gelingt es ihm, aufzustehen, sich zur nächsten Bank zu schleppen und aus dem Nichts in den Raum zu rufen, kein Schwächling zu sein. Dann eröffnet er auch noch, uns bald zu verlassen, redet etwas von Chosen, die hier sind, davon, dass er sich zuschreibt, schuldig am Ableben seiner Schwester zu sein und am Ende vermutet er sogar selbst, dass seine Bisswunde sich entzündet hat.
Ich trete zu Luca und umgreife fest sein eines Handgelenk, versuche, seine Aufmerksamkeit auf mich zu lenken.
"Hör zu, alles ist gut, okay? Du gehst nirgends hin, nicht so. Komm mit."
Mit einem Nicken bedeute ich Katina mir zu helfen und als wir beide den jungen Mann jeweils an einer Seite stützen, führe ich die beiden in Richtung meines Zimmers. Luca muss sich hinlegen, ich muss in meinen Büchern nachsehen gehen, was mit ihm los sein kann und was ich dagegen unternehmen kann. Vage weiß ich so dies und das, doch auf bestimmte Krankheitsbilder habe ich mich nie spezialisiert, immerhin bin ich keine ausgebildete Ärztin.
In meinem Raum angekommen, bringen wir Luca zum Bett und legen ihn auf die Matratze. Er versucht direkt wieder aufzustehen, was ich zu verhindern weiß. Am besten wäre vielleicht, würde er ein paar Minuten schlafen, doch wie ich das erreichen soll, ohne ihn zu schlagen, was ich nicht will, weiß ich nicht. Katina möchte das bestimmt auch nicht übernehmen. Stattdessen schaut sie nun, wie sie Luca beruhigen kann, während ich zu meiner Tasche gehe und darin krame. Ein zerfleddertes Buch kommt zutage, in dem ich gezielt nach einer Sparte blättere und lese.
Hitzewallungen. Rötung. Tierbiss. Infektion.
Letztendlich stoße ich auf den Begriff der Blutvergiftung, auf die alles soweit hindeutet. Was ein großer Mist ist, ein gigantisches Problem. Denn schon früher war sowas extrem gefährlich und jetzt erst recht. Ich habe keine Antibiotika zur Hand, nichts, was einer Infusion gleichen könnte, geschweigendenn andere Dinge, die auf einer Intensivstation vorhanden gewesen wären. Verdammt!!
"Ich glaube, wir haben alle da etwas Großes vor uns", sage ich in den Raum, zeige Katina, was ich gefunden habe und ihre Augen werden ganz groß. Im Krankenhaus könnten wir etwas Hilfreiches finden, aber so können wir Luca auch nicht allein lassen und ich weiß nicht, wie schnell wir handeln müssen. Nicht, dass er stirbt, während wir weg sind oder eine nicht weiß, was sie machen soll, während die andere unterwegs ist.
"Wo sind wir da nur hineingeraten...", murmele ich vor mich hin. Der Witz ist aus mir verflogen, ob Luca ein kleiner Idiot ist oder nicht, tut nichts mehr zur Sache. Denn auch ein kleiner Idiot hat es nicht verdient zu sterben...
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BeitragThema: Re: Die "Flavor" Bar   Die "Flavor" Bar - Seite 3 EmptyMi 13 Mai - 11:18

Und wieder zickt sie mich an, auf den Punkt, dass ich ja nicht wüsste dass sie nicht von hier kommt, meint sie schnippisch dass es ja nicht auf ihrer Stirn stehen würde. Dafür interessiert mich dann doch, wo sie denn nun ursprünglich herkommt. „Und woher stammst du, wenn man fragen darf?“
Und ich habe weiterhin, das Gefühl, dass sie es mir übel, dass ich sie als „Normalhörende“ bezeichnet habe. Wobei ich mir nicht erklären kann, wo dabei ihr eigentliches Problem liegt. Ich hatte es weder als Vorwurf formuliert und noch habe ich es so gemeint. Ich werfe doch niemandem vor, dass seine Ohren besser funktionieren als meine. Was erwartet sie? Eine Entschuldigung, nach dem Motto tut mir leid, dass ich auf der Grundlage, dass dein Gehör zuverlässig seinen Dienst verrichtet, dich als Normalhörend bezeichnet habe?
Für sie ist, sich an etwas zu gewöhnen, also wie verlieren? Danke für das Kompliment. Sie hält mich also mit anderen Worten für einen Verlierertypen?
Was hätte ich denn ihrer Meinung nach tun sollen? Gegen meine Schwerhörigkeit ankämpfen, anstatt sie als Teil von mir zu akzeptieren? Das hätte mich nur noch tiefer in meine Depression getrieben, der ständige Gedanke daran, dass es kein Mittel dafür gibt um sein Gehör vollständig wieder zu erlangen. Das ist nämlich auch ein Irrtum, dem viele normalhörende Menschen aufliegen. Das Hörgerät verbessert das Hören aber nur wenn man es trägt, das heißt man wird immer darauf angewiesen sein. Man erlangt dadurch nicht den Punkt an dem man feststellt, dass das Gehör wieder allumfassend ohne Hilfsmittel funktioniert. Soweit war die Technik auch vor dem Virus nie.
Und in meiner Gefangenschaft der Chosen hat mir mein Aufwiegeln auch nichts gebracht nur noch mehr Prügel und Nahrungsentzug. Natürlich habe auch ich mich zunächst gewehrt und habe mir von diesen Zoot-Spinnern nichts sagen lassen aber gebracht hat es mir nichts Gutes. Jeder Mensch kommt einmal in seinem Leben an den Punkt, wo ihm keine andere Möglichkeit bleibt, als es einfach hinzunehmen was da mit einem passiert. Auch Miss Philosophie wird das irgendwann noch lernen müssen, früher oder später.
„Du hast dein bisheriges Leben immer in Freiheit verbracht oder? Ich meine, du warst nie eine Sklavin oder?“ frage ich vorsichtig.
Wie ich über meinen so verhassten Vater herziehe, scheint Madame auch nicht in den Kram zu passen. Sie hat ja keine Ahnung, redet dafür aber ziemlich altklug daher. Ihre Art fängt an für mich richtig stressig zu werden.
„Du kanntest meinen Vater nicht. Sei froh. Kann ja sein, dass du super Eltern hattest und sie vermisst. Ich, dagegen vermisse ihn nicht, nein im Gegenteil, ich bin froh dass er tot ist. Mal abgesehen davon, dass er nie für seine Kinder da war, wenn sie ihn gebraucht haben, habe ich mich immer gefragt warum setzt man dann welche in die Welt, wenn man anderen die Aufgabe überlässt, sich drum zu kümmern. Ich habe Strafen dafür erhalten, wenn ich meine Schwester vor ihren Peinigern verteidigt habe. Mein Bruder musste ihn förmlich anflehen, damit meine Schwester auf eine Gehörlosenschule wechseln durfte, weil mein ach so toller Vater sich nicht eingestehen wollte, dass er eine Tochter mit einer schwerwiegenden Behinderung hatte. Du kannst ja für dich entscheiden, ob du so einen Vater nach seinem Tod vermissen würdest oder nicht aber ich tue es nicht. Ich wäre niemals in seine Fußstapfen getreten, auch wenn er bereits meine gesamte Zukunft verplant hatte.“ Das Gespräch mit ihr bringt die vergessen geglaubte Wut gegen meinen Erzeuger wieder. Den Hass darüber, dass er blind akzeptierte, dass es Leah in der Schule schlecht ging und er nichts dagegen unternahm.
Ich bin also ein Kerl, ja? Na gut, dass mir das endlich mal jemand sagt, dass hätte ich ja sonst nie wissen können.
„Aber nur weil ich ein, um es mit deinen Worten auszudrücken, Kerl bin, heißt das nicht dass ich pausenlos an das eine denke.“
Das sie auch meinen Segen für ihren Einfall hat, rettet ihr den Tag? Will sie mich jetzt verarschen oder wie? „Ein bisschen weniger Sarkasmus und ich hätte dir fast geglaubt.“ meine ich darauf.
Nachdem ich ihr eröffnet habe, mich gleich auf den Weg machen zu wollen, umgreift sie mein rechtes Handgelenk und hat nach wenigen Minuten meine Aufmerksamkeit. Zunächst habe ich sie gar nicht wahrgenommen, vorallem weil die Chosen neben uns bereits wieder lachen und ich immer wieder hinüber zur Tür sehe, um zu checken, dass sie nicht näher herankommen. Dann sehe ich in diese wunderschönen, blauen Augen. Und wenn es mir durch meine Verletzung schon schwerfällt mich zu konzentrieren dann jetzt erst recht.
Sie meint, ich würde nirgendwo in dem Zustand hingehen und ich solle ihr folgen. Hat sie gerade ernsthaft gesagt, alles wäre gut?  Die beiden Mädchen stützen mich an je einer Seite. Ich versuche mich zu wehren aber kräftemäßig sind sie mir, in meiner Verfassung, deutlich überlegen. Sie bringen mich in ein Hinterzimmer in dem ein großes Bett steht und helfen mir dabei mich hinzulegen. In mir sträubt sich aber alles und ich versuche wieder aufzustehen, was jedoch diesmal von Alaska verhindert wird. „Ihr könnt mich hier nicht einsperren.“ schreie ich im Fieberwahn. Bereits auf diesem kleinen Weg vom Schankraum in dieses Zimmer habe ich gemerkt, dass ich das Bein so gut wie gar nicht mehr belasten kann. Es brennt, als wenn Alaska wieder mit ihrem Desinfektionszeug dran herumdoktern würde.
Während Alaska in irgendeiner Tasche herumkramt, versucht Katina mich zu beruhigen.  Nicht besonders erfolgreich denn ich nehme, um mich herum fast gar nichts mehr bewusst wahr.
Als sie dann fündig geworden ist, (Ein Buch? Ich sterbe hier und sie hat nichts Besseres zu tun, als die Leseratte in sich zu entdecken?) deutet sie auf etwas und zeigt es Katina.
„Was macht ihr da?“ frage ich heiser. Die Übelkeit kommt zurück und ich muss husten aber übergebe mich glücklicherweise diesmal nicht. „Kann mir einer meine Jacke bringen?"
Die beiden drehen mir den Rücken zu. Aber die unheimliche Stille im Raum gefällt mir gar nicht.
Ich richte mich ein wenig auf. Aber Katina meint, wieder ich solle liegen bleiben, aufstehen wäre nicht gut für mein Bein. Alaska holt meine Jacke und reicht sie mir, dabei fällt mein Foto aus der Tasche heraus. Sie hebt es auf. „Gib es mir." sage ich. Sie betrachtet es lange und reicht es mir dann. Sie fragt, wer die beiden neben mir sind. „Meine Geschwister." antworte ich recht wortkarg. Das Bild wurde kurz vor dem Virus aufgenommen an meinem und Leahs Geburtstag. Glückliche Zeiten an die ich mich gerne zurückerinnere. Auf dem Bild sitzt Leah in unserer Mitte. Ich hatte meinen Arm um sie gelegt. Wir sitzen im Gras im Garten unseres Elternhauses. Sie lächelt, genauso wie Luke und ich. So will ich sie immer in Erinnerung behalten, weshalb ich auch dieses Foto bei mir trage, wie ihre Kette mit einem kleinen, silbernen Anhänger, unserem Anfangsbuchstabe „L", die ich um den Hals trage. Auf dem Weg hierher bin ich an unserem Haus vorbeigekommen. Es war auch geplündert aber das Foto und die Kette konnte ich aus Leahs ehemaligem Zimmer doch noch retten. Es tat weh zu sehen, was aus meinem Zuhause geworden war. Eine Müllhalde im wahrsten Sinne des Wortes. Lustig daran ist einzig der Gedanke was meine Eltern dazusagen würden, wenn sie wüssten was aus ihrem schönen und immer sauberen Haus geworden ist. Sie wären total schockiert, wenn meine Mutter nicht sogar gleich in Ohnmacht gefallen wäre.
Ich nehme mein Hörgerät heraus um mich besser auf meine rechte Seite legen zu können. Ich stecke es in die Hosentasche.
Dann sagt Alaska, dass wir etwas Großes vor uns hätten, was mich nur noch mehr verwirrt. Wovon redet sie?
Meine Augenlider werden langsam immer schwerer und ich schließe sie. Mein letzter Gedanke gilt meiner Schwester und das ich wohl bald wieder mit ihr vereint sein werde. Ein tröstendes Gefühl, dass die Angst vom möglichen Tod eindämpft. Das Foto weiterhin in der Hand haltend, schlafe ich ein.
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BeitragThema: Re: Die "Flavor" Bar   Die "Flavor" Bar - Seite 3 EmptySa 23 Mai - 15:20

Die Gegenfrage klingt überraschend interessiert, ohne Unterton, der schon eine Vermutung nahelegen würde und damit wahrscheinlich auch ein Vorurteil über eine bestimmte Kultur. Allein von meinem Aussehen her würde man schätze ich aber nicht darauf kommen, wo meine Wurzeln liegen. Anders als Paris hatte ich nicht die dunklen Haare meiner Mutter geerbt, lediglich an den Augen könnte man eventuell minimal erkennen, dass sie etwas schmaler waren als die von anderen Leuten, die keine asiatischen Gene in der Familie hatten. Andererseits konnte das auch Einbildung von mir sein, etwas, das ich mir stets eingeredet hatte, um an mir etwas zu finden, das mich nicht nur vom Wesen her mit meiner Mutter verband. Mit meinem Vater war das anders. Ihm war ich zwar ebenso nicht direkt aus dem Gesicht geschnitten, in New York hatten die Leute aber gemeint, man würde, falls man uns beide nebeneinander sah, dennoch sofort erkennen, dass wir zusammengehörten. Dabei war ich seit Generationen der Einzige Blondschopf in der Familie, sowohl in jener meines Vaters und in der meiner Mutter sowieso, denn blonde Japaner waren nicht gerade eine oft vorkommende Sache, waren die Haare nicht extra so gefärbt worden. Mein Vater hatte dagegen bloß einen asiatischen Nachnamen, die weiblichen Gene was das Äußere anging waren in seiner Familienlinie anscheinend aber stärker gewesen, sodass er natürlich aussah wie ein Mann und keine besonders femininen Züge hatte, aber eher wie ein Amerikaner statt wie ein Japaner aussah, mein Großvater trug diese Herkunft hingegen auch nur noch zur Hälfte in sich. Die komplizierten Gedanken ließen mich zusammen mit dem ganzen Drumherum gerade schwindeln, doch ich fing mich schnell wieder, weil es nun Wichtigeres gab, um das ich mich zu sorgen hatte.
"Vor dem Virus habe ich lange in Japan gelebt", fällt meine Antwort anders als meine Gedanken relativ kurz aus. Dabei ist Lucas Reaktion auf meinen Vorwurf mit der Akzeptanz gewisser Begebenheiten Bände sprechend. Was sich in seinen energischen Fragen anschließend auch wiederspiegelt. Und er hat Recht, ich habe es die ganzen Jahre über geschafft, allem so aus dem Weg zu gehen, dass ich mich außer den Oceans keinem angeschlossen habe und auch nie gefangen und als Dienerin missbraucht worden bin. In dieser Hinsicht habe ich wohl Glück gehabt. Es tut mir jetzt sogar ein wenig leid, so unverblümt gewesen zu sein. Ich schüttele den Kopf.
"Nein, ich war niemals Sklavin oder Ähnliches. Außer nach dem Virus in unserer Wohnung vielleicht. Und in dieser neuen Welt sind wir sowieso alle auf unsere Weise gefangen. Ich wollte dir da nun auch nicht zu nahe treten, aber...ich finde, man sollte nie aufgeben und den Blick nach oben verlieren. Ich meine, schau, falls du mal inhaftiert gewesen bist, ist es vorbei, statt dort bist du nun hier", entgegne ich und widme mich weiter dem Buch, um die Zeilen noch mal zu überfliegen, damit ich herausfinden kann, was Katina und ich am besten als nächstes tun. Luca hält währenddessen ein Plädoyer über seinen Vater und meinen Trugschluss über ihn. Er spricht von einem Mann, der kaum zu Hause und für seine Kinder da gewesen ist. Von einem Menschen, dem es schwerfiel, die Behinderung seiner Tochter zu akzeptieren. Und es erinnert mich vage, ganz leicht an meinen eigenen Dad. In seiner Botschaft hatte er eben zu viel um die Ohren. Gehasst habe ich ihn trotzdem nicht. Er hatte sich diesen Lebensweg ausgesucht, unsere Mutter hat Paris und mir, wenn wir nach unserem Vater fragten, abgeschwächt erklärt, was er so auf seiner Arbeit macht, welche Verantwortung er trägt und dass das, was er tut, wichtig für viele andere Personen ist. Wir fanden es traurig, dass er nicht so oft bei uns sein konnte, aber wir verstanden es irgendwie und freuten uns, kam er doch mal nach Hause, statt ihn mit Vorwürfen zu bombardieren.
"Stimmt, ich kannte ihn nicht. Und das wird sich niemals ändern. Allerdings weiß ich, wie es ist, wenn die Eltern viel arbeiten. Manchmal kann man sich sein Los nicht aussuchen. Soweit, dass ich mich darüber freuen würde, dass sie gestorben sind oder dass ich sie gar hassen würde, wäre ich hingegen nie gegangen. Sie sind Eltern, ja, doch genauso gut Menschen, mit Wünschen und Gedanken und Problemen, die wir nicht so gut verstehen können, wie wir es womöglich denken. Naja, wie dem auch sei. Nun ist das alles ohnehin Vergangenheit", erzähle ich leise und ordne in meinem Kopf die Kräuter, die ich dazu verwenden kann, die Verletzung zu mindern und die hoffentlich die Heilung vorantreiben, sowie die Entzündung mindern werden. In Gedanken rufe ich mir eine Landkarte auf, überlege, wo ich die benötigten Sachen am besten herbekomme. Im Wald auf einer Lichtung könnte ich Glück haben, oder aber wieder oberhalb des Strandes auf den Dünen, wo ich damals diesem verwirrten jungen Mann und seiner Gruppe, so wie dem kleinen Mädchen begegnet bin, mit dem ich aus einer Laune heraus Verstecken gespielt habe, als sie mich darum gebeten hatte. In der Stadt bekomme ich die Kräuter jedenfalls nicht und die schon zubereiteten Salben sind für andere Wunden, bei dieser offenen könnten sie mehr schaden als helfen.
"Natürlich nicht. Verallgemeinerungen sind ja auch nicht gut. Aber wie die Unschuld in Person wirkst du nicht gerade, tut mir leid. Und damit, dass du mir nicht glaubst, kann ich leben."
Luca sind die Mädchenherzen früher bestimmt reihenweise zugeflogen. Er verinnerlicht die richtige Mischung aus Aussehen, Witz und Bad Boy, auf die so viele meiner Schulkameradinnen immer standen, falls ihnen die lieben Jungs zu langweilig waren und die Vollmachos zu anstrengend. Auf Letztere fielen sie dennoch ziemlich häufig herein, wechselten ihren Beziehungsstatus wöchentlich und jeder verlor - inklusive ihnen selbst - bald den Überblick.
"Ich habe in dem Buch nach etwas gesucht, das deinen Symptomen einen Namen gibt, damit wir wissen, womit wir es zu tun haben. Genau kann ich es nicht sagen, eine Diagnose habe ich dagegen ins Auge gefasst und glaube nicht, mich zu irren. Wir kriegen das aber wieder hin, werden unser Bestes geben", entgegne ich auf Lucas Nachhaken zu dem, was wir hier jetzt tun, wo er auf der Matratze meines Bettes liegt. Er hustet, bittet Katina um seine Jacke. Seine Temperatur scheint verrückt zu spielen. Hat er eben noch über Hitze geklagt, ist es ihm nun kalt. Das alles beunruhigt mich noch mehr, ich lasse es aber nicht nach außen dringen. Genauso wenig wie ich Luca mitteile, was ich über seine Bisswunde glaube. Das würde ihn bloß noch mehr stressen und seine Energie ist anders besser aufgehoben. Ich hole anstelle meiner Bekannten das Kleidungsstück, aus dem etwas herausfällt, als ich es hochhebe. Es handelt sich um ein Foto, das schon ziemlich alt sein muss. Darauf sind drei Kinder abgebildet, zwei Jungen und ein Mädchen in deren Mitte. Sie sehen glücklich aus, die Ähnlichkeit zwischen den zwei Jüngeren - offenkundig Luca und seine Schwester, ist dabei kaum zu verkennen. Ich will trotzdem wissen, um wen es sich auf dem Bild handelt und Luca bestätigt, dass es seine Geschwister sind, fordert das Foto dabei ein und ich gebe es ihm zurück. In seinem Zustand bin ich nun nicht mehr zu Scherzen aufgelegt. Dabei denke ich an die Familienbilder, die ich damals aus Japan mit aus der Wohnung genommen habe und sie seitdem in meinem Tagebuch aufbewahre, in dem ich Paris auch die Briefe schreibe. Luca ist wie gebannt von der Aufnahme und starrt sie an. Dann entfernt er sein Hörgerät, lässt es in seiner Hosentasche verschwinden und legt sich wieder hin. Seine Augenlider werden schwer und Katina und mir bleibt nichts anderes übrig, als dabei zuzusehen, wie er einschläft. Ich fühle dabei seinen Puls, der nicht normal ist, aber auch nicht am Minimum.
"Du musst dich eine Weile um ihn kümmern, während ich versuche, draußen Kräuter zu finden, mit denen wir ihn behandeln können. Ich versuche auch Wasser mitzubringen. Solang kannst du ihm ein Tuch auf die Stirn legen und das restliche Wasser in der Bar benutzen. Ich versuche, so schnell wie möglich wieder da zu sein, in Ordnung?", richte ich mich dann an Katina. Ich weiß, dass es viel verlangt ist, sie nun so hier festzuhalten und ihr diese Verantwortung zu übertragen, aber etwas anderes bleibt kaum übrig. Ich greife nach meiner Tasche, lasse das Buch wieder darin verschwinden und verlasse mit einem letzten Blick auf die beiden das Zimmer, durchkreuze mit schnellen Schritten die Bar und will gerade nach draußen treten, als mir der leere Wasserkanister ins Auge fällt, mit dessen Inhalt Luca vorhin die Blutflecken weggewischt hat. Ich gehe zurück, nehme diesen und hole noch zwei weitere - es wird zwar schwer sein zu tragen, aber irgendwie muss ich es schaffen und verlasse die Bar. Die Tür bleibt offen, falls Katina Hilfe holen muss und ich bete dafür, dass unerwünschter Besuch fernbleiben wird.

tbc: Straßen der Stadt


Zuletzt von Alaska* am Sa 23 Mai - 21:33 bearbeitet; insgesamt 2-mal bearbeitet
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BeitragThema: Re: Die "Flavor" Bar   Die "Flavor" Bar - Seite 3 EmptySa 23 Mai - 18:06

„Du bist Japanerin? Hätte ich jetzt nicht vermutet. Muss wohl ein schönes Land sein, habe ich gehört. Ich war allerdings nie außerhalb von unserem Land.“ Und das ist wohl auch seltsam, schließlich hatten meine Alten Geld wie Heu, waren aber zu geizig mal mit uns in den Urlaub zu fahren. Na ja vergangen ist vergangen. Jetzt bin ich mein eigener Herr und kann tun und lassen, was ich will, so wie ich es immer wollte aber so ganz wohl fühle ich mich dabei doch nicht. Als Kind habe ich mir so ein Leben immer gewünscht, natürlich nicht ohne einen einzigen Erwachsenen, das nicht unbedingt aber ich wollte unabhängig von meinen Eltern sein. Ich habe immer und pausenlos gegen ihre Regeln rebelliert, wäre dafür sogar beinahe ins Internat abgeschoben wurden. Aber egal.
Hatte ich mit meiner Vermutung doch recht, ich hatte es mir beinahe gedacht, bevor ich die Frage ausgesprochen hatte. Miss Philosophie hatte ihr Leben bisher immer in Freiheit verbracht. Ich hatte auch nicht vor, mit ihr darüber lange Gespräche zu führen, noch hatte ich vor es ihr überhaupt zu erzählen. Wozu bringt mich dieses Mädchen nur? Ich kann es mir nicht erklären. „Ich will eigentlich auch gar nicht drüber sprechen.“ meine ich auf ihre Erklärungen hin, dass sie nie eine Sklavin war. Dann entschuldigt sie sich, weil sie selbst merkt, dass sie mir zu nahe getreten ist. „Schon ok,“ setze ich an „ich habe mich wohl noch nicht ganz aufgegeben, schließlich lebe ich noch, auch wenn diese Zoot-Spinner mir alles genommen haben, wofür es sich zu leben lohnte. Wenn diese Rebellen mich nicht befreit hätten, wäre ich auch noch da und es würde wohl auch Niemanden interessieren. Schließlich habe ich keine Familie mehr.“ füge ich es etwas trübsinniger hinzu, als ich es geplant hatte. Während unseres Gesprächs überfliegt sie immer wieder Seiten in einem Buch.
Mit dem was sie, auf meine Ausführungen über meinen Vater, erwidert, habe ich allerdings nicht gerechnet. Ihre Eltern haben also auch sehr viel gearbeitet. Sie meint, soweit wie ich wäre sie allerdings nie gegangen, von Hass oder Freude über ihren Tod zu sprechen. Tja Babe, du bist halt nicht ich.
„An dem, was du da sagst, erkenne auch ich viel Wahres aber mein Verständnis für meine Alten hält sich trotzdem sehr in Grenzen. Hoffe, du hattest wenigstens das Glück, dass sie Zeit mit dir verbrachten, wenn sie mal zu Hause waren.“ Und ja wie froh ich darüber bin, dass meine Alten Geschichte sind und mein Vater mich mit seinen ewigen Vorwürfen nicht mehr behelligen kann.
Sie meinte, dass sie damit leben könne, dass ich ihr nicht glaube. „Na ja, was anderes habe ich auch nicht erwartet.“ Ich grinse und zwinkere ihr zu. „Und das ich nicht wie die Unschuld vom Lande aussehe, ist mir klar. Das bin ich auch nicht.“ füge ich unverkennbar hinzu, schließlich entspricht es der Wahrheit. Wenn sie wüsste. Ich weiß nicht, einige würden mich wahrscheinlich als Bad Boy ansehen weil ich immer genau das tue, was ich will und mich nur schwer an Regeln von anderen halten kann aber ich kann auch anders und das konnte nur Leah wissen, denn nur in ihrer Gegenwart war ich wirklich der Luca, der ich sein wollte. Ein Luca, der auch mal Schwäche zeigen konnte, ohne gleich das Gefühl haben zu müssen, sein Gesicht vor den Anderen zu verlieren. Es war ein befreiendes Gefühl, welches ich sehr vermisse und wohl nie wieder in dieser Form erleben können werde.
Ich liege plötzlich auf einem Bett. Ob das ihr Bett ist? Es riecht jedenfalls nach Mädchen. Aber trotzdem fühle ich wohl, wenn diese ganzen Umstände, mit meinem Bein usw., nicht wären. Ich wundere mich darüber, habe aber schon wieder vergessen, wie ich hierhergekommen bin. Auf meine Frage, erklärt sie mir irgendwas aber ich höre schon gar nicht mehr richtig zu. Ich verstehe nur noch, dass wir das wieder hinkriegen. Ach echt? Wie denn? Ist sie jetzt auch noch ne Ärztin? Sie überrascht mich immer mehr. Aber ich sage dazu nichts mehr. Ich befinde mich wohl gerade im Dämmerzustand, irgendwo zwischen Wach und Traum und zwischen Kälte und Hitze.
Als Alaska die Bar verlässt und mich mit Katina allein lässt, bin ich schon, tief und fest, eingeschlafen, und bemerke es somit gar nicht.

Als ich meine Augen öffne, glaube ich kaum wo ich bin. Aber ich bin in meinem Zimmer im Haus meiner Eltern. Wo ist die Bar? Wo sind Alaska und Katina? War das alles nur ein Traum?
Plötzlich steht meine Mutter im Raum, reißt die Jalousien auf, damit gleißendes Licht ins dunkle Zimmer fällt und sagt im sehr lauten Ton: „Lucas, steh auf. Du hast schon wieder verschlafen.“ An den lauten Tonfall habe ich mich gewöhnt, so redet sie immer mit mir, selbst mit Leah redet sie so, obwohl die sie gar nicht hören kann. Für meine Mutter gibt es zwischen Schwerhörigkeit und Taubheit keinerlei Unterschied. Auf meinem Nachttisch, nach meinem Hörgerät kramend, stehe ich dann doch auf. Ich stecke es hinter mein Ohr. Während ich mich anziehe und fertig mache, steht meine Mutter wieder im Raum. Privatsphäre gibt es für sie genauso wenig.
„Beeilst du dich jetzt mal? Ich muss zur Arbeit.“ schimpft sie.
„Dann fahr doch. Was hab ich damit zu tun?“ Verstehe einer diese Frau. Soll sie doch zu ihrer geliebten Arbeit fahren, das interessiert mich kein Stück.
„Du, mein lieber Freund, musst in die Schule. Dein Lehrer hat gestern wieder angerufen und mir erzählt, dass du wieder nicht im Unterricht warst.“
„Na und?“ Nachdem dieser Virus ausgebrochen war, der angeblich nur Erwachsene befiel, spielten doch Viele verrückt. Wer geht da noch zur Schule?
„Du hast wieder mit diesem Rollstuhl-Jungen rumgelungert, stimmt‘s?“
„Er hat einen Namen. Er heißt Blake.“ murmele ich grimmig. Wie ich es hasse, wenn sie Blake als „Rollstuhl-Jungen" bezeichnet. Kann sie sich denn gar keine Namen merken?
„Sprich deutlich wenn du mit mir redest.“ faucht sie mich an. „Und jetzt beweg dich endlich ins Auto.“ Und schrei du mich nicht so, möchte ich am liebsten zurückfauchen aber auf noch mehr Diskussionen habe ich jetzt gerade keine Lust.
Meine Eltern sind beide der Meinung, dass Blake ein schlechter Umgang für mich ist, nicht nur weil er querschnittsgelähmt ist sondern vielmehr weil seine Mutter eine einfache Krankenschwester ist. Ich beneide Blake oft um seine Mutter. Seit ich ihn kenne, gehe ich bei ihm zu Hause ein und aus. Ich bin ein gern gesehener Gast im Hause Taylor. Mrs. Taylor ist eine herzensgute Frau, die sich mit viel Wärme und Liebe um ihren Sohn kümmert. Meine Mutter dagegen interessiert sich nur dafür, was unsere Nachbarn über ihren Vorgarten denken, wenn ich mal wieder das Laub nicht wegfegt habe. Die Ordnung bestimmt unser Haus mit voller Härte. Unser ganzes Haus? Nicht ganz, mein Zimmer bildet da eine große Ausnahme. Es ist nicht schmutzig bei mir aber ganz so penibel sauber wie der Rest des Hauses ist es auch nicht.
Als sie mich an der Schule absetzt, schärft sie mir noch einmal ein, wie wichtig es ist, dass ich gute Noten in der Schule habe. Ich ignoriere es und steige einfach aus. Hinter der Schule treffe ich auf Blake. Er sieht mich gerade nicht, da sein Rolli von mir abgewendet steht.
„Hey du Penner, warum hast du mich nicht geweckt? Meine Mutter stresst mal wieder tierisch.“ Als ich mich auf die Bank ihm gegenüber setze: „Heulst du oder wie?“ Blake sagt jedoch nichts. Er hält ein Foto in der Hand. Es sieht ganz nass und zerknittert aus aber ich kann dennoch seine Mutter auf dem Bild erkennen. „Alles okay?“ frage ich kleinlaut. Ich kenne ihn nicht als Weichei oder so, also wenn Blake heult, muss schon was Schlimmes passiert sein.
Er schnieft: „Meine Mutter…“ Er stockt immer wieder. „..ist gestern verstorben.“
Meine Augen weiten sich. „Das tut mir sehr leid. Ich, Idiot, das habe ich nicht gewusst.“ Ich bin wohl der größte Trottel, der auf diesem Planeten rumwandelt.
„Konntest du auch nicht. Ich habs bisher niemandem erzählt.“
Zunächst weiß gar nicht so richtig, was ich erwidern soll, denn auch ich habe Mrs. Taylor sehr gemocht.
„Ich kann ne Weile bei dir pennen, wenn du nicht allein sein willst oder Hilfe brauchst.“ Ich weiß, wie schwer es ihm fällt um Hilfe zu bitten, wenn er mal wieder mit dem Rollstuhl nicht zu Recht kommt. Ich habe ihn bereits so kennengelernt, kenne ihn also gar nicht ohne das Ding aber es scheint ihn von Zeit zu Zeit echt noch stark mitzunehmen. Und ich mag es nicht, wenn er diesen Selbsthass mit sich rumträgt, dann ist er unausstehlich. Wahrscheinlich ist meine Einschränkung zu gering um das nachvollziehen zu können, was Blake, aufgrund seiner Behinderung, durchleidet aber ich habe mir darüber nie wirklich Gedanken gemacht und darüber kann man mit ihm auch nicht reden, da er dann abblockt. Anstatt auf mein Angebot einzugehen, lehnt er es ab. Ich habe, ehrlich gesagt, auch nicht damit gerechnet, dass er sich darauf einlässt. So gut es geht, versucht er allein klarzukommen.
„Nein, geht schon. Das musst du nicht.“
„Es würde nicht nur dir helfen.“ meine ich verbissen. Das mir ausgerechnet, in diesem Moment meine eigenen Probleme wieder einfallen, ist so typisch für mich. Scheiß Egoismus.
„Wieso? Hast du wieder Stress mit deinen Eltern?“ Er trocknet sich die Augen mit einem Taschentuch und putzt sich dann die Nase.
Ich nicke: „Sorry, ich weiß meine Probleme sind nichts im Vergleich zu deinen und ich möchte jetzt auch eigentlich gar nicht darüber reden.“ Der Drang darüber reden zu können ist groß aber ich weiß, dass ich eigentlich, ihm beistehen sollte, nach seinem großen Verlust und nicht wieder an mich selbst denken sollte.
Er zwingt sich zu einem Lächeln: „Eigentlich heißt bei dir, dass du dringenden Gesprächsbedarf hast, also erzähl schon.“
Gut enttarnt. Lügen kann ich also auch nicht. Er kennt mich einfach zu gut.
„Mein Alter hat mir am Tag nach meinem und Leahs Geburtstag eröffnet, dass ich nach meinem Abschluss in seine Kanzlei eintreten muss.“ meine ich missmutig.
„Weiß er, dass du erst 14 Jahre alt bist?“ fragt er skeptisch.
„Keine Ahnung. Manchmal frage ich mich ob er bei meiner Zeugung überhaupt anwesend war, so wenig wie wir gemeinsam haben.“ Tja, ich habe auch oft das Gefühl, dass ich adoptiert wurde aber wenn es so wäre, hätte mein Alter mich sicher schon längst wieder vors Waisenhaus gekarrt, wo er mich hergeholt hat. Dementsprechend muss ich wohl sein eigen Fleisch und Blut sein, ob ich das nun toll finde oder nicht, spielt dabei keine Rolle.
„Die Party war super.“ bemerkt Blake um mich auf andere Gedanken zu bringen, obwohl er es ja nötiger hätte als ich. Er redet von meiner Geburtstagsparty, zu meinem und Leahs 14. Geburtstag. Sie war letzten Samstag und meine Eltern waren nicht daheim, was mich an diesem Tag, keineswegs störte. Ich hatte ein paar Freunde eingeladen, genauso wie Leah und wir haben gefeiert, bis zum Umfallen. Später gab es noch Stress mit unseren Spießernachbarn aber das war uns egal. Na ja nicht allen. Leah war es nicht egal. Sie bat mich die Musik leiser zu stellen, wenn es die Nachbarn stören würde aber ich war zu betrunken, um überhaupt auf die Reihe zu kriegen, was sie mir sagte. Selbst mein spießiger Bruder war angetrunken. Das muss man sich mal vorstellen. Luke, der Langweiler in Person, war betrunken. Hatte ich vorher nicht mit gerechnet, dass er auch ne coole Seite hat.
„Ja, das stimmt. Sieh mal hier.“ Ich hole ein Foto aus meiner Hosentasche und reiche es ihm.
Auf dem Bild sieht man die drei Parker-Geschwister, gemeinschaftlich auf der Wiese im elterlichen Garten sitzen. Leah sitzt in der Mitte, links ich und rechts von ihr Luke. Ich habe meinen Arm um meine Zwillingsschwester gelegt. Alle lächeln. Das Bild wurde an Anfang des Tages aufgenommen, als wir alle noch nüchtern waren.
„Ein schönes Foto. Man kann richtig erkennen, dass ihr Zwillinge seid. Sie hat deine Augen.“
Er gibt mir das Bild zurück und ich betrachte es noch einmal. „Stimmt. Ist mir bisher nicht aufgefallen.“
„Idiot.“ Blake schlägt mir leicht vor die Stirn.
„Na gut. Klar sind wir uns ähnlich. Wir sind immerhin Zwillinge.“ Auch ich muss lachen. „Was wolltest du denn hören? Und schlag mich gefälligst nicht. Man vergreift sich nicht an körperlich beeinträchtigten Menschen.“
Blake lacht: „Keine Ahnung. Du bist ein Idiot weißt du das? Was machen wir heute?“ So mag ich ihn schon mehr, wenn er lacht.
„Zur Schule gehen?“ Ich kann mir ein Grinsen nicht verkneifen, da ich das Wort „gehen" besonders betone, um ihn aus der Reserve zu locken. Und es funktioniert. Auch wenn er den Schmerz natürlich nicht ganz vergisst, sieht sein Gesicht, schon wieder weniger traurig aus.
Blake boxt mich oder eher versucht es, denn ich weiche ihm aus.
„Du hättest es nötig. Denk an die tolle Zukunft, die Daddy für dich vorgesehen hat.“
„Ach wenn sich dieser Virus weiter ausbreitet. Ist es eh aus mit ihm.“
Über die tolle Zukunft, die mein Vater des Jahres, für mich geplant hat, mache ich mir schon lange keine Gedanken mehr, seit der Virus ausgebrochen ist. Ich warte nur noch den Moment seiner Beerdigung ab.
„Tut mir nur Leid um deine Mum. Sie war super. Auch ich werde sie vermissen.“ Bei Blake’s Mutter ist das hingegen was anderes. Sie war einfach super. Ich habe fast das Gefühl, als wäre sie meine Mum und ich hätte sie verloren. Aber dann besinne, ich mich wieder, nein, deine Mum sitzt auf Arbeit und verknackt irgendwelche Kriminellen. Was für eine Tragödie, nicht nur für die Knackis.
Dann fällt mir wieder ein, was ich heute früh, noch bevor meine Eltern aufgestanden sind, im Flur „gefunden“ habe. „Und sieh mal, was ich meinem Super-Daddy aus der Tasche geklaut habe.“ Ich zücke einen Autoschlüssel aus der Tasche.
„Nein. Das hast du nicht getan.“ Blake greift nach dem Schlüssel. Ich halte ihn aus seiner Reichweite.
„Na, na Mr. Taylor, wenn du Glück hast, nehme ich dich ein Stück mit.“
Das war so klar, dass er sich darüber freuen würde, mit dem schweineteuren Mercedes meines Vaters rumkurven zu können.
„Na dann worauf warten wir noch? Wo hast du die Karre stehen?“
„Ich muss dir leider vorher mitteilen,“ beginne ich, im gespielt, ernsten Ton „dass ich dich aus versicherungstechnischen Gründen nicht ans Steuer dieses Fahrzeugs lassen darf.“ Ich steige dann, nach einer Weile, doch mit in sein Lachen ein, da ich es mir nicht länger verkneifen kann.
„Na dann, folge mir.“ meine ich und stehe auf.
Ich kanns immer noch nicht glauben, dass ich das wirklich getan habe. Meinem Vater den Autoschlüssel zu klauen und dann vom Kanzleiparkplatz runterzufahren, war wirklich das Coolste was ich je getan habe. Unser Ausflug zum Strand war echt geil. Das Auto sah danach aus wie sau aber ich genoss jede Minute. Und was tat ich danach? Ich versenkte die Karre im Meer. Wofür brauchen Sterbende denn ein Auto? Und noch viel cooler fand ich dann, dass ich keinerlei Strafe dafür erhielt, denn mein Vater starb noch in der gleichen Woche, bevor er herausfinden konnte, dass ich sein Auto geklaut hatte. Und meine Mutter hatte danach andere Probleme als ein verschwundenes Auto.


Ich schlage die Augen kurz auf. War das doch alles ein Traum? Ich blicke in Katinas besorgtes Gesicht. Alaska ist aber nicht da. „Wo ist sie?“ frage ich schwach. Katina erklärt, dass Alaska draußen im Schankraum wäre. Ich habe nicht wirklich das Gefühl, dass sie die Wahrheit sagt aber beschwere mich nicht über diese Tatsache. Ich schließe wieder die Augen und schlafe wieder ein. Vielleicht hat sie sich doch weggeschlichen damit die Zeit ihr Problem von selbst löst. Hätte nicht gedacht, dass sie so jemand ist aber ich bin zu schwach um mir weiter darüber Gedanken zu machen.
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